Normalerweise gehöre ich nicht zu den Menschen, die zum morgendlichen Wachwerden das Gedudel eines Radiosenders brauchen. Der schrille Piepton meines Weckers, der mich gegen 6.30 Uhr aus dem Schlaf holt, reicht mir vollkommen. Nun, am Montag, machte ich eine Ausnahme, schaltete sofort nach dem Aufstehen das Radio ein, wählte den Sender 98,8 Kiss FM.

Es galt, den Berliner Rapper Bushido nicht zu verpassen, der sein Debüt als Moderator der Morgenshow des Senders feierte. Um den Rest der Familie damit nicht zu belästigen, setzte ich die Kopfhörer auf. Denn schon Tage zuvor hatte der Künstler die Sendung auf Facebook mit den Worten: „Schaltet ein, es wird unfassbar!“ beworben.

Nun wollte ich hören, wie unfassbar es wird, wenn Bushido die Berliner künftig jeden Morgen per Radio wecken will. Eine Leistung ist es für ihn allemal. Schließlich ist der Musiker an sich eher ein Nachtmensch, die Zeit von 6 bis 10 Uhr dürfte nicht seine sein. Tatsächlich, so ließ der Rapper mitteilen, sei es jedoch schon immer sein Wunsch gewesen, eine Frühsendung im Radio zu moderieren. Ach so?!

Bushido macht sich Luft

Nun kann man sich bei Bushido allerdings schwer vorstellen, dass er als Radiomann die Geschehnisse in der Stadt hochseriös für die Hörerschaft zwischen Musik, Nachrichten und Verkehrshinweisen aufbereitet. Keine Angst, das tat er auch nicht. Auch plauderte er mit seinen Mitmoderatoren Nina und Big Moe nicht über seine Trennung vom Abou-Chaker-Clan, der, wie wir seit Jahren lesen dürfen, lange Zeit sein Leben beherrschte. Stattdessen holte sich Bushido Plattenkumpel Capital Bra ins Studio und machte mit ihm auf dicke Hose. Capital Bra bekomme von Plattenboss Bushido einen PS-starken Audi RS6. Die Polizei könne es ja mal versuchen, ihn mit dieser Karre einzuholen.

Passend dazu machte Bushido sich in der Sende-Rubrik „Fuck you“ (heißt wirklich so) seinen Ärger über die Macher der Tempo-30-Zonen an der Leipziger Straße Luft. „Das ist die dümmste Idee des Jahres“, sagte er.

„Yo, Digga, was geht denn da ab?"

Wenn Bushido nicht moderierte, telefonierte er im Studio. Zunächst wollte er mit einem Anruf Rapper-Kollege Samra aus dem Schlaf reißen. „Ey, ich ruf dich an, du Penner“, rief Bushido ins Mikro. Kein Wunder, dass Samra auch nach wiederholten Anrufversuchen nicht ans Telefon ging. Das tat dagegen Bushidos Schwiegermutter Soraya Lewe, zu deren Töchtern auch Pop-Star Sarah Connor gehört. „Du verarscht mich“, erklärte die Frau am Telefon, weil sie nicht glauben wollte, dass Bushido mit ihr aus einem Radiostudio telefoniert.

Später, um 8 Uhr, zeigte sich der Rapper als liebevoller Vater, grüßte seine fünf Kinder, die auf dem Weg zu Kita und Schule waren. Da war ich gerade mit dem Pkw unterwegs, um als liebevoller Vater meinen Sohn zur Schule zu bringen. So hörte mein 13-Jähriger im Autoradio die Sendung mit. „Yo, Digga, was geht denn da ab? Das ist ja unfassbar!“, sagte er und schaltete das Radio aus.