BVG: Streit auf dem Verschiebebahnhof

Berlin - Wer lässt sich einfach so Geld entgehen – noch dazu, wenn es um einen Millionenbetrag geht? Wohl niemand. Darum ist es wenig verwunderlich, dass man bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) sauer ist. Weil die Fahrgeldeinnahmen in Berlin neu verteilt werden, soll sie vom nächsten Jahr bis 2017 auf 31 Millionen Euro verzichten – so haben es ihre Finanzplaner ausgerechnet. Für den Fall, dass dies nicht zu verhindern ist, hat die BVG dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) schon mal mit der Kündigung des Vertrags zur Einnahmeaufteilung gedroht.

Es geht um das Geld, das die Fahrgäste für ihre Tickets zahlen. Diese Einnahmen gelten zunächst nur als vorläufig. Damit sich jeder Verkehrsbetrieb gerecht für seine Leistungen entlohnt fühlt, sind viele Berechnungen nötig – bis am Ende klar ist, wer Geld abgeben muss und wer davon profitiert. Bei den Kalkulationen, die Jahre dauern, werden große Summen hin- und hergeschoben – ein Finanz-Verschiebebahnhof. So darf die BVG, wie sich jüngst ergab, von ihren 2008 erzielten Einnahmen einen zweistelligen Millionenbetrag nicht behalten. Dieses Geld fließt an die S - und die Deutsche Bahn.

Gemeinschaftstarif in Gefahr

Doch jetzt ist die Konstruktion ins Wanken geraten. Weil der VBB die Aufträge für den Zugbetrieb auf Berliner Bahnstrecken neu vergeben hat, wird der Regionalverkehr aus dem Berliner Einnahmeaufteilungs-Vertrag herausgelöst. BVG und S-Bahn bleiben zurück – und müssten, wenn sich am Vertrag und seinen Formeln nichts ändert, auf Geld verzichten. Der Negativeffekt würde ab 2013 seine volle Wucht entfalten. Für die BVG wäre das fatal, denn ihre Finanzplanung ist eng gestrickt. Schon jetzt benötigt sie für große Investitionen Geldgeber. So wurden Instandsetzungen von U-Bahnhöfen auf Eis gelegt, weil erst einmal mit dem Senat verhandelt werden soll.

Wenn die BVG den Vertrag kündigen würde, fiele die drohende Finanzlücke kleiner aus. Trotzdem hätte dies „verheerende Folgen“, hieß es intern. Beobachter fürchten, dass jedes Verkehrsunternehmen versuchen würde, den anderen Betrieben Fahrgeldeinnahmen wegzujagen – durch Dumpingangebote und die Öffnung neuer Fahrkartenschalter, was vermeidbare Kosten verursachen würde. Ein Experte sieht sogar den für die Fahrgäste so praktischen Gemeinschaftstarif in Gefahr. Im schlimmsten Fall würde die BVG Fahrkarten der Konkurrenz nicht mehr anerkennen – eine Einschätzung, die jedoch nicht jeder teilt.

Die BVG setzt jetzt auf die Verhandlungen, die jüngst begonnen haben. Der Verkehrsverbund sei in der Verantwortung mitzuarbeiten, hieß es. Ein BVG-Sprecher zeigte sich optimistisch: „Die BVG geht von einer Lösung der Thematik bis Ende März aus, so dass eine Kündigung nicht notwendig wird.“