Berlin - Zwei viel frequentierte U-Bahnlinien, die U2 und die U6, kreuzen sich am Bahnhof Stadtmitte im Untergrund. Oben befinden sich jede Menge Sehenswürdigkeiten und Institutionen. Damit Touristen und Berliner, die hier nicht so oft aussteigen, auf Anhieb den richtigen Weg finden, testet die BVG ein neues Leitsystem. Dabei kommen die neuen Schilder ohne das Wort „Ausgang“ aus. Stattdessen werden den zehn Ausgängen Buchstaben zugeordnet.

Gut von A nach B kommen – die Wendung erhält auf dem Bahnsteig Stadtmitte eine ganz neue Bedeutung. Wer zum Gendarmenmarkt, Friedrichstraße, Museum für Kommunikation oder zum Statistischen Bundesamt möchte, braucht Ortskenntnis, um an der richtigen Stelle aus dem Untergrund an die Oberfläche zu kommen. Wer am falschen Ende landet, muss mehrere Hundert Meter umsonst zurücklegen. Deshalb hat die BVG den Umsteigebahnhof für den Test ausgewählt.

Touristen finden sich im U-Bahnhof nicht zurecht

Ein Umgebungsplan, in dem die Ausgänge mit den Buchstaben A bis J markiert sind, „soll die Orientierung kinderleicht“ machen, so die BVG-Mitteilung. Doch schon an der ersten Übung scheitern die drei Touristen Marcio (24), Quentin (25) und Zaenab (24). Den Übersichtsplan, mit dessen Hilfe sie sich schnell orientieren könnten, finden sie erst gar nicht. Er hängt abseits in einem Glaskasten an einem der Ausgänge.

Einige Sehenswürdigkeiten wie das Museum für Kommunikation sind zwar auch auf dem Bahnsteig ausgewiesen. „Aber wenn du was anderes suchst, wird es kompliziert“, findet Marcio aus Brasilien. Dennoch befindet sich die BVG mit ihrem Versuch im Trend.

„International ist dieser Standard im Kommen“, weiß Gregor Strutz, der sich mit seiner Grafik-Agentur „Inkl. Design“ auf barrierefreie Kommunikation in öffentlichen Räumen spezialisiert hat. „In London, Paris und Budapest arbeitet man erfolgreich mit Buchstaben“, sagt er. Die bisherige Kennzeichnung nur mit Straßennamen berge großes Verwechslungspotenzial, so Strutz. „Auf dem Bahnsteig der U6 führen zum Beispiel an beiden Enden des Perrons Ausgänge auf die Friedrichstraße.“ Mit der Buchstabenkennzeichnung könne man sich nun eindeutiger positionieren. Außerdem sei der Lese-Aufwand geringer, Buchstaben seien im Gegensatz zu Bandwurm-Bezeichnungen deutlicher zu erkennen. „Das ist gut, wenn es voll ist, oder wenn man es eilig hat. Auch Sehbehinderte, Touristen, Menschen mit Lernschwierigkeiten profitieren davon.“

Viereck mit Pfeil statt „Ausgang“-Schild

Dass die neuen Schilder statt der Aufschrift „Ausgang“ nur noch das international bekannte Zeichen, ein offenes Viereck mit einem Pfeil, zeigen, hält der Experte für unproblematisch. „Dasselbe Zeichen gab es schon auf den U-Bahnhöfen der DDR“, so Strutz. Wie das System bei den Fahrgästen ankommt, soll in den kommenden Monaten mit Befragungen untersucht werden. Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, fällt eine Entscheidung, ob es künftig auf allen anderen U-Bahnhöfen heißt: wer A sagt, muss auch B sagen.