BVG Elektro-Fähren: Solarfähren in Berlin sind weltweit einmalig

Es ist ein Kalauer, aber er trifft den Kern. „Wie Sie hören, hören Sie nichts“, sagt Detlef Naß von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Tatsächlich, das stimmt: Der Motor der Fähre, die mit Naß und anderen Gästen zur Jungfernfahrt aufbricht, gibt keinen Laut von sich. Der Antrieb stößt auch keine mit Ruß gesättigten Abgase aus, wie man das von anderen Schiffen kennt. Laut- und geruchlos gleitet der „FährBär 4“ über die Spree. Und das hat seinen Grund: Es handelt sich um ein elektrisch betriebenes Schiff. Nachdem am Montag Nummer 3 und 4 getauft wurden, ist die Elektrofähren-Flotte jetzt komplett.

„Das ist weltweit einzigartig: elektrisch betriebene Fähren im Verkehr einer Metropole“, sagt Jan Kruse, Chef der Förde Reederei Seetouristik. Das Unternehmen, dem unter anderem die Weiße Flotte zur Insel Hiddensee gehört, hat den vom Land Berlin ausgeschriebenen Vertrag bekommen. In dem Wettbewerb ging es um vier Fährstrecken.

Die ganzjährig betriebene Linie F 11, die vom Wilhelmstrand zur Baumschulenstraße führt, ist mit 220 Metern Länge nicht nur die kürzeste Fährroute der BVG, sondern auch die älteste. „Es gibt sie schon seit 1896, als in der Nähe in Treptow die Berliner Gewerbeausstellung stattfand“, sagt die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta. Zum Ausschreibungspaket gehört auch die Linie F 12, die zwischen Wendenschloss und Grünau über den Langen See führt. Auch dort ist seit Januar ein „Fähr Bär“ unterwegs – Nummer 2.

Runder Tisch für Rahnsdorf

Am Sonnabend werden nun die beiden Saisonlinien wieder zum Leben erweckt – mit den ebenfalls fabrikneuen Solarfähren 3 und 4, die am Montag am Anleger an der East Side Gallery mit Sekt getauft wurden. Ein Schiff wird Camper und andere Ausflügler von Schmöckwitz zur Halbinsel Krampenburg bringen (Linie F 21). Das andere pendelt auf der Linie F 23 in Rahnsdorf. Zunächst fährt es knapp zwei Wochen lang zwischen Müggelwerderweg und Neu Helgoland, voraussichtlich von Karfreitag an bedient es auch die Fähranleger Müggelhorst und Kruggasse. „Diese Linie ist mein Favorit. Idylle pur“, schwärmt Nikutta.

Doch Rahnsdorf hat gezeigt, dass der Fährverkehr auch ein Streitthema sein kann. Die Ruderfähre, die dort 102 Jahre lang über die Müggelspree verkehrte, musste im Herbst eingestellt werden. Der Landeszuschuss, zuletzt 60.000 Euro im Jahr, wurde gestrichen. Bürger protestieren. „Ich kann die Diskussion verstehen, die Ruderfähre hatte einen historischen Wert“, bekräftigt Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) „Aber wir können sie nicht mehr bestellen und bezahlen, weil sie nicht barrierefrei ist“ – das Ruderboot kann keine Rollstühle befördern. „Es muss eine private Lösung vor Ort gefunden werden“, so Gaebler. Er sei zuversichtlich, dass das noch in diesem Jahr gelingt. Der SPD-Abgeordnete Robert Schaddach plant einen Runden Tisch.

Komplett barrierefrei ist der BVG-Fährverkehr aber trotzdem noch nicht. Die Anleger Müggelhorst und Kruggasse sind erst Mitte April fertig. Der Weg zum Fährsteg in Schmöckwitz muss vom Bezirk noch so ausgebaut werden, dass er auch mit Rollstühlen genutzt werden kann. Das soll 2014 passieren.

Wannseeschiff ohne Sonnendeck

Auch auf der längsten Berliner Fährlinie, der F 10 zwischen Wannsee und Kladow, verkehrt ein modernes Schiff. Dort setzt die Stern und Kreisschifffahrt im Auftrag der BVG die neue Fähre Wannsee ein, deren Dieselantrieb strengste Umweltstandards erfüllt. „Mit schadstoffarmen und schadstofffreien Antrieben tun sich Reeder schwer. Darum muss die öffentliche Hand Vorbild sein“, sagte Gaebler. Das Schiff hat 60 Fahrradplätze, mehr als zuvor.

Doch Kritik gibt es auch hier: Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen hat die neue Fähre kein Sonnendeck mehr. Alle Passagiere müssen drinnen sitzen. Beobachter argwöhnen, dass Stern und Kreis keine allzu attraktive Konkurrenz zu ihren eigenen Dampferlinien wünschte. Die BVG sieht es so: „Die F 10 ist nun mal eine Fähre und kein Ausflugsschiff.“