Einer von 185 Berlkönigen in Berlin.
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BerlinDie Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geben sich nicht geschlagen. Das Landesunternehmen setzt sich zusammen mit seinem Partner ViaVan dafür ein, dass der Berlkönig erhalten bleibt. Zwar droht dem Fahrdienst nach jetzigem Stand Ende April das Aus. Doch vielleicht könnte eine Lösung für den Fortbestand des Mobilitätsangebots gefunden werden – selbst wenn sie zunächst auf einige Monate befristet ist, hieß es jetzt. Dem Vernehmen nach sollte es am Mittwoch dazu ein Telefonat von ViaVan mit Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) geben.

„Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der Berlkönig als integrativer Bestandteil des Nahverkehrs sehr positive Auswirkungen auf das Mobilitätsangebot unserer Stadt haben könnte“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken am Mittwoch. „Wir haben uns sehr bemüht, mit Zahlen, Daten und Fakten die Bedeutung und Entwicklungschancen des Berlkönigs für den Nahverkehr detailliert darzulegen.“

Derzeit sind 185 Mercedes-Fahrzeuge in der östlichen Innenstadt unterwegs. Rechtlich gilt der Berlkönig als „atypischer Linienverkehr“– so hat ihn das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) genehmigt. Grundlage ist die Experimentierklausel im Personenbeförderungsgesetz, die bis zu vierjährige Versuche ermöglicht. Fahrten im Berlkönig sind billiger als mit dem Taxi – was die Taxibranche erbost. Pro Kilometer werden 1,50 Euro berechnet. Mindestpreis: vier Euro. Das Ein- und Aussteigen ist allerdings nur an 621 Bus- und 4 423 virtuellen Haltestellen möglich. Außerdem haben die Nutzer die Limousinen  nicht für sich allein, sondern müssen damit rechnen, dass weitere Fahrgäste mit ähnlichen Zielen mitfahren. Ride Sharing ist das Stichwort.

Fast alle Fahrgäste sind zufrieden

Konnten anfangs gerade mal elf Prozent der Fahrten gebündelt werden, so waren es im vergangenen Dezember laut BVG schon 59 Prozent. Immer öfter sitzen zwei und mehr Fahrgäste in den Autos – was gut für die Umwelt ist, wie eine ViaVan-Sprecherin am Mittwoch unterstrich.   Seit dem Betriebsbeginn im September 2018 habe der Berlkönig insgesamt anderthalb Millionen Fahrgäste an ihr Ziel gebracht – mit einem Zufriedenheitsgrad von 97 Prozent“, sagte sie. „Das ist für den öffentlichen Verkehr in Deutschland und der Welt ein überragender Wert.“

ViaVan wies auch darauf hin, dass der Berlkönig 2019 mit dem Bundesteilhabepreis ausgezeichnet wurde. „Denn er ist barrierefrei für Rollstuhlfahrer und für sehbehinderte Fahrgäste“, betonte die Sprecherin. Der Berlkönig habe ein „enormes Potenzial, den Zugang zum Nahverkehr auszubauen, insbesondere zu Zeiten und an Orten wo der linienbasierte Nahverkehr Lücken aufweist sowie für Menschen, für die das herkömmliche Angebot aufgrund von Mobilitätseinschränkungen oft eine Herausforderung darstellt“.

Das Joint Venture von Mercedes-Benz und dem US-Unternehmen Via will in Berlin weiterhin mit dem erfolgreichen Fahrdienst präsent sein. "Wir setzen uns weiterhin für die Zukunft des Berlkönigs ein", hieß es. "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den relevanten Parteien, um gemeinsam eine nachhaltige, langfristige Zukunft für diesen wichtigen neuen Baustein der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur in Berlin zu schaffen."

Zwar gilt die Ausnahmegenehmigung des Landesamts, die nach rund  neun Monaten Wartezeit erteilt wurde, vier Jahre - bis 2022. Doch die BVG betonte, dass der Versuch von Anfang an auf zwei Jahre befristet worden sei. Da auch noch die Vorbereitungszeit eingerechnet werden muss, endet der Test in der Tat Ende April 2020, so die BVG. Hinter den Kulissen hieß es: ViaVan habe bereits einen siebenstelligen Betrag beigesteuert, und sich darauf eingestellt, nicht länger zahlen zu müssen.

