Berlin - Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben sich offiziell zu geplanten Neuanschaffungen bekannt. „Auch in Zukunft werden wir neue Doppeldeckerbusse und Gelenkbusse in der bewährten Mischung anschaffen“, sagte die Chefin des Landesunternehmens, Sigrid Evelyn Nikutta. Dem Vernehmen nach hat die neue „Task Force Fahrzeugbeschaffung“ jüngst erste Berechnungen vorgelegt. Danach benötigt die BVG langfristig bis zu 138 Doppelstockbusse mehr als heute.

Frauen dürfen in Berlin erst seit 1896 auf das Oberdeck. Ihnen war der Aufstieg jahrzehntelang verboten, aus Gründen der Sicherheit und „Schicklichkeit“, wie es hieß. Doch Doppelstockbusse rollen schon länger durch die Stadt. Bald nachdem die Berliner Omnibus-Compagnie 1846 auf fünf Pferdebuslinien den Betrieb aufgenommen hatte, tauchten die ersten Decksitzwagen auf.

Geschlossenes Oberdeck seit 1925

Sie bestimmten bald das Bild des Busverkehrs. So wunderte sich keiner darüber, dass die ersten Motoromnibusse in Berlin 1905 ebenfalls ein Unter- und ein Oberdeck hatten. Aber es sollte noch dauern, bis die Fahrgäste auch oben vor Wind und Nässe geschützt waren. Der NAG D 2, der ab 1925 aus Oberschöneweide in großer Zahl geliefert wurde, hatte dann ein geschlossenes Oberdeck.

Vor knapp zwanzig Jahren hatte die BVG 1102 Doppelstockbusse. Dann trat dieses Berliner Wahrzeichen den Rückzug an, weil andere Busse preiswerter sind. Heute sind 415 BVG-Doppeldecker unterwegs. Doch nun steht fest, dass die Zahl in den nächsten Jahren wieder steigen wird. Neuanschaffungen sind nötig. Das geht aus einem Konzept hervor, das der BVG-Aufsichtsrat vor kurzem zur Kenntnis genommen hat

Sie ecken mit dem Hinterteil an

Zum einen will die BVG alle 15-Meter-Busse loswerden, die sie einst als Ersatz für ausgemusterte Doppeldecker gekauft hat. Ein Experte sagte, warum die 110 Großraum-Eindecker weg sollen: „Die 15-Meter-Autos sind zu lang, sie ecken oft mit dem Hinterteil an“ – Lackschäden, Beulen und kaputte Straßenleuchten sind die Folgen. Zwar könnten auch Gelenkbusse die Lücke schließen. Aber dafür müsste die BVG Betriebshöfe umbauen.

Zum anderen wird langfristig Ersatz für die jetzigen Doppeldecker benötigt. Zwar ist die Flotte im Durchschnitt nur dreieinhalb Jahre alt, doch Rost setzt den „Lion’s City DD“ von MAN arg zu. Außerdem verbrauchen sie viel Kraftstoff – bis zu 70 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Technisch wären 45 Liter möglich.

Ausfälle drastisch zurückgegangen

„Der Doppeldecker hat Zukunft“, so die BVG. Nun arbeitet die „Task Force“ an den Details. Der exakte Bedarf soll Mitte nächsten Jahres feststehen. „Wie viele Busse wir anschaffen und welche Merkmale sie haben, werden wir nach sorgfältiger Prüfung entscheiden“, so Nikutta. Eine interne Kalkulation geht davon aus, dass die BVG langfristig 465 Doppeldecker benötigt – eine andere nennt 553 als Ziel. „Wichtig ist mir, dass die Technik der Busse zuverlässig, robust und umweltfreundlich ist", sagte die Chefin.

So gibt es bereits Vorschläge, bei der nächsten Doppeldecker-Generation auf Klimaanlagen zu verzichten. Die schweren Geräte verbrauchen bei Hitze bis zu drei Liter Diesel auf 100 Kilometer, halten der Belastung aber oft nicht stand.
Zwar bremsen Baustellen, Staus und ungünstige Ampelschaltungen den Busverkehr weiterhin aus. Doch ihre internen Probleme mit der Bustechnik hat die BVG im Griff. „Wir sind zuverlässiger geworden“, hieß es. Konnten BVG-Busse im November vergangenen Jahres 205 000 Kilometer wegen Ausfällen nicht zurücklegen, waren es in diesem November nur noch 35 000 Kilometer.