Bushido und sein Anwalt im Gerichtssaal.
Foto: Olaf Wagner

BerlinBushido hat vom Beginn seiner Musik-Karriere erzählt – mit diesem einen Satz ließe sich der dritte Verhandlungstag gegen die Angeklagten Arafat Abou Chaker und seine drei Brüder Nasser, Yasser und Rommel zusammenfassen. Bushido, der bundesweit bekannte Rap-Star, sagt in diesem Verfahren als Zeuge aus. Die Angeklagten sind ehemalige Geschäftspartner von ihm. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem vor, im Winter 2018 Bushido beleidigt, genötigt und mit einer Flasche sowie einem Stuhl verletzt zu haben.

Bevor der Rapper jedoch seine Sicht darlegen konnte, hatte der Anwalt des Clanchefs sich erfolgreich mit einem Antrag an den Vorsitzenden Richter Martin Mrosk gewandt. Er begehrte von der Staatsanwaltschaft, sämtliche Protokolle zu erhalten, welche die Polizei von Sommer 2018 bis Sommer 2019 von den Vernehmungen mit Bushido und seiner Frau Anna-Maria Ferchichi angefertigt hat. In diesen Vernehmungen ging es um den bislang unbestätigten Vorwurf der Geldwäsche.

Mit dieser Diskussion und den Beratungen über den Antrag verging der Vormittag – eine sicherlich quälende Verzögerung für den Nebenkläger Bushido. Um 13.05 Uhr trat er schließlich in den Zeugenstand.

„Sie müssen zeitlich noch mehr zurückgehen“, wandte sich Bushido an das Gericht, das ihn gebeten hatte, die Ereignisse ab dem Jahr 2003 zu schildern. Er beginnt neun Jahre früher, damals besuchte er ein Gymnasium in Berlin-Lichtenrade. Über die Faszination für Graffiti kam er zu HipHop und Breakdance. Als er 17 Jahre alt war, brach er die Schule ab.

Mit klarer, fester Stimme spricht der Nebenkläger und Hauptbelastungszeuge, der Mann, der sich derzeit mit seiner Familie nur noch unter Polizeischutz bewegen kann. Seine Erklärungen kommen flüssig und scheinen von dem Bemühen getragen zu sein, nichts Wichtiges zu vergessen. Ehrlich berichtet er, dass er als Jugendlicher straffällig wurde und tagsüber in einem Heim untergebracht war – mit der Auflage, eine Ausbildung als Maler und Lackierer zu absolvieren. Er schaffte sogar die Gesellenprüfung, obwohl die Musik einen immer größeren Stellenwert für ihn bekommen hatte.

Mit einem Freund reiste er durch Deutschland zu den Veranstaltungen der Szene. „Dem fiel auf, dass ich mir Texte gut merken konnte.“ Anis Ferchichi, der Musik bislang nur konsumiert hatte, fand schließlich in einem vom Senat finanzierten „Berliner Hip-Hop-Mobil“ die Geräte vor, um selbst kreativ zu werden. Später überredete er seine Mutter, einen Kredit aufzunehmen: Mit dem Geld richtete er sich in seinem Kinderzimmer ein Heimstudio ein. Er hatte nun eigene Technik und nahm eigene Songs auf – das sprach sich Ende der 1990er-Jahre in der Szene herum.

Nur der Vertrieb war ein Problem: Die großen Plattenlabels zeigten kein Interesse am Rap, und so verkaufte Bushido seine ersten auf Musikkassetten gebannten Werke auf Konzerten.

Ende der 90er-Jahre nahm er ein Tape mit dem Titel „King of Kingz“ auf. Die Musikträger verkaufte er in einem Laden namens Downstairs. Er durfte zehn Kassetten in die Vitrine stellen. „Ich war stolz wie Bolle“, sagt er. Nicht nur, dass sein Vertrieb nun florierte, obendrein warben auch die Kassetten in der Vitrine für ihn. „Man hat ein bisschen Geld gehabt.“

2001 habe ihn Halil E., der Inhaber des Downstairs angesprochen: Mit einem szenebekannten Breakdancer und einem Graffiti-Künstler wollte der das Label „Aggro Berlin“ gründen und bot dem Jung-Rapper einen Exklusivvertrag an. „Ich bin fast ohnmächtig geworden vor Freude“, sagte Bushido. Bei einem Kölner Anwalt unterschrieb er den Vertrag. Er habe dies getan, ohne zuvor einen Anwalt zu konsultieren. „Ich hatte keine Notwendigkeit gesehen.“

Er habe mit dem Rapper Fler für Aggro Berlin Musik aufgenommen, gemeinsam seien sie getourt. Alles war gut – bis zu dem Tag, an dem er sich an Halil E. wandte, weil er neue CDs vom Album „King of Kingz“ produzieren lassen und weiterhin auf eigene Rechnung verkaufen wollte. E. behauptete, dass Bushido ihm die Rechte für dieses Album bereits verkauft habe.

Der Rapper wollte aus dem Vertrag raus. Aggro Berlin stimmte zu, wenn Bushido ihnen 400.000 Euro zahlen würde und sechs Prozent von den Einnahmen seiner nächsten vier Alben. Bushido, der keinen neuen Vertrag in Aussicht hatte und für den die geforderte Summe „unendlich viel Geld“ darstellte, sagte: „Das kriege ich nicht hin.“

Er schloss seine Aussage mit den Worten: „Dann ging es damit los, worüber Sie mit mir sprechen wollen.“ Er meint damit die Bekanntschaft zu Arafat Abou Chaker, der ihm half, Aggro Berlin zu verlassen.