BVG testet neues Modell: Klein und nicht sehr geräumig: der neue BVG-Doppeldecker

Wahrscheinlich wird es länger dauern, bis die Fahrgäste wissen, wozu die Anzeigetafel mit den grünen und roten Feldern da ist. Dabei ist sie ziemlich praktisch. Denn die Tafel im neuesten Doppeldeckerbus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zeigt, wie viele Plätze auf dem Oberdeck frei sind – sind alle belegt, kann man sich das Treppensteigen sparen. „Unter den Sitzen befinden sich Sensoren“, erklärt Dennis Daub vom Bushersteller VDL. Setzt sich jemand auf einen Platz, zeigt die Tafel ein rotes Feld an. Leere Sitze leuchten dort grün.

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Es gibt noch andere ungewöhnliche Einzelheiten im Citea DLF 114, den die BVG am Dienstag vorstellte. Auch der rote Knopf im Oberdeck rechts neben der hinteren Treppe gibt zunächst Rätsel auf. Daub erklärt auch dies: Wer den Knopf drückt, signalisiert damit dem Busfahrer, dass er von oben nach unten zum Ausgang strebt – damit der Fahrer die Tür etwas länger auflässt.

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Ebenfalls im Oberdeck befindet sich neben jeder Bank ein USB-Anschluss, damit Tablets und Handys Energie tanken können. Schön für die Fahrgäste – wie auch die neuen Sitzbezüge (die nicht so graffitimäßig wirr sind wie bisher bei der BVG) oder wie die Fußbodenheizung im Eingangsbereich. Doch für das Landesunternehmen BVG, dessen Management stolz auf die schwarze Null in der Bilanz verweist, ist etwas anderes entscheidend: Der in Belgien gefertigte Doppeldecker ist mit 11,40 Metern rund 2,30 Meter kürzer als die „großen Gelben“ der BVG.

Schmaler Gang, niedrige Decke

Kürzer bedeutet preiswerter – bei der Herstellung und im Betrieb. Statt drei Achsen braucht der VDL-Doppeldecker nur zwei. Statt 17,3 Tonnen bringt er 12,5 Tonnen Leergewicht auf die Waage. Kürzer heißt aber auch: weniger Kapazität. Die regulären Doppeldecker der BVG können laut Herstelleraushang 128 Reisende befördern, die BVG kalkuliert inzwischen mit 113. Der VDL hat Platz für 97 Fahrgäste. Sie können fühlen, dass der Bus relativ klein ist: Im Unterdeck wird der Gang hinten sehr schmal und niedrig, auch das Oberdeck ist für große Fahrgäste eine Herausforderung.

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Weniger Kapazität – obwohl Berlin wächst: Für die BVG ist das kein Widerspruch. Sie will den kleinen Gelben auf Linien testen, auf denen der Bedarf aus ihrer Sicht nicht so groß ist – auf denen aber viele Sitzplätze gebraucht werden, weil die Fahrgäste lange Strecken zurücklegen. „Im Spätherbst kommt er auf der X 34 zwischen Kladow und Zoo in den Linienbetrieb“, sagt BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta. Dort war bereits der andere kurze Doppeldecker unterwegs, den die BVG seit Januar testet – ein Scania Citywide CF. Er hat nur eine Treppe.
Künftig sollen auf der Linie X 34 beide Prototypen rollen. „Damit die Fahrgäste die beiden Busse bewerten können“, sagt die BVG-Chefin. Von welchem Doppeldecker sie weitere Exemplare anschafft, will die BVG nicht vor 2016 entscheiden.