Berlin - Altes Eisen? Von wegen! Vier U-Bahn-Wagen aus dem Jahr 1957 und zwei U-Bahn-Wagen aus dem Jahr 1963 müssen noch mal ran. Die Oldtimer, die bisher zum Museumsbestand der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehörten, gehen wieder auf Tour.

Anfang des kommenden Jahres müssen sie sich erst einmal vier Wochen lang im Testbetrieb bewähren, auf einer Strecke, die bei der BVG aus unerfindlichen Gründen niemand preisgeben will. Dann kommt ein großer Kran und hievt das Sextett durch eine Luke hinter dem Hauptbahnhof in den Tunnel der U 55, wo sie  anschließend bis Ende 2020 treu und brav zum Brandenburger Tor und zurück zuckeln sollen. Auf der Touristenstrecke muss jedes Wagen-Duo 40.000 Kilometer pro Jahr zurücklegen. Willkommen zurück im grauen Alltag! 

West-Berlin kehrt auf die Gleise zurück

Die „Stahl-Dora“ (diesen Spitznamen haben die 59 Jahre alten Wagen) ist bald wieder unterwegs! Das gute alte West-Berlin kehrt auf die Gleise zurück, wie früher mit Holzpaneelen an den Wänden und grünen Sitzbezügen aus Kunstleder! Eine Erinnerung an die Zeiten, als der Kalte Krieg noch für überschaubare Verhältnisse sorgte und Stars nicht Lady Gaga und „Die Lochis“ hießen, sondern Nadja Tiller und Walter Giller. Achja, wie schön!

Kein Wunder, dass allein schon die Ankündigung der Pläne in der ziemlich großen Gemeinde der U-Bahn-Fans und Berlin-Nostalgiker so manchem wohlige Gefühle bereiteten. Doch die BVG gibt nicht  1,9 Millionen Euro für die Runderneuerung aus, um Nostalgikern ein Kribbeln zu verschaffen. Sondern aus Not – Fahrzeugnot: Ohne die Alten wäre es nicht möglich, wie mit dem Senat vereinbart auf der Linie U 6 mehr Fahrten anzubieten.

Den Fundamentalisten werden nicht alle Umrüstungen gefallen – die Außenlautsprecher genauso wenig wie das Piktogramm „Alkohol verboten“ und die  Türtaster, die alle Türklinken  ersetzt haben. Doch so sind nun mal die Vorschriften. Auch die Drohung der BVG, dass alle Wagen noch eine besondere Gestaltung bekommen, die „dem besonderen Einsatzort Rechnung trägt“, wird nicht jeden freuen. Schließlich erweist sich die BVG nicht immer sattelfest, wenn es um Design geht. Die Hoffnung, dass die Fensterscheiben wenigstens in diesen Fällen nicht mit hässlichen Anti-Graffiti-Motivfolien beklebt werden, scheint  leider unbegründet zu sein.

Trotzdem: Einige nette Details blieben in den alten Wagen, deren Kollegen in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang verkauft worden sind,  erhalten.   Zum Beispiel der Aufkleber: „Fahren ohne Fahrausweis kostet mindestens 60 Mark“ – das wären umgerechnet gerade mal 30 Euro, halb so viel wie heute. Doch wer nun  hofft, dass er in der „Stahl-Dora“ ohne gültiges Ticket billiger davon kommt, irrt sich, warnt die BVG. „Egal, was da steht“, hieß es. „Schwarzfahren kostet 60 Euro.“ Die U 55 ist doch kein Time Tunnel!