Vieles wird teurer – doch für Fahrten mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), der S-Bahn Berlin und den anderen Nahverkehrsunternehmen dieser Region gilt das nicht. Nachdem bereits absehbar war, dass die Fahrpreise in Berlin 2019 stabil bleiben, gilt auch im Land Brandenburg eine erneute Nullrunde als wahrscheinlich. Denn dort gebe es nun ebenfalls eine „Tendenz, zähneknirschend auf eine Tariferhöhung zum Anfang 2019 zu verzichten“, teilte ein Insider der Berliner Zeitung am Freitag mit. Zu der befürchteten Situation, dass Pendler in Berlin und Brandenburg ungleich behandelt werden, wird es wohl nicht mehr kommen. Ein Grund dafür ist, dass 2019 in Brandenburg gewählt wird.

Noch gibt man sich beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) betont einsilbig. „Es gilt das bekannte Prozedere: Wie üblich entscheidet der VBB-Aufsichtsrat über Tarifanpassungsmaßnahmen für das Folgejahr“, erklärte Verbundsprecherin Elke Krokowski. Das wird am 27. September der Fall sein. „Vorab können wir keine Aussagen treffen.“ Krokowskis Vorsicht war bis vor Kurzem mehr als berechtigt. Berlin und Brandenburg diskutierten darüber, wie sich die Fahrpreise für U-, Straßen- und Regionalbahnen sowie Busse im kommenden Jahr entwickeln sollten. Wie die Debatte endet, war lange Zeit nicht absehbar.

1,1 Milliarden Euro in der Kasse

Für Berlin steht schon seit Monaten so gut wie fest, dass die Tarife auch 2018 nicht steigen. Die Ende 2016 beschlossene rot-rot-grüne Koalitionsvereinbarung bestimmt, dass die Preise eingefroren werden – so lange, bis die vom Senat einberufene Arbeitsgruppe, die eine neue Tarifstruktur erstellen soll, Ergebnisse vorgelegt hat. Erst am 13. März dieses Jahres traf sich das Gremium zum ersten Mal, die Arbeit dauert an.

Allerdings stießen die Berliner im Land Brandenburg auf viele Befürworter einer Preisanhebung 2019 – zum Beispiel in der Stadt Potsdam, aber auch in Landkreisen. Das Nachbarland hält die Verkehrsbetriebe traditionell kurz. Dort wird jeder zusätzliche Cent benötigt. Weil in vielen Gegenden fast nur Schüler Bus fahren, sind die Einnahmen gering. Anders als in Berlin sind auf dem Land fast keine Touristen unterwegs, die lukrative Ticketarten nutzen.

Weitere Fahrpreis-Nullrunde

Doch inzwischen haben sich die Befürworter einer weiteren Fahrpreis-Nullrunde durchgesetzt, berichteten Beobachter. „Ein Grund ist, dass am 1. September 2019 der Landtag neu gewählt wird“, so einer von ihnen. Die SPD und die Linke, die in Potsdam regieren, stehen unter Druck, Sie wollen den Wählern keine Negativnachrichten zumuten.

Hinzu kommt, dass der Index, der einer Fahrpreiserhöhung zwingend zugrundezulegen wäre, 2018 noch niedriger ausfällt als 2017. Diese Zahl zeigt, wie sich die Kosten für Lebenshaltung, Kraftstoff und Strom in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben – und dieser Anstieg war gering. In diesem Jahr bleibt der Index mit etwas mehr als 0,4 Prozent unter einem halben Prozentpunkt, höher dürfte die Tariferhöhung nicht ausfallen. Doch in diesem Fall könnten die zu erwartenden Zusatzeinnahmen nicht einmal die Kosten der Preisumstellung, zum Beispiel für das Neuprogrammieren der Ticketautomaten, einspielen.

Fahrpreise sind zuletzt im Januar 2017 gestiegen

Verkehrsbetrieben würde ein Minusgeschäft drohen.
Zwar fühlen sich einige Verantwortliche unwohl dabei, wenn erneut aus der früheren Routine regelmäßiger Verteuerungen ausgeschert wird. Doch zunehmend überwiege die Einsicht, wie es am Freitag hieß. Zuletzt waren die Fahrpreise in Berlin und Brandenburg im Januar 2017 gestiegen, um durchschnittlich 0,56 Prozent. Branchenkenner halten es für möglich, dass die Tarife 2020 wieder steigen müssen – unter anderem deshalb, weil 2019 bei der BVG ein neuer Manteltarifvertrag in Kraft treten könnte, der die jährlichen Personalkosten um einen zweistelligen Millionenbetrag erhöht.

Ein Nulltarif stößt bei den Verantwortlichen auf Ablehnung. Um das Verkehrsangebot und Verbesserungen zu finanzieren, würden auch die Fahrgäste gebraucht. Fahrgelderträge waren auch 2017 eine wichtige Einnahmequelle. Bei der S-Bahn kamen 431,8 Millionen Euro in die Kasse, bei der BVG 715,6 Millionen.