Nicht ohne meine Maske: In Berlin hält sich der Großteil der Fahrgäste an die Pflicht.
Foto: Volkmar Otto

BerlinManch einer findet die Maskenpflicht lästig, andere bezweifeln, ob sie etwas bringt. Doch sie gilt: Wer mit Bahn und Bus unterwegs ist, muss Mund und Nase bedecken. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) erwartet man, dass diese Regelung nicht so schnell wieder abgeschafft wird. „Ich gehe davon aus, dass die Maskenpflicht noch viele Monate gelten wird“, sagte Rolf Erfurt, Betriebsvorstand des Landesunternehmens, im Gespräch mit  der Berliner Zeitung. Etwas anderes könnte sich dagegen in absehbarer Zeit ändern: Künftig soll das Busfahrpersonal wieder Fahrscheine verkaufen.

Die Maskenpflicht im Nahverkehr gilt seit dem 27. April. Warum erst seit dann? Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) erinnert daran, dass die Fahrgastzahl stark sank, als die Pandemie um sich griff. Die wenigen Nutzer konnten ausreichend Abstand halten. „Nun sind wir dabei, das öffentliche Leben wieder schrittweise hochzufahren, und wir gehen natürlich davon aus, dass auch der Nahverkehr wieder stärker genutzt wird. Es wird wieder voller und enger. Deshalb war es sinnvoll, die Verpflichtung einzuführen.“

Doch Mediziner zeigen sich skeptisch. Zwar könne das freiwillige Tragen einer Alltagsmaske dazu beitragen, die Übertragung von Tröpfchen beim Husten und Sprechen zu verringern, heißt es in Ärztekreisen. Es bestünde aber die Gefahr, dass sich Menschen durch eine Maskenpflicht in falscher Sicherheit wiegten – und nachweislich wirksame Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und Händewaschen vernachlässigten.

Während der Diskussion, die der Maskenpflicht vorausging, äußerten sich auch Verkehrspolitiker ablehnend. Eine generelle Maskenpflicht würde „Fahrgäste verschrecken“, gab der Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar zu bedenken. „Um 22 Uhr soll sich in der U-Bahn niemand wie in einer Geisterbahn fühlen, wenn nur noch weniger, aber alle maskiert fahren.“ Wichtiger wäre es, mehr Kapazität und damit mehr Platz zum Abstandhalten zu schaffen – und verlorene Kunden mit einem 365-Euro-Jahresticket wieder zurückzulocken.

Eine Maskenpflicht sei aber ebenso wichtig, damit die Fahrgäste Vertrauen zurückgewinnen, betonte Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Durch Tragen eines Mundschutzes kann die Ansteckungsgefahr für andere gesenkt werden“, so der Berliner Landesgeschäftsführer des Umweltverbands. Wenn das Risiko verringert werde, nehme die Attraktivität von Bahn und Bus wieder zu.

Bei der BVG hält man die Maskenpflicht weiterhin für sinnvoll, wie Betriebsvorstand Erfurt jetzt unterstrich. „Dass alle Fahrgäste Mund und Nase bedecken müssen, war aus unserer Sicht eine richtige Entscheidung“, sagte er. „Unsere Mitarbeiter berichten, dass die Pflicht im Schnitt zu 90 Prozent befolgt wird, das ist ein hoher Anteil.“ Allerdings gelte diese gute Befolgungsrate nicht zu allen Tages- und Nachtzeiten: „Nachts ist sie stark abnehmend.“ Je später es werde, desto mehr Menschen seien unterwegs, die diese Pflicht ignorieren oder gar ablehnen, so Erfurt.

Wie berichtet steht man einem Bußgeld für Maskenverweigerung im Senat allerdings zurückhaltend gegenüber. „Über ein Bußgeld werden wir nur dann nachdenken, wenn sich die Einhaltung der Pflicht, entgegen den ersten guten Trends, nicht zufriedenstellend weiterentwickelt“, bemerkt Verkehrssenatorin Günther.

Auch Folien können vor Ansteckung schützen. In Berliner Linienbussen werden sie seit Mitte März eingesetzt, um zu verhindern, dass Fahrgäste mit dem Fahrpersonal in Kontakt treten. Das führte allerdings dazu, dass die Busnutzer nicht mehr vorn einsteigen und auch keine Tickets mehr erwerben können. Die BVG arbeite  an einer anderen Lösung, so Erfurt. „Derzeit testen wir in einigen Bussen Trennscheiben, die den Fahrerbereich schützen. Sie würden es ermöglichen, die erste Tür im Bus wieder zum Einstieg zu öffnen. Dann könnte das Fahrpersonal auch wieder Fahrscheine verkaufen.“