Jährlich bis zu 43 Millionen Euro Zuschuss vom Land

Schon seit Monaten wirbt die BVG dafür, den Berlkönig in ganz Berlin in den Nahverkehr zu integrieren – was Landeszuschüsse von jährlich bis zu 43 Millionen Euro erfordern würde, wenn der Berlkönig mit 761 Fahrzeugen (davon 76 barrierefrei) berlinweit unterwegs wäre. Intern wurden Vorwürfe zurückgewiesen, wonach die BVG ihr Konzept erst vor Kurzem in die Debatte eingebracht habe. Im vergangenen Jahr sei bei den Verhandlungen über den neuen Verkehrsvertrag mehrmals darauf hingewiesen worden, dass die Einbeziehung des Berlkönigs in den gesamten Berliner Nahverkehr sinnvoll wäre, hieß es.

Der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf bekräftigte aber, dass der gewünschte Landeszuschuss im aktuellen Haushalt nicht berücksichtigt sei. Wäre eine solche Subvention im Etat vorgesehen, würden Mittel für andere, wichtigere Aufgaben fehlen, so der Abgeordnete. "Wir brauchen Geld für die Verkehrswende" - aber nicht für einen Fahrdienst, der die Straßen belaste, sondern für neue Schienenstrecken und andere Nahverkehrsangebote.

"Nach einer ursprünglich geplanten vierjährigen Testphase geht dem BerlKönig nun nach 2,5 Jahren die Puste aus", twitterte Schopf am Mittwoch. "Das Land sollte mit 43 Millionen an Steuergeldern einspringen. Das machen die Koalitionsfraktionen nicht mit. Wir brauchen einen gut ausgebauten ÖPNV, ergänzt vom Taxigewerbe."

Hinter den Kulissen wird nun versucht zu erreichen, dass der Fahrdienst über den kommenden April hinaus zumindest einige Monate weiterbetrieben wird. Möglicherweise ließe sich so Zeit gewinnen, eine Lösung zu erreichen. Harald Moritz (Grüne) sprach sich dafür aus, die Ausnahmegenehmigung voll auszuschöpfen und die Testphase bis 2022 zu verlängern. Zudem sollte der Berlkönig auch in Außenbezirken erprobt werden. Es sei zu früh, darüber zu sprechen, ob der Berlkönig im Verkehrsvertrag berücksichtigt werden. Seine Partei wolle aber "die Verkehrswende voranbringen. Dazu gehören auch Alternativen zum motorisierten Individualverkehr wie gepoolte On-Demand-Dienste", sagte der Abgeordnete.

Taxifahrer-Demo legt den Flughafen Tegel lahm

Berlins Taxifahrer sehen den Berlkönig und andere Fahrdienste dieser Art jedoch weiterhin als gefährliche Konkurrenz - die auch noch von großen Unternehmen oder der bundeseigenen Deutsche Bahn subventioniert würden. Am Mittwoch gab es dazu eine Demonstration am Roten Rathaus. Angemeldet wurde sie von einer Einzelperson, "doch wir teilen die Kritik", sagte Rolf Feja von der Innung des Berliner Taxigewerbes. Die Taxi-Konkurrenz werde von den Berliner Behörden kaum kontrolliert, ruinöse Konkurrenz sei die Folge, kritisierte er. Demo-Teilnehmer legten nach der Protestaktion die Zufahrt zum Flughafen Tegel lahm. Fluggäste mussten aus Bussen und Taxis aussteigen und zu den Terminals laufen.

Die Wut der Taxifahrer richtete sich auch gegen das US-Unternehmen Uber, das in Berlin Taxis und Mietwagen mit Chauffeuren vermittelt. Den Berlkönig sieht Uber allerdings nicht als Konkurrenz, genauso wenig wie Taxis.  "Sie alle gehören zum Mobilitätsmix", bekräftigte Uber-Sprecher Tobias Fröhlich am Mittwoch. Es seien Mobilitätsformen, "die wir begrüßen".