29-Euro-Ticket gilt bis März: Jetzt kehren die Warteschlangen am Alex zurück

Der Berliner Senat hatte am Dienstag angekündigt, das 29-Euro-Ticket bis einschließlich März zu verlängern. Die Nachfrage der Berliner ist hoch.

Die Schlange vor dem BVG-Kundenzentrum am Alexanderplatz ist lang: Eine Stunde Wartezeit sollte man mindestens einplanen.
Die Schlange vor dem BVG-Kundenzentrum am Alexanderplatz ist lang: Eine Stunde Wartezeit sollte man mindestens einplanen.Sabine Gudath

Angelika Zoll-Rüther hat es geschafft, sie ist an den Anfang der Warteschlange vorgedrungen. Bereits seit einer Stunde wartet sie hier am Alexanderplatz. Die 69 Jahre alte Frau ist sonst mit einer VBB-Umweltkarte in Berlin unterwegs (86 Euro), mit der sie praktischerweise ihren Mann ab 20 Uhr und am Wochenende kostenlos mitnehmen kann. Nun stünden aber in den nächsten Wochen so viele Termine an, dass sich beide nun doch ein Monatsabonnement zulegen möchten. „Es lohnt sich ja jetzt auch preislich“, sagt Zoll-Rüther. 

9 Uhr morgens vor dem BVG-Kundenzentrum im U-Bahnhof Alexanderplatz: Die Warteschlange geht nicht nur um die Ecke des BVG-Centers, sondern zieht sich bis zur Treppe, die hoch auf den Alexanderplatz führt. Minütlich wird die Warteschlange sogar noch länger. Zuletzt stehen Menschen bis zum Eingang des Döner-Imbiss im Erdgeschoss des S-Bahnhofs. Obwohl sieben von acht Schalter des Kundenzentrums besetzt sind, berichten Wartende, dass sie bereits seit mehr als einer Stunde hier stehen. Fast alle stehen aus einem Grund hier: Sie wollen den Berliner Nachfolger des 9-Euro-Tickets erwerben. 

29-Euro-Abomodell wird gut angenommen

Das 29-Euro-Ticket wurde vom Berliner Senat zunächst für den Zeitraum zwischen Oktober und Dezember beschlossen. Damit war Berlin bundesweiter Vorreiter. Das vergünstigte Ticket gibt es nur als Abo-Modell für die Tarifbereiche AB. Es lässt sich online, an BVG-Kundenzentren und bei Kundenzentren der S-Bahn Berlin erwerben, wobei die Wartezeiten bei letzterem am kürzesten sein sollen. Am Dienstag gab Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) nach einer Senatssitzung bekannt, dass das Ticket bis einschließlich März verlängert werde. In den letzten Wochen wurde über das 49-Euro-Ticket beraten, das als bundesweit einheitlich geltendes Nahverkehrsticket kommen soll.

Das vergünstigte ÖPNV-Abo wird in Berlin sichtlich gut angenommen. Seit dem Verkaufsstart des 29-Euro-Angebots wurden bereits über 140.000 Abonnements neu abgeschlossen. Das sei ein riesiger Erfolg, sagt Jannes Schwentu, Pressesprecher der BVG. Sonst lägen die Zahl der neu abgeschlossenen Abonnements im vierstelligen Bereich, bei nur etwa 7000 Neukunden pro Monat. Nach dem Ende des 9-Euro-Tickets im August war ein Rückgang der Fahrgäste, die Bus und Bahn nutzten, spürbar. „Mittlerweile sind wir, was die Anzahl der Fahrgäste betrifft, wieder bei Vor-Corona-Niveau angelangt“, so Schwentu.

Eine Stunde Wartezeit am BVG-Kundenzentrum

Das macht sich im Alltag bemerkbar: dichtes Gedränge in den U-Bahnen und Bussen. Im Oktober reichte es aus, das Ticket nur online vorweisen zu können. Ab dem 1. November muss jeder Fahrgast die ihm per Post zugesandte Plastikkarte als Ticket zeigen. Aus diesem Grund können Abonnements die zum Folgemonat beginnen sollen, lediglich bis zum 20. Kalendertag des aktuellen Monats abgeschlossen werden. Sonst würde die Plastikkarte nicht mehr rechtzeitig ankommen, sagt Jannes Schwentu von der BVG. Gerade sei allerdings im Gespräch, ob es für den November die gleiche Sonderregelung geben könne wie im Vormonat. Dann wäre es möglich, Abonnements auch noch für den aktuell laufenden Monat abzuschließen.

Ähnlich wie Anfang Oktober berichtet sind die Schlangen vor den BVG-Kundenzentren lang. Was vor einem Monat noch für Begeisterung sorgte, hat sich mittlerweile etwas dramatisiert. Die Warteschlange am Alexanderplatz wird immer länger. Die Stimmung der Wartenden ist eher gereizt. Viele beschweren sich.

Ganze Freundesgruppen kommen gemeinsam zum BVG-Kundencenter, dann muss man nicht so alleine warten. Auch viele Familien mit kleinen Kindern sind vor Ort. Familie K. ist steht seit über 40 Minuten an. Sie sagen, sie hatten Probleme mit dem Online-Abschluss des Abonnements. Gerade mit Kindern sei die lange Wartezeit im U-Bahnhof eine Belastung, sagt Antonia K.