Ein Mann in einem Pullover der BVG kommt mit Mettbrötchen aus dem Overkill-Shop in Kreuzberg. Die vor dem Laden wartende Menge applaudiert. Einige der hungrigen Wartenden verharren seit Tagen in der Kälte hier am Schlesischen Tor, um eines der nur 500 Sneaker-Paare mit integriertem BVG-Jahresticket zu ergattern. Overkill ist eines von zwei Geschäften in Berlin, die die limitierte Edition der Adidas-Schuhe an diesem Dienstag verkaufen. Noch am selben Tag ist das Sondermodell - wie erwartet - ausverkauft. 

Gedrängelt wird beim Verkaufsstart um 11 Uhr nicht, die Turnschuh-Fans hatten sich bereits vorab auf einer Warteliste eingetragen und werden nun jeweils in Fünfergruppen in den Laden gelassen. Montagnacht um ein Uhr standen bereits mehr als 550 Menschen auf der Liste. Am nächsten Morgen wurde wieder gezählt. Wer dann nicht mehr anwesend war, wurde gestrichen.

Andreas campiert seit Sonntagabend vor dem Geschäft. Er ist extra aus Leipzig angereist, ausgerüstet mit 17 Kleidungsschichten, einem Campingstuhl, Schlafsack und einem Gaskocher. „Ich wollte diesen Schuh und ich wollte dieses Erlebnis haben, draußen sein und Leute kennenlernen“, sagt er. Nach dem tagelangen Camping hat sich vor dem Laden in der Köpenicker Straße eine kleine Gemeinschaft entwickelt.

Andreas steht auf Platz 39 auf der Liste. Damit hat er gute Chancen, die Schuhe in seiner Größe zu bekommen. Dennoch: Anziehen will er sie nicht, sondern später in seine selbstgebaute Vitrine zu Hause in Leipzig stellen.

Der 17-jährige Kenneth aus Berlin hingegen sammelt seit einem Jahr begeistert Sneaker und war schon öfter bei einem sogenannten Campout. Heute sind seine Mutter, Tante und Onkel zur Unterstützung mitgekommen. Seit Montagmittag steht die Familie an, nachts sind sie nach Hause gefahren, um drei Stunden zu schlafen.

Viele haben sich in der Nacht in ihre Autos oder die umliegenden Bars verzogen. Andere sind zu Freunden nach Hause gefahren und haben dort geschlafen. Dank der Platzierung auf der Liste ging das. „Für mich wird es eher so ein Sonntagsschuh, den man mal an einem schönen Tag tragen kann“, sagt Kenneth. Für den Unterricht hat seine Mutter ihm extra eine Entschuldigung geschrieben. „Mir gefällt die Idee dahinter und der Schuh“, sagt sie.

Auf Ebay für 2500 Euro

Auf Ebay werden die Sammlerschuhe inzwischen für mehr als 2500 Euro angeboten. Zwischenzeitlich gab es ein Angebot von 10.000 US-Dollar, also umgerechnet knapp 8200 Euro, kurz darauf war das Angebot wieder verschwunden. Trotzdem würde die Familie aus dem Prenzlauer Berg niemals auf die Idee kommen, ihre hart umkämpften BVG-Sneaker zu verkaufen.

Anders als Lysander aus Wedding. Der 20-Jährige könnte sich vorstellen, sein Exemplar später weiterzuverkaufen, sollte es ihm nicht passen. Er steht als Vorletzter auf der Warteliste und hat somit schlechte Chancen, ein Paar in seiner Größe zu bekommen. Man müsse das nehmen, was noch da ist, erzählt Andreas. Notfalls könne man aber auch untereinander tauschen.

Gegen halb zwölf betritt Steven unter Applaus als Erster den Kreuzberger Laden. Begleitet von vier weiteren glücklichen Schuhkäufern und jeder Menge Pressevertetern darf er als Erster den Adidas-Schuh für 180 Euro kaufen. Er sieht ein wenig erschöpft aus, kein Wunder, er stand bereits seit Freitag für die Sneaker an. Verdient hat er sie sich auf jeden Fall.

Die BVG hat nach eigenen Angaben nicht den Hype erwartet, den die Aktion hervorrief. „Wir haben mit Aufmerksamkeit gerechnet, aber damit nicht“, sagte Sprecherin Petra Reetz. Der Turnschuh ist Teil der BVG-Kampagne „Weil wir dich lieben“, die versucht, dem Unternehmen ein jüngeres Image zu geben. Auch der Verkaufstermin zum Beginn der Fashion Week war bewusst gewählt.