Berlin - In U- und S-Bahnen werden wieder deutlich häufiger die Fahrscheine kontrolliert - die Zahl der erwischten Schwarzfahrer in Berlin ist dadurch zwar absolut, aber nicht prozentual gestiegen. Denn immer mehr Kunden nutzen auch den Öffentlichen Nahverkehr. 2013 wurden bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) von 947,3 Millionen Fahrgästen im Jahr etwa 2,8 Millionen kontrolliert.

228.727 oder 8 Prozent konnten keinen Fahrschein vorweisen, wie aus der Antwort der Verkehrsverwaltung auf eine Parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht. 2014 stieg die Zahl der Kontrollen auf 5,3 (von 970) Millionen Fahrgästen. 355.476 oder 7 Prozent hatten nicht bezahlt. Die tatsächliche Zahl der Schwarzfahrer kennt niemand.

2013 Bußgelder über 5,3 Millionen Euro

„Die Zahlen zeugen von überzogenen Kontrollen der BVG. Mehr Kulanz bei nicht ganz klaren Fällen wäre angebracht“, kritisierte der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion, Stefan Gelbhaar. Bei der S-Bahn wird indes mehr als doppelt so häufig kontrolliert. 2013 mussten 7,2 Millionen Kunden ihr Ticket vorzeigen. 326.359 oder 4,5 Prozent fuhren schwarz. 2014 wurden 7,9 Millionen Fahrgäste überprüft, 333.519 oder 4,2 Prozent hatten keinen Fahrschein.

BVG und S-Bahn nahmen den Angaben zufolge durch Bußgelder für das Schwarzfahren 2013 je rund 5,3 Millionen Euro ein. Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor. Dazu zeigten die BVG im vergangenen Jahr 33.723 Personen wegen Schwarzfahrens an; bei der S-Bahn waren es 20.356.

Grüne: Schwarzfahren solle Ordnungswidrigkeit werden

Bei der BVG hätten nur rund 58 Prozent der erwischten Schwarzfahrer, bei der S-Bahn sogar nur rund 40 Prozent das Bußgeld von 40 Euro gezahlt, stellte Gelbhaar fest. „Die enorm hohe Anzahl von Strafanzeigen kostet Berlin massiv Geld und Personal. Gerade die Berliner Staatsanwaltschaft hat Besseres zu tun, als Anzeigen wegen Schwarzfahrens zu bearbeiten.“ Deshalb erneuerten die Grünen ihre Forderung, Schwarzfahren solle als Ordnungswidrigkeit und nicht als Straftat geahndet werden. „Das entlastet den Staat finanziell und personell immens.“ (dpa)