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Der Archäologe Michael Hofmann wirkt erleichtert. Die alte Mauer hat gehalten. Kein Feldstein ist heruntergefallen, und auch der Mörtel dazwischen ist stabil. Die alte Mauer – das ist die Nordwand des mittelalterlichen Berliner Rathauses, das Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Reste der Kellerwand wurden bei Ausgrabungen vor drei Jahren vor dem Roten Rathaus freigelegt. Doch die Wand stört beim Bau der neuen U-Bahnlinie 5. Deshalb wurden am Dienstag 20 Meter der Mauer mit einem Kran um zwei Meter versetzt und näher an das Rote Rathaus herangerückt.

„Die Wand ist uns sehr wichtig. Denn das Rathaus ist der erste städtische Bau in Berlin aus Feldsteinen und großformatigen Ziegeln“, sagt Hofmann. Er steht auf der U-Bahn Baustelle vor dem Roten Rathaus und blickt in die Baugrube. Gerade hat der Kran seine 40 Tonnen schwere Last auf einem neu gegossenen Betonfundament abgesetzt. „Der U-Bahnbau und das Ausbaggern der Schlitzwand für den Bahnhof hätten eine große Gefahr für die mittelalterliche Wand bedeutet. Deshalb haben wir sie in Sicherheit gebracht.“ Das ist sehr sorgsam erfolgt. Schließlich soll sich die Prozedur voraussichtlich in drei Jahren, wenn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den U-Bahnhof Berliner Rathaus fertig gebaut haben, in umgekehrter Richtung wiederholen. „Wir stellen die Mauer dann wieder an der originalen Stelle auf“, sagt der Archäologe. Zehn Meter Kellerwand könnten aber nicht erhalten werden, leider sei das wegen der Bahnhofskonstruktion nicht möglich.

Durchbruch zum Rathauskeller

Die Planung des Landesdenkmalamtes und des Senats geht aber noch weiter. So soll die alte Rathaus-Mauer später Teil eines neuen archäologischen Kellers werden, der zwischen dem U-Bahnhof und dem Roten Rathaus geplant ist. Vorgesehen ist dabei, das ehemalige Kellergeschoss des Alt-Berliner Rathauses wieder sichtbar und für Besucher begehbar zu machen. Der Keller, der ursprünglich von 24 Pfeilern durchzogen war, diente einst als eine Art Markthalle. Dort wurde insbesondere mit Tuchwaren gehandelt, weshalb die Archäologen den Keller auch als Tuchhalle bezeichnen.

Diese Halle und die erhaltenen Reste der Fußböden und Pfeiler sollen künftig als archäologischer Ausstellungsort dienen. „Wir wollen dort darstellen, wie Berlin im Mittelalter aussah“, sagt Hofmann. Zeichnungen und Fotos sollen gezeigt werden. Aber auch die Funde, die man bei den Ausgrabungen in den vergangenen Jahren entlang der Rathausstraße gemacht hat, etwa Tonkrüge, Teller und Schmuck. Sie stammen aus 19 Bürgerhäusern, die man wegen des U-Bahnbaus freigelegt und untersucht hat. Um in die geplante Ausstellung zu gelangen, ist ein Durchbruch vom Kellergeschoss des Roten Rathauses als Eingang vorgesehen. Weitere archäologische Keller sind am Petriplatz sowie am Berliner Schloss geplant.

Auch vom neuen U-Bahnhof aus wird man einen Teil der Mauerreste sehen können. Dafür wird im Zwischengeschoss eine Nische gebaut, durch eine Glaswand kann man dann in die Tuchhalle sehen. Technisch sei es kein Problem, statt einer Betonwand ein Glasfenster einzubauen“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Allerdings gebe es keine abschließende Absprache, eine Finanzierung durch den Senat stehe aus.

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Die ist aber laut Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, gesichert. So wurde die Umsetzung der Mauer bereits mit rund 200.000 Euro finanziert. Und für die drei archäologischen Fenster stehen aus dem Landeshaushalt insgesamt 8,5 Millionen Euro zur Verfügung. Wie Rohland sagt, soll der Ausstellungskeller zusammen mit der neuen U-Bahnstrecke eröffnet werden.

Das wird nach derzeitiger Planung im Jahr 2019 sein. „Es gibt wegen der Archäologen ein wenig Zeitverzug, der ist aber nicht ernsthaft“, sagt Reetz. Demnach soll die U5, die vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor verlängert wird, im Sommer 2019 in Betrieb gehen. Der Neubau der 2,2 Kilometer langen Strecke kostet 433 Millionen Euro. Außer dem Bahnhof am Roten Rathaus entstehen dabei auch die Stationen Museumsinsel (an der Schlossbrücke) sowie Unter den Linden (an der Ecke Friedrichstraße).