Am Wochenende wollten wir einen Ausflug machen. Eine Freundin hatte die Idee, mit dem 100er-Bus zu fahren, sie hätte das neulich mit ihrem vierjährigen Sohn gemacht, und der sei ganz begeistert gewesen – schließlich fuhr er zum ersten Mal mit einem Doppeldecker und besah sich die Stadt von oben. Unsere Kinder sind im selben Alter, ich musste meinen Sohn von der Idee nicht lange überzeugen. „Doppeldecker, jaaahaaa!!“

Alles klar, wir trafen uns also am Alexanderplatz, wo die Linie vom Osten aus startet. Eingefleischten Berlinern und ÖPNV-Benutzern muss man die 100er-Linie nicht lange erklären, auch Touristen lieben sie, mittlerweile steht sie als Tipp in jedem Reiseführer.

Bus 100 ist Attraktion für Touristen und Berliner gleichermaßen

Auch Berlin wirbt auf seinem Hauptstadtportal mit der Fahrt: „Die öffentliche Buslinie 100 startet am Bahnhof Zoologischer Garten und endet am Alexanderplatz. Sehenswürdigkeiten werden während der Fahrt nicht kommentiert, dafür ist die Tour eine kostengünstige Gelegenheit, eine Stadtrundfahrt im Doppeldeckerbus zu unternehmen. Was man dafür braucht: einen Fahrschein AB und rund 60 Minuten Zeit“, heißt es auf der Internetseite.

Und bei Visit Berlin, dem offiziellen Reiseportal der Stadt, wird die Hauptattraktion der Fahrt auf den Punkt gebracht: „Der attraktivste Platz in der Buslinie 100 ist für den Nachwuchs eindeutig die erste Reihe ganz oben direkt über dem Busfahrer. Von dort hat man durch die riesige Scheibe nicht nur einen Panoramablick auf die ‚vorbeischaukelnden‘ Sehenswürdigkeiten. Man hat auch das Gefühl, als würde man den Bus selbst im Tiefflug durch Berlins Zentrum steuern.“

Statische Probleme am Lindentunnel: Deshalb ist für Doppeldecker Schluss

So siehts aus, darauf freuten sich unsere Jungs auch. Doch an der Haltestelle standen zunächst nur flache Busse, die ganz normalen eben, ohne zweite Etage. Wir warteten ab: Von früher wusste ich, dass nicht jeder 100er ein großer Gelber ist. Doch nachdem wir den dritten Bus fahren gelassen hatten, wunderten wir uns doch allmählich, was da los war. Wir fragten einen Busfahrer, der gerade Pause hatte. Der freundliche Mann klärte uns auf: Die Doppeldecker fahren schon seit einiger Zeit nicht mehr auf dieser Strecke.

Der Grund ist, man hätte es fast ahnen können, die marode Infrastruktur Berlins. Es gebe statische Probleme am Lindentunnel, der unter dem Boulevard Unter den Linden liegt, erklärte uns der Fahrer. Die Decke des Tunnels könne die Last schwerer Fahrzeuge nicht mehr sicher tragen. Die kommerziellen Sightseeing-Busse gingen gerade noch durch, aber die großen Gelben eben nicht mehr. Die BVG und der Senat hatten das Durchfahrtverbot für Fahrzeuge über 18 Tonnen Ende letzten Jahres der Berliner Zeitung bestätigt. Damals war jedoch noch nicht klar, ab wann die Sperrung gelten wird.

Doppeldecker bei 100er-Bus könnte zurückkommen

Doch nun ist es so weit: Die berühmten, viel gepriesenen Doppeldecker sind auf dem Linden-Boulevard Geschichte. Unsere Jungs lassen die Köpfe hängen, wir nehmen dann einen normalen Gelenkbus bis zum Spielplatz im Tiergarten. Vergleichbar ist das natürlich nicht, Sehenswürdigkeiten hin oder her – das Oberdeck fehlt. Die Kinder haben das später auf dem Spielplatz mit der hohen Rutsche schnell vergessen. Aber mir hängt das noch nach: Die Doppeldecker-Fahrt durch die halbe Stadt – sie wird mir fehlen!

Bei der Pressestelle der BVG allerdings erfahren wir von einem Hoffnungsschimmer: Wenn der Tunnel zugeschüttet wird, dann dürfen die großen Busse auch wieder fahren. Das allerdings, so zeigt es die Erfahrung mit Berliner Bauprojekten, kann dauern.