BVG bedauert: Teilsperrung der U2 unterm Alexanderplatz wird noch lange dauern

Ein Hochhausbauprojekt hat den U-Bahnhof ins Wanken gebracht. Nun steht fest: Der zeitraubende Pendelverkehr bleibt auf unabsehbare Zeit bestehen.

Gleis hinter Gittern: Im Bahnhof der U2 unterm Alexanderplatz in Mitte schirmt ein Bauzaun die Bahnsteigkante nach Pankow ab. Seit 7. Oktober verkehren auf dieser Seite keine U-Bahnen mehr.
Gleis hinter Gittern: Im Bahnhof der U2 unterm Alexanderplatz in Mitte schirmt ein Bauzaun die Bahnsteigkante nach Pankow ab. Seit 7. Oktober verkehren auf dieser Seite keine U-Bahnen mehr.Berliner Zeitung/Sabine Gudath

Es sind keine guten Nachrichten für die Fahrgäste der Berliner U-Bahn im Osten der Stadt. Der Pendelverkehr auf der Linie U2 rund um den Alexanderplatz in Mitte bleibt vorerst bestehen, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Freitag auf Anfrage mit. Ein Ende ist noch nicht absehbar. Damit müssen die U-Bahn-Nutzer auf dieser Verbindung weiterhin zusätzliches Umsteigen und spürbare Reisezeitverlängerungen einkalkulieren. Bis zur Behebung der Bauschäden, die offenbar auf ein benachbartes Hochhausprojekt zurückgehen, werden wohl noch „mehrere Wochen“ vergehen, hieß es.

„Voraussichtlich in der kommenden Woche wird uns der Bauherr des im Bau befindlichen Hochhauses am Alexanderplatz ein erstes Konzept vorstellen, um den Tunneluntergrund zu verdichten und den Gleisabschnitt, der sich gesetzt hat, wieder auf das ursprüngliche Niveau anzuheben“, teilte Jannes Schwentu von der BVG mit.

Weitere Einschränkungen sind nicht ausgeschlossen

„Dieses Konzept werden wir in enger Abstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde und den behördlich beauftragten Gutachtern bewerten. Sollte es geeignet sein, um die genannten Ziele zu erreichen, wird die Umsetzung nach erster fachlicher Einschätzung ebenfalls noch mehrere Wochen benötigen“, so der Sprecher des Landesunternehmens. „Erst danach können wir nach der neuerlichen Bewertung des Untergrunds und des Bauwerks über die nächsten Maßnahmen entscheiden. Selbstverständlich wird auch dies nur in Abstimmung und mit dem Einverständnis der Aufsichtsbehörde erfolgen.“ Für die Fahrgäste bedeutet das: Sie brauchen Geduld.

Unabhängig von diesen für die Wiederaufnahme eines uneingeschränkten Betriebs nötigen Sicherungsmaßnahmen werde es zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Reparaturarbeiten am Tunnelbauwerk geben, um die durch die Setzung entstandenen Risse zu beheben, hieß es weiter. „Dazu sind Bauherr und BVG ebenfalls bereits im Gespräch. Ob und in welchem Umfang für die Reparaturen Einschränkungen im U-Bahnbetrieb nötig sein werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, gab Schwentu zu bedenken. Weitere Beeinträchtigungen sind also denkbar.

Probleme tauchten bereits im August auf

„Durch Bewegungen im Erdreich kam es zu Gleisverschiebungen und zu Rissen im Bauwerk“, bestätigte er. „Die Untersuchungen im Bereich des U2-Tunnels am Bahnhof Alexanderplatz dauern noch an.“ Wie berichtet hat sich die Anlage nach Informationen der Berliner Zeitung um fast vier Zentimeter gesetzt. Das bedeutet, dass die über hundert Jahre alte unterirdische Konstruktion aus unbewehrtem Beton abgesackt ist. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hatte zu Beginn der Woche berichtet, dass sie sich nach Informationen des Bauherrn um 3,1 bis 3,6 Zentimeter nach unten bewegt hat.

Dem Vernehmen nach war bereits seit August bekannt, dass sich der Bahnhofsbereich senkte. Das eingerichtete unterirdische Überwachungssystem schlug an. Risse, die in der Tunnelwand neben dem Gleis nach Pankow auftauchten, machten sichtbar, dass sich ein Problem abzeichnete.

