Berlin - Eine vom Senat ins Leben gerufene Taskforce arbeitet daran, das der TXL-Bus zum Flughafen Tegel wieder pünktlicher wird. Dabei ist diese Buslinie längst nicht die unpünktlichste in Berlin. Auf anderen Strecken gibt es deutlich mehr Verspätungen. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar hervor. „Die Busse stehen zu häufig im Stau“, sagte Gelbhaar am Mittwoch. „Der Senat bekommt das Problem nicht in den Griff.“

Fast 420 Millionen Fahrgäste

Sie bringen nicht nur Touristen zum Flughafen, sondern auch Berliner zur Arbeit, zum Einkaufen und ins Kino. In den Bezirken sind sie oft das wichtigste Verkehrsmittel. Die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden allein im vergangenen Jahr für fast 420 Millionen Fahrten genutzt. Damit ist das Landesunternehmen der mit Abstand größte Busbetrieb in Deutschland.

Doch die Fahrgäste verbringen mehr Zeit in den Bussen als sie müssten, bemängelt Gelbhaar. „Mit der Pünktlichkeit gibt es auch in diesem Jahr Schwierigkeiten“, sagte der Vize-Vorsitzende der Grünen-Fraktion. Im ersten Halbjahr hat die BVG lediglich 87,5 Prozent ihrer Busfahrten als pünktlich registriert.

Verspätung erst ab vier Minuten

Diese Quote ist zwar etwas höher als im vergangenen Jahr, als der Anteil 86,6 Prozent betrug. Doch dabei ist zu beachten, dass auch Busse, die dreieinhalb Minuten zu spät fahren, noch als pünktlich eingestuft werden. Und weiterhin gebe es diverse Buslinien, auf denen mehr als ein Fünftel aller Fahrten verspätet sind.

Auf Platz 1 kommt die Linie X49, die von der Messe in Charlottenburg nach Staaken führt. Nur 71,3 Prozent der Fahrten galten als pünktlich. Auf Platz 2 steht die Linie 893 von Zepernick nach Hohenschönhausen, deren Fahrplan oft von Baustellen durcheinander gebracht wird. Auf dieser Umlandverbindung wurden 72,9 Prozent der Fahrten als pünktlich gewertet. Auf Platz 3 folgt die Linie 106 von Wedding nach Schöneberg. Die Nord-Süd-Strecke hatte eine Pünktlichkeitsquote von 74,6 Prozent. Zum Vergleich: Auf der Buslinie TXL zum Flughafen betrug die Quote immerhin 80,2 Prozent.

Was bremst die BVG aus? Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) antwortete mit einer langen Liste: Baustellen, Staus, Demonstrationen, Veranstaltungen, blockierte Busspuren und Wartezeiten an Ampeln, auch Vandalismus. Der Senat müsste mehr unternehmen, damit die Busse wieder pünktlicher fahren, so Gelbhaar. „Nur mit weiteren Busspuren und Vorrangschaltungen für die BVG an Ampeln ist das Problem in den Griff zu bekommen.“ Er kritisierte die Verkehrslenkungen. Für die Straßenverkehrsbehörde sei der Busverkehr nur eine Verkehrsart von vielen.

Immer mehr Fahrten fallen gänzlich aus

Ein weiteres Ergebnis: Immer mehr Busfahrten finden nicht zu spät statt – sondern gar nicht. Auch das geht aus der BVG-Statistik hervor, die der Senat Gelbhaar zugeleitet hat. Der Abgeordnete hat nachgerechnet: 2014 wurden rund 284.000 Kilometer, die im Fahrplan standen, nicht gefahren. 2015 fielen dann bereits 334.000 Buskilometer ersatzlos aus. Während der ersten sechs Monate dieses Jahres waren es schon mehr als 215.000 – was auf das gesamte Jahr hochgerechnet eine weitere Zunahme der Ausfälle darstellt.

Folge für die Fahrgäste: Sie warten immer öfter vergeblich auf ihren Bus. „Das ist ein dramatischer Anstieg“, bemängelte Gelbhaar. „Der Senat ist gefordert, die Gründe mit der BVG zu klären und abzustellen. Augen zu und weiter so geht nicht.“

Die Antwort des Senats auf die parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Stefan Gelbhahr (B'90/Grüne) können Sie hier nachlesen: