Morgens, wenn das Klingeln des Weckers sich in die Träume frisst, können 4,9 Minuten eine kleine Ewigkeit sein. Nur noch einmal umdrehen - herrlich. Vielleicht dauert es im Anschluss auch etwa 4,9 Minuten, in Ruhe ein paar Mal das Bürooutfit zu tauschen, bis es sitzt. Oder die 4,9 Minuten verstreichen, während Hungrige beim Bäcker anstehen und sich ein Frühstück auf die Hand bestellen. Nicht selten sind 4,9 Minuten dann Gold wert. 

Wäre doch schade, diese Zeit mit Warten auf eine Bahn zu verbringen. Oder mit Herumsitzen in einem Bus, der im Stau steckt. Das dachten sich wohl auch die Macher des Verbraucherportals Vergleich.org. Sie haben sechs verschiedene Smartphone-Apps für den öffentlichen Personennahverkehr in Berlin getestet und den zuverlässigsten Anbieter ermittelt. Fazit: Mit der besten App sparen Nutzer bei einer 45-minütigen Fahrt im Durchschnitt 4,9 Minuten. Wer eine solche Strecke zweimal pro Tag zurücklegt, landet am Monatsende bei rund fünf Stunden gesparter Lebenszeit.

Sechs Apps im Vergleich

Zur Auswahl im Test standen die Anwendungen Google Maps, Öffi-Fahrplanauskunft, Apple Maps, BVG Fahrinfo, DB Navigator und VBB Bus und Bahn. Zwei Tester verglichen die Auskünfte der Kandidaten auf fünf Routen, die sowohl S-, U- und Regionalbahnen als auch Busse und Trams enthielten. "Als wir die Ergebnisse hatten, legten wir einen Extra-Testtag ein und hielten noch einmal Best- und Schlechtplatziertesten gegeneinander", erklärt Tester Nico Gorsitzki von Vergleich.org die Methode, die wohl keinen wissenschaftlichen Gültigkeitskriterien standhält, aber im Berliner Verkehrsalltag durchaus realistisch ist.

Im Ergebnis kommt die Bus und Bahn-App des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg am besten weg. Die Note von 1,4 setzt sich zusammen aus den Bewertungen in 15 Kategorien. Unter anderem zogen die Tester Zeit- und Positionsangaben, realistisch eingeschätzte Laufwege, Übersichtlichkeit der App und die Anzeige von Baustellen und Verspätungen heran. Platz zwei belegt die nur für Android-Smartphones verfügbare Öffi-Anwendung, gefolgt von Google Maps, Apple Maps und BVG Fahrinfo. Die schlechteste Gesamtnote fährt die DB Navigator-App ein. 

Über die Programme hinweg sind die Uhrzeiten für die U-Bahn am präzisesten. "Auffällig sind dagegen bei fast allen die fehlerhaften Anzeigen bezüglich der Tram-Fahrzeiten", sagt Tester Gorsitzki. Nur der Testsieger liefere hier verlässliche Daten. Besonders realitätsfern schneide der Verlierer bei Laufstrecken, Verspätungen und Fahrtzeiten ab. "Zum Beispiel gibt DB Navigator an vorderster Stelle Verbindungen an, die unmöglich zu erreichen sind", so Gorsitzki.

Auch die von Google Maps berechneten Laufzeiten setzen laut dem Verbraucherexperten echte Sprinter-Qualitäten voraus. In den vielen Fällen ergebe sich daraus ein Zeitverlust, weil Fahrgäste Anschlüsse verpassen. “Es führt in der Praxis außerdem dazu, dass die App häufig Fußwege guten Bus- und Bahnverbindungen den Vorzug gibt." Statt zum Beispiel eine Station zu fahren, empfiehlt die Anwendung so also, die Strecke zu gehen - was in der Realität aber länger dauert als laut Plan.

Analyse-Tool beobachtet Nutzer

Die Untersuchung des Produkttest-Portals, das die VGL Verlagsgesellschaft von Berlin aus betreibt, ist nicht die erste ihrer Art. So veröffentlichte die Stiftung Warentest vor gut zwei Jahren eine Studie zu Ticket-Apps, die auch die Qualität von Verkehrsinfos bewertete. Hier schnitt beispielsweise die App DB Navigator besser ab als die BVG-Anwendung. "Allerdings sind ältere Tests bei Apps nur noch bedingt aussagekräftig", sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest. "Mit Updates können stündlich Änderungen erfolgen, die die App verbessern."

Ein Kriterium, das im aktuellen Test keine Rolle spielt, sind Datenschutzbestimmungen. Jüngst stufte die Stiftung Warentest den Anbieter Google Maps in diesem Punkt herab, weil in der Android-Version die Geräte-ID der Smartphones übertragen wurde. Bei den meisten Reise- und Mobilitätsapps laufe aber mittlerweile ein Analyse-Tool im Hintergrund, das den Nutzer beobachtet, so Murko. Wer also in geheimer Mission unterwegs ist oder den Internetriesen schlicht nicht verraten will, wo er sich herumtreibt, der geht auf Nummer sicher und plant ohne App einfach 4,9 Minuten mehr ein. Hauptsache man kommt ans Ziel.