BVG sucht Busfahrer, Flüchtlinge wollen Busfahrer werden

Viele Berliner sind anderer Meinung, doch Mohamad Alsaid bleibt dabei. „Hier in Berlin hält man sich an die Verkehrsregeln“, sagt der Syrer (33), der seit kurzem als Busfahrer bei den Berliner Verkehrsbetrieben fährt. „Das finde ich gut.“

In seinem Heimatland war das anders. „Viel Hupen, viel Drängeln, viel Verkehr.“ Normalerweise startet Alsaid vom Betriebshof Lichtenberg zu seinen Einsätzen. Doch am Montag ist er mit Kollegen, zwei Syrern und einem Algerier, zum Hof Müllerstraße gekommen, wo die BVG und die Agentur für Arbeit Berlin Süd das Projekt „Geflüchtete in den Fahrdienst“ vorstellen. Ihm verdanken die Männer, die einst nach Deutschland geflüchtet sind, ihren Arbeitsplatz – eigenes Geld für Wohnung und Familie.

„Busfahrer zu sein, war schon immer mein Traum."

„Die Ausbildung war eine große Herausforderung für uns. Doch viele Menschen haben uns geholfen.“ sagt Nwar Al Jairudi, 38 Jahre alt. Er war Rechtsanwalt, bevor er nach Berlin kam. „Danke!“, sagt auch Mohamad Khair Al Halabi, 42 Jahre alt und ebenfalls aus Syrien. Zoheir Senad war in Algerien Lkw-Fahrer. „Busfahrer zu sein, war schon immer mein Traum. Jetzt ist er wahrgeworden“, so der 38-Jährige. Die Männer wirken glücklich.

Für Mario Lehwald, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Berlin Süd, lässt sich das ebenfalls sagen. Im Februar 2017 begann das Projekt. „16 Geflüchtete haben die Ausbildung begonnen, alle 16 schlossen sie erfolgreich ab. Eine Traumquote, die wir selten erreichen. Das ist beispielhaft, auch auf Bundesebene“, so Lehwald. 13 Männer haben nun unbefristete Arbeitsverträge mit der BVG, die übrigen arbeiten bei anderen Busbetreibern.

„Der 5. Mai 2015 war mein Glückstag“

Mohamad Alsaid stammt aus Damaskus, der Hauptstadt Syriens. „Ich war zwei Jahre lang Busfahrer für einen Kindergarten“, erzählt er. Doch der Krieg vertrieb auch ihn. „Es gab keinen Grund zu bleiben. Jedes Volk braucht Chancen, Leistung zu zeigen und zu arbeiten.“ Aber diese Chancen gab es dort nicht mehr. Über Algerien, Marokko und Spanien flüchtete Alsaid mit seinen Söhnen, die heute sechs und acht Jahre alt sind, nach Deutschland. „Der 5. Mai 2015 war mein Glückstag“, erzählt er. „An diesem Tag kam ich in Berlin an, in der Freiheit.“ „In Syrien haben wir große Familien. In Deutschland ist der Arbeitgeber die Familie“, sagt der alleinerziehende Vater. Bei der BVG will er lange bleiben – „bis zur Rente“.