Buschkowsky-Nachfolge: Franziska Giffey ist die Kandidatin Nr.1

Berlin - In der Neuköllner SPD ist längst ausgemacht, wer die Nachfolge des ausscheidenden Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky übernehmen wird: Die 36-jährige Schul- und Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) soll es machen. Sie hatte Buschkowsky bereits in diversen nationalen TV-Talkshows vertreten und im Frühjahr 2014 den SPD-Kreisvorsitz übernommen.

Am Dienstagabend wurde Giffey vom Parteivorstand der Neuköllner SPD als Buschkowsky-Nachfolgerin vorgeschlagen. Offiziell muss sie aber noch von einem Kreisparteitag für das Amt nominiert werden.

Giffey, die in Ostbrandenburg aufgewachsen ist, gilt als beharrlich, gut organisiert, klug und kommunikativ. Als Bezirkspolitikerin erinnerte sie Neuköllner Eltern immer wieder an ihre Pflichten und hielt es für sinnvoll, per Wachschutz für Ordnung an Neuköllner Schulen zu sorgen – in diesen Fragen war Giffey stets ganz bei Buschkowsky. „Ich habe viel von ihm gelernt“, bekennt sie offen.

Nur in der Art, wie sie die Dinge benennt, wirkt sie anders: betont freundlich, für ihre Sichtweise werbend, das Gegenüber stets fest im Blick. „Es macht immer der Ton die Musik, man kann bestimmte Dinge auch anders sagen“, sagt sie, und das mag man als kleine Abgrenzung vom bezirksfürstlichen Habitus Buschkowskys verstehen. Ihre leise säuselnde Stimme trügt indes, in politischen Streitfragen ist sie sehr konfliktfähig, das haben auch Parteifreunde wie Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) feststellen müssen.

Systematisch auf größere Aufgaben vorbereitet

Giffey, Mutter eines Sohnes, ist von Buschkowsky systematisch auf größere Aufgaben vorbereitet worden. 2002 holte er die Verwaltungswissenschaftlerin als jüngste Europa-Beauftragte Berlins in seinen Bezirk, knapp acht Jahre später macht er sie zur neuen Schulstadträtin, zwischenzeitlich war sie im Jahr 2007 noch schnell in die SPD eingetreten. Als Stadträtin verschaffte sie sich viel Anerkennung, Schulleiter lobten ihre Arbeit auf diesem heiklen Posten, sie kenne sich aus und verhandele gut.

Anders als manch gleichaltriger Parteifreund geht Giffey vom Erscheinungsbild her nicht als berufsjugendlich durch. Jeans bei öffentlichen Anlässen zu tragen, findet sie unseriös. Sie bevorzugt Blazer und Hose. Besonderen Wert legt die Tochter eines Kfz-Meisters auf den Doktortitel vor ihrem Namen. Der Titel ihrer Doktorarbeit dokumentiert, dass sie keine eindimensionale Bezirkspolitikerin ist: „Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft am Beispiel von Berlin-Neukölln“, lautet der. Giffey spricht sehr gut Englisch und Französisch und hat auch mal ein Praktikum beim Bezirksbürgermeister des Londoner Stadtteils Lewisham gemacht. Sie würde somit zweifellos für mehr Internationalität stehen als es Heinz Buschkowsky je gekonnt hätte.