Viel los unter dem Alexanderplatz: Die U2 wird normalerweise stark genutzt – hier eine Bahnsteigszene von 2021. Jetzt verkehren auf diesem Gleis Pendelzüge im 15-Minuten-Takt.
Viel los unter dem Alexanderplatz: Die U2 wird normalerweise stark genutzt – hier eine Bahnsteigszene von 2021. Jetzt verkehren auf diesem Gleis Pendelzüge im 15-Minuten-Takt.Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Jenseits der Wand befindet sich die mehrere Stockwerke tiefe Baugrube der Covivio, die neben dem Hotel Park Inn ein Hochhaus mit 130 Meter hohen Zwillingstürmen errichtet. Inzwischen ruhen dort die Arbeiten.

BVG: „Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeitenden hat Priorität“

Noch Anfang Oktober hielten es die BVG und der Investor für möglich, auf eine Einstellung oder teilweise Einstellung des U-Bahn-Betriebs auf der U2 zu verzichten. Doch am Abend des 7. Oktober entschied die BVG, das Gleis nach Pankow vorerst aus dem Betrieb zu nehmen. Seitdem fährt die U2, die bereits auf westlich gelegenen Abschnitten von Bauarbeiten betroffen ist, auch in diesem Bereich nicht mehr durch. Zwei Pendelzüge verbinden die U-Bahnhöfe Senefelderplatz, Rosa-Luxemburg-Platz, Alexanderplatz und Klosterstraße. Mehr als ein 15-Minuten-Takt ist nicht möglich.

Die BVG habe das Tunnelbauwerk inzwischen „vorsorglich verstärkt“, teilte Sprecher Jannes Schwentu am Freitag mit. „Das Bauwerk ist dadurch statisch zusätzlich gesichert. Ein U-Bahnbetrieb kann auf dem betroffenen Gleis nach Einschätzung unserer Fachleute derzeit aber weiter nicht stattfinden.“

Wie berichtet hatte die BVG die Teilsperrung angeordnet, obwohl die Setzung den vereinbarten Grenzwert von vier Zentimetern noch nicht erreicht hat. „Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeitenden hat jederzeit und überall oberste Priorität“, bekräftigte Schwentu. „Wir danken allen Fahrgästen und Beteiligten für ihr Verständnis dafür, dass auch in diesem Fall Sorgfalt, Verantwortung und Sicherheit wichtiger sind als der verständliche Wunsch nach einer schnellen Wiederaufnahme des regulären U-Bahnbetriebs.“

Nach Informationen der Berliner Zeitung gab es Kritik seitens des Immobilienunternehmens, weil die BVG den Verkehr eingeschränkt und damit die Probleme öffentlich gemacht habe, bevor der Grenzwert von vier Zentimetern erreicht oder überschritten wurde.

Linke-Politikerin Gennburg fordert Stopp des Hochhausbaus

Das sei eine „dreiste Ansage von Covivio“, kommentierte Katalin Gennburg, die baupolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus, bei Twitter. „Zur Info für das Management ohne Bodenhaftung: Ganz Berlin ist ‚unglücklich‘ über doppelte Fahrzeiten und Investoren, denen die öffentliche Infrastruktur einfach ‚wumpe‘ ist. Ich sage: Baustopp sofort.“ Doch Ephraim Gothe, der zuständige Stadtrat in Mitte, lehnt das ab. Er habe den Eindruck gewonnen, dass die BVG und Covivio gut zusammenarbeiten, um die Probleme zu lösen, so der SPD-Politiker.

Die U2, die als „Centrumslinie“ in diesem Bereich 1913 eröffnet worden ist, war bereits zwei Mal von schweren Bauproblemen betroffen. So musste die BVG den U-Bahn-Betrieb zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz vom 30. März bis 12. Mai 2012 komplett einstellen. In die Großbaustelle der heutigen Mall of Berlin am Leipziger Platz, die von dem Tunnel gekreuzt wird, war plötzlich Grundwasser eingebrochen.

Im November 2015 machte dann die Baustelle für das Motel One an der Grunerstraße Schlagzeilen. Unter der Baugrube gab der Boden um sechs Zentimeter nach. Bohrarbeiten für die Gründung des 19-Etagen-Hochhauses führten dazu, dass der darunter gelegene U-Bahn-Tunnel absackte und leicht zur Seite kippte. Die U2 durfte weiterfahren – wenn auch nur mit Tempo 15. Der Baustopp für das Hotel endete erst im März 2016.