Der Wettbewerb im Busfernverkehr verschärft sich. Das Münchner Unternehmen Flixbus, das bisher vor allem im Süden und Westen der Republik stark war, baut seine Verbindungen von und nach Berlin aus. „Wir vervierfachen in diesem Herbst das Streckenangebot in der Hauptstadt“, sagte Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein am Dienstag bei einem Vor-Ort-Termin im Zentralen Omnibusbahnhof in Charlottenburg.

Neu ist seit 26. September unter anderem eine Expressverbindung von Berlin nach Dresden. Sie wird ohne Zwischenstopp vier Mal täglich angeboten. Fahrgäste zahlen für eine Tour ab fünf Euro. Die Fahrzeit beträgt 2 Stunden 25 Minuten. Damit ist Flixbus nach eigenen Angaben der schnellste unter den Fernbusanbietern. Am 3. Oktober folgt eine neue Verbindung von Berlin über Braunschweig, Hannover, Dortmund nach Köln (ab 19 Euro). Vom 11. Oktober an wird täglich Berlin-Hannover-Bochum-Essen-Düsseldorf angeboten. Und auf der Strecke von Berlin nach Hamburg verdoppelt Flixbus die Zahl der täglichen Fahrten auf sechs.

Das Münchner Unternehmen forciert damit den Ausbau seines Streckennetzes. Und den Kampf gegen die Konkurrenz. Die ist groß auf dem Gebiet des Fernverkehrs, nachdem seit Anfang des Jahres Busse als Konkurrenz zur Bahn Städte im ganzen Land unbeschränkt verbinden können. Immer neue Buslinien kommen seitdem hinzu. Berlin spielt dabei eine besondere Rolle. Denn die Hauptstadt ist bei den Suchanfragen der Fahrgäste die beliebteste Stadt, wie das Internet-Vergleichsportal Fernbusse.de im August ermittelt hat. Auf Platz zwei folgt München, danach kommen Hamburg und Köln. Da Berlin eine so große Rolle in dem Geschäft spielt, hat jeder große Fernbus-Anbieter mittlerweile Buslinien in die Hauptstadt im Programm.

Die Verbraucher profitieren von dem Wettbewerb auf der Straße durch einen harten Preiskampf unter den Anbietern. Vergleiche sind aber notwendig, um den besten Preis herauszufinden. So kostet eine Fahrt von Berlin nach Frankfurt am Main am 2. Oktober zwischen 19 Euro bei Flixbus und 49,50 Euro bei MeinFernbus, wie eine Anfrage im Internetportal busliniensuche.de am Dienstag ergab. Für eine Fahrt von Berlin nach Hamburg am selben Tag bewegten sich die Preise zwischen 15 Euro bei MeinFernbus und 27 Euro bei Berlin Linien Bus.

Um sich auf dem umkämpften Markt behaupten zu können, holen sich die Fernbus-Betreiber finanzstarke Miteigentümer in die Unternehmen. So stieg die Daimler-Tochter Daimler Mobility Services jetzt bei Flixbus ein. Die Deutsche Bahn hält schon lange eine Beteiligung an Berlin Linien Bus, weitet aber auch bei den eigenen Marken Bayern Express & P. Kühn (BEX) und IC Bus das Angebot kontinuierlich aus, wie das Internetportal Fernbusse.de meldet. Dadurch kann die Bahn Kunden, die an den Busverkehr verloren gehen, wenigstens im eigenen Haus halten. Auch der Discounter Aldi mischt im Busgeschäft mit. In Kooperation mit Aldi Reisen bietet Univers Reisen Fernbusverbindungen in ganz Deutschland an. Univers Reisen ist eines der größten Busunternehmen in Nordrhein-Westfalen.

Mit dem ADAC und der Post drängt demnächst noch ein Gemeinschaftsunternehmen auf den Markt. Im November sollen erstmals ADAC Postbusse Berlin ansteuern – mit Verbindungen nach Sachsen und ins Ruhrgebiet. Einzig der Marktführer MeinFernbus, ein Berliner Unternehmen, ist noch ohne großen Miteigentümer tätig. Die Busveranstalter stehen nicht nur untereinander in Konkurrenz, sondern zugleich zur Bahn. Hierbei versuchen sie schon mal trickreich, Vorteile für sich zu reklamieren, die es bei genauem Hinsehen gar nicht gibt. So behauptet Flixbus, auf der Strecke von Berlin nach Dresden mit 2:25 Stunden sogar den ICE zu schlagen. Das trifft zwar zu, aber auf dieser Strecke ist ausnahmsweise der EC mit 2:06 Stunden schneller als der ICE. Und als der Flixbus.