Auf dem gut 12.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Cuvrystraße, Schlesischer Straße und Spree standen einst ein Bunker und ein paar Lagerhallen. Vor knapp 20 Jahren begann dort das Jugend- und Kulturprojekt Yaam seine Arbeit, eine der ersten Strandbars der Stadt entstand dort. 1998 musste das Yaam weichen, weil gebaut werden sollte. Ein Investor plante das Einkaufszentrum „Cuvry-Center“. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sprach sich dagegen aus. Die Konsequenz: Der damalige Bausenator Peter Strieder (SPD) entzog dem Bezirk die Planungshoheit. Seither ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für das Areal zuständig.

Nach der Insolvenz des Investors wechselte der Eigentümer. Statt des Einkaufszentrums sollte nun ein Ensemble mit Einzelhandel, Gründerzentrum, Lofts sowie ein Hotel und Gastronomie gebaut werden. Senator Strieder wurde von Parteifreunden kritisiert, weil er trotz der geänderten Planung an der alten Baugenehmigung festhielt, sie dem Neuen sozusagen „zum Geschenk mache“. Auch aus diesen Plänen wurde nichts, die Brache wurde zum Spielfeld und Projekteraum für Künstler.

Guggenheim-Lab vergrault

Ins Blickfeld geriet das Gelände wieder im Jahr 2012, als sich dort das BMW-Guggenheim-Lab für einige Wochen niederlassen wollte. Erste Protestzelte wurden aufgebaut, nach heftiger Anwohnerkritik zog das Lab nach Prenzlauer Berg. Immer mehr Zelte und Hütten kamen hinzu. Derzeit sollen bis zu 200 Menschen dort leben, darunter Obdachlose, Lebenskünstler, aber auch Bulgaren, die aus der alten Eisfabrik raus mussten, sowie Romafamilien mit Kindern.

Seit 2012 gehört das Gelände dem Berliner Immobilienentwickler Artur Süsskind. Er will dort die „Cuvryhöfe“ bauen, eine Wohnanlage mit Spreeterrasse, Kita und Supermarkt. Vor einem Jahr stellte er seine Pläne den Nachbarn vor, die auch dagegen protestierten und den Slogan „Free Cuvry!“ ausgaben. Der Bezirk forderte, dass Berlin das Gelände kaufen und dort eine Grünfläche entwickeln soll. Das lehnt der Finanzsenator aber ab.

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird derzeit an einem neuen Bebauungsplan gearbeitet. Der ist notwendig, weil es jetzt verstärkt ums Wohnen statt um Gewerbe geht. Geht man davon aus, dass ein Bebauungsplan rund zwei Jahre in Anspruch nimmt, ist mit Bautätigkeiten nicht vor 2015 zu rechnen. Weil es auf der Brache zuletzt immer wieder zu Gewalttaten und auch zu Bränden kam, hat der Eigentümer vor kurzem Kontakt zur Polizei aufgenommen. „Wir reden darüber, was man tun kann, um eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. Der Begriff „Räumung“ sei noch nicht gefallen, es sei aber möglich, dass es darauf hinauslaufe, heißt es.

Aber vielleicht spielt dem Investor auch die Zeit in die Karten: Denn die Sympathie der Anwohner für die Besetzer hat spürbar nachgelassen, seit es im Camp, das auch als „Kreuzberger Favela“ verspottet wird, nach Müll stinkt, vermehrt Ratten herumlaufen und zunehmend randaliert wird. „Räumen, und zwar sofort“, ist inzwischen sogar aus der Nachbarschaft zu hören.