Bus der BVG.
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BerlinDie Puschkinallee in Treptow steht auf der Liste, die Yorckstraße in Kreuzberg und die Prinzenallee in Wedding ebenfalls. Sie gehören zu den Straßen, für die der Senat nach Informationen der Berliner Zeitung auf Abschnitten die Markierung von Busspuren angeordnet hat. Doch das Ziel, das Netz dieser Fahrstreifen in diesem Jahr um fast 20 Prozent zu erweitern, lässt sich nicht mehr erreichen. 

Die meisten neuen Busspuren entstehen erst 2020 – eine gute Nachricht für die Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Wir arbeiten intensiv daran, die ersten 20 Kilometer neuer Busspuren so schnell wie möglich anzuordnen“, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Allerdings seien die Abstimmungen, die zwischen der Verkehrslenkung Berlin (VLB), den Bezirken und der BVG laufen, komplex. In jedem Fall seien detaillierte Prüfungen nötig, so Thomsen. Er betonte: „Die Umsetzung der Anordnungen liegt bei den Bezirken.“ Ihnen mangelt es Berichten zufolge jedoch an Personal, um die Projekte rasch verwirklichen zu können. Beobachter erwarten, dass die meisten neuen Busspuren im späten Frühjahr oder Sommer 2020 fertig werden. Wenn es zu kalt oder zu nass ist, lässt sich die Farbe nicht auftragen

Netz ist kaum gewachsen

Dabei ist die Sache klar: Je schneller Busse vorankommen, desto besser – nicht nur für die Fahrgäste, auch für die landeseigene BVG. Je zügiger die Ziele erreicht werden, desto weniger Fahrzeuge und Busfahrer werden benötigt – was Kosten spart. Nicht zuletzt wird der Nahverkehr attraktiver, was die Fahrgelderträge erhöht. Angesichts dessen ist es überraschend, dass das Netz der Bus-Sonderfahrstreifen in den vergangenen Jahren kaum gewachsen ist – auch unter dem rot-rot-grünen Senat nicht. Dabei hat er sich die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsarten auf die Fahnen geschrieben.

Seit Jahren bewegt sich die Zahl der Busspurkilometer kaum über die Hundertermarke hinaus – 2016 waren es 102,3. Und das heißt nicht, dass es wenigstens dort zügig vorangeht. Meist sind die Fahrstreifen drei bis 3,50 Meter breit. Wenn Busse auf Fahrräder treffen, wird es oft eng.  

Täglich 24 Stunden für Autos tabu

Im Frühjahr 2017 nahm die BVG einen neuen Anlauf und legte ein Konzept für 100 Kilometer Busspuren vor. Sie sollten entweder neu geschaffen werden – oder deren Geltungsdauer sollte verlängert werden. Im Sommer 2019 teilte der Senat mit, dass angestrebt werde, in diesem Jahr 41 Fahrstreifen mit einer Länge von rund 19 Kilometer zu markieren.

„Versprechungen des Senats haben für mich keinerlei Wert mehr.“

Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB

Dass es nun nicht dazu kommt, sieht Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB skeptisch. „Ich habe jede Hoffnung verloren, dass die Busbeschleunigung kommen wird“, sagte er. „Versprechungen des Senats haben für mich keinerlei Wert mehr.“ Immerhin: Für 25 Kilometer bestehender Busspuren legte der Senat fest, dass sie anders als bisher täglich 24 Stunden für andere Kraftfahrzeuge tabu sind – Taxis, Reisebusse und Krankenfahrzeuge ausgenommen. Auch die neuen Regelungen sollen rund um die Uhr gelten. „Bedarfsgerechte Abweichungen werden zugelassen“, sagte Thomsen.