Berlin - Elektrisch fahren? Ja bitte! Nur zu gern würden die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im großen Stil Elektrobusse auf die Straßen schicken. Doch die perfekte Technik für eine abgasfreie Zukunft hat sie immer noch nicht gefunden. Zwar bereitet das Landesunternehmen einen weiteren Versuch vor – es kauft einen Elektrobus, der per Stromabnehmer aufgeladen wird.

Erst einmal kommt der Erdgasbus

Die nahe Zukunft könnte aber erst einmal dem Erdgasbus gehören. „Wir testen drei weitere Busse dieser Art auf der Linie 140 zwischen Ostbahnhof und Tempelhof“, sagte Bus-Chef Torsten Mareck. Im Juni will die BVG ihre Busstrategie verabschieden. Gut möglich, dass sie den Kauf von vielen Erdgasbussen vorsehen wird.

Das Prinzip mutet bestechend an. Wenn man elektrische Zahnbürsten ohne Kabel und Stecker aufladen kann, müsste das auch bei Bussen klappen, sagten sich die Planer. Nach diesem Prinzip wurde die Linie 204 vom Zoo zum Südkreuz zu einer Teststrecke für Elektrobusse umgestaltet. Doch nach knapp anderthalb Jahren zog Bus-Chef Mareck jetzt eine ernüchternde Bilanz: „Für eine größere Busflotte wäre dieses System nicht zukunftsfähig.“

Einziges Angebot kam aus Polen

Zwar seien die Busse vom Typ Solaris Urbino 12 Electric leise, und sie hätten gute Fahreigenschaften. Die Batterien, die anfangs zu oft wegen Überlastung ausstiegen, funktionieren nun einwandfrei. Das Problem liege woanders: bevor das Laden der Busbatterien beginnt.

Das Ladesystem Bombardier Primove ist an den Endstationen Südkreuz und Hertzallee in den Fahrbahnbelag eingelassen. Vorgesehen ist, dass der Fahrer dort hält und das Ladesystem unter dem Bus absenkt, damit per Induktion Strom fließen kann.

Nur zu 75 Prozent zuverlässig

Die Technik habe aber Schwierigkeiten, die Ladebereiche zu erkennen. Auch das Herunterfahren des Ladesystems funktioniere nicht immer. Das Gleiche gelte für die Detektoren, die Metall auf dem Fahrbahnbelag erkennen sollen. Das alles trage dazu bei, dass das Bussystem nur zu 75 Prozent zuverlässig sei – das reiche nicht aus.

Fazit: Die Technik bleibt im Einsatz, die vier Elektrobusse bleiben bei der BVG. „Für eine größere Stückzahl von E-Bussen müssen wir uns allerdings nach etwas anderem umschauen“, so der Bereichsleiter.

Top-down-Pantograph

Der fünfte Elektrobus, den die BVG auf der Linie 204 erproben will, wird mit Hilfe einer anderen Technik aufgeladen – die ziemlich futuristisch anmutet. Der Bus hält unter einem weißen Mast. Von dort senkt sich ein Stromabnehmer, vom Hersteller Siemens „Top-down-Pantograph“ genannt, herab. Sobald die Stangenkonstruktion die Kontaktschienen auf dem Busdach erreicht hat, kann der Strom fließen.

Vorteil: Die Ladestationen sind relativ preiswert. Dadurch könnten mehr davon im Liniennetz platziert werden, was es ermöglichen würde, Batterien auch unterwegs zu laden. Auf diese Weise würde der Einsatzbereich der E-Busse vergrößert. Derzeit kommen solche Busse mit einer Ladung 200 bis 250 Kilometer weit. Die BVG lässt Dieselbusse pro Schicht 400 Kilometer weit fahren.

Die Ladestation soll auf dem Euref-Campus am alten Schöneberger Gasometer entstehen. Der Bus wird im kommenden Jahr geliefert – wieder von Solaris aus Polen. „Dies war der einzige Hersteller, der ein Angebot abgegeben“, sagte Mareck. Die deutsche Industrie sei beim Thema Elektrobusse sehr zurückhaltend.

Leise und sauber – angeblich

Solange die Branche keine wirtschaftlichen Fahrzeuge anbiete, werde für den Übergang eine andere umweltfreundliche Technik benötigt. „Erdgasbusse stoßen weniger Schadstoffe aus als Dieselbusse, sie sind fünf Dezibel leiser“, sagte Mareck. Die Tests auf der Linie 140 sollen auch Aufschluss geben, mit welchem Verbrauch und welchen Betriebskosten zu rechnen ist.

Einige Experten sehen Erdgasbusse kritisch. Studien zeigten, dass sie in puncto Schadstoffe gegenüber neuen Dieselbussen kaum Vorteile haben. Zudem stoßen auch Erdgasmotoren gesundheitsschädliche Partikel aus. „Das ist bei jedem Verbrennungsmotor so“, so Mareck. Doch die Belastung sei geringer.

Pro Tankfüllung eine halbe Stunde

Auch der zweite Testbus auf der Linie 140, ein MAN Lion’s City CNG, tankt Erdgas an regulären Tankstellen – was pro Füllung eine halbe Stunde dauern kann. Doch die BVG plant, auf ihren Betriebshöfen Tankstellen bauen zu lassen und zu verpachten, an denen die Busse Biogas der Gasag tanken – in vier bis sechs Minuten. Doch erst einmal muss der Aufsichtsrat entscheiden, ob Erdgasbusse gekauft werden. Wenn dies geschieht, dann in großem Stil, sagte Mareck: „100 bis 150 pro Hof.“