Ein Bus der BVG unterwegs in Berlin. Derzeit befördert das Unternehmen rund 70 Prozent weniger Fahrgäste als vor der Krise. Doch die Nutzung nimmt wieder zu. 
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BerlinDie U-Bahn kommt jetzt wieder öfter – zumindest auf drei Linien. „Auf der U2, der U5 und der U7 fahren wir seit diesem Montag wieder den Regelfahrplan“, teilte Petra Nelken, die Sprecherin des Landesunternehmens, auf Anfrage mit. Sie bestätigte auch offiziell, was bereits in der vergangenen Woche unter der Hand angekündigt worden war. Wie berichtet strebt die BVG an, die jetzigen Einschränkungen Anfang Mai aufzuheben. „Wir gehen davon aus, dass wir vom 4. Mai an auf allen Linien wieder das reguläre Angebot fahren können“, kündigte Nelken an.

Wenn das öffentliche Leben in Berlin nun schrittweise hochgefahren wird, werden wieder mehr Menschen Bahnen und Busse nutzen, so die Sprecherin. Diese Entwicklung sei schon jetzt erkennbar, das Fahrgastaufkommen nehme wieder zu.  Auf dem Höhepunkt der Krise lag die Zahl der BVG-Nutzer um 75 Prozent unter dem früheren Niveau, inzwischen seien es „nur“ noch 68 Prozent, sagte Nelken.

Nachdem das Unternehmen das Angebot zu Beginn stark ausgedünnt hatte, wurde es schon nach kurzer Zeit in einzelnen Bereichen teilweise wieder aufgestockt. So wurde der Zehn-Minuten-Takt bei der U-Bahn morgens und nachmittags mit Verstärkerfahrten ergänzt. Auf den Linien U6, U8 und U9 bleiben die Zusatzzüge erhalten, sagte Nelken am Montag.

Doch trotz der bisherigen Aufstockungen gab es immer wieder Kritik – unter anderem von Jens Wieseke, dem Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB. Mit Fotos von vollen U-Bahnen lieferte er sich beim Kurznachrichtendienst Twitter mehrmals einen Schlagabtausch mit den Social-Media-Mitarbeitern der BVG. Weniger Krankmeldungen „Warum ist kein Fünf-Minuten-Takt möglich?“, fragte er, als er wieder mal eine U-Bahn gesehen hatte, in der Fahrgäste die empfohlene Anderthalb-Meter-Distanz zu anderen Passagieren nicht einhalten konnten. Während des Berufsverkehrs seien viele Bahnen und Busse zu voll, die BVG müsse mehr Fahrten einplanen.

Dem Vernehmen nach gab es auch in der Senatsverwaltung immer wieder Kritik an der Art, wie das Landesunternehmen agiert. Dort gab es ebenfalls Skepsis, ob es richtig sei, das Angebot zu sehr einzuschränken. Andere Fachleute merkten an, dass immer weniger Doppeldeckerbusse fahren würden. Zeitweise hätten nur  zwei von fünf Betriebshöfen die großen Fahrzeuge eingesetzt.

Der Krankenstand bei der BVG, der während der Coronakrise teilweise auf bis zu 25 Prozent gestiegen war, ist inzwischen wieder gesunken, berichtete Nelken am Montag. „Beim Bus liegt er derzeit bei elf Prozent, bei der Straßenbahn bei knapp fünf Prozent“, so die Sprecherin. Das entspräche dem normalen Niveau vor der Pandemie. Auch bei der U-Bahn sei die Krankenquote zurückgegangen. Bei den Zügen auf den Linien U1 bis U4, die von Beschäftigten des Tochterunternehmens Berlin Transport gefahren werden, betrage sie gerade einmal 6,5 Prozent.

Auch die S-Bahn Berlin möchte am 4. Mai zum Normalbetrieb zurückkehren, teilte das Unternehmen am Montag mit. Von diesem Tag an sollen die Züge der Linien S26, S45 und S85, die seit dem 21. März nicht mehr verkehren, wieder fahren. Lediglich die Verstärkerzüge, die vor der Krise auf der S1 und S3 im Berufsverkehr eingesetzt wurden, bleiben dann noch außer Betrieb. Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt wieder das Angebot verstärken. Bereits in dieser Woche sollen Kundenzentren wieder öffnen, hieß es.

Auch bei den elektrischen Tretrollern hat die Normalisierung begonnen – auch wenn nicht jeder Fußgänger das gut finden wird. Der Vermieter Lime teilte am Montag mit, dass er in Berlin  wieder 100 E-Scooter auf Straßen und Plätzen zum Mieten bereit gestellt hat. „Wir wollen ein Angebot für diejenigen schaffen, die in der aktuellen Situation auch ohne eigenes Auto sicher von A nach B kommen wollen“, sagte Jashar Seyfi von Lime.