Geld für zehn Projekte: Hier soll das Berliner Bahnnetz erweitert werden  

Drei neue U-Bahn-Trassen, sieben neue Strecken für die Straßenbahn in Berlin. Der Hauptausschuss gab 16 Millionen Euro für die nächsten Planungen frei.  

Ein U-Bahn-Zug rollt über die Oberbaumbrücke, die Kreuzberg mit Friedrichshain über die Spree hinweg verbindet. Die U3, die hier verkehrt, soll künftig bis zum Mexikoplatz in Zehlendorf fahren.
Ein U-Bahn-Zug rollt über die Oberbaumbrücke, die Kreuzberg mit Friedrichshain über die Spree hinweg verbindet. Die U3, die hier verkehrt, soll künftig bis zum Mexikoplatz in Zehlendorf fahren.imago/Volker Hohlfeld

Es ist ein wichtiger Schritt zum Ausbau des Berliner Schienennetzes. Damit bei zehn Neubaustrecken die Planungen weitergehen können, hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses das nötige Geld bewilligt. Es geht um insgesamt 16 Millionen Euro, die für dieses Jahr vorgesehen, aber bislang noch gesperrt waren. „Der Hauptausschuss hat Planungsmittel für den U-Bahn- und Straßenbahnausbau freigegeben“, bestätigte der SPD-Haushaltspolitiker Sven Heinemann, der dem Gremium angehört. „Somit kann der Senat jetzt Verträge mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) abschließen.“

Nachdem auf Initiative der Sozialdemokraten die Westerweiterung der U7 in Spandau nachträglich in die Liste aufgenommen wurde, geht es nun um drei U-Bahn-Projekte, die vorangetrieben werden sollen. Die U3 wird im Südwesten Berlin von Krumme Lanke zum S-Bahnhof Mexikoplatz verlängert. Die U7, mit fast 32 Kilometern schon jetzt die längste U-Bahn-Linie Berlins, soll an beiden Enden erweitert werden. Vorgesehen ist, dass die Tunnelstrecke im Westen künftig von Spandau in die Großsiedlung Heerstraße Nord und eventuell weiter in Richtung Stadtgrenze verläuft. Im Südosten soll die U7 über den jetzigen Endpunkt Rudow hinaus zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER) führen.

„Die Aufnahme der Planungen und Abschlüsse von Finanzierungsverträgen mit der BVG der nunmehr drei genannten U-Bahn-Verbindungen erfolgen schnellstmöglich“, heißt es in einem zusätzlichen Beschluss, der von der SPD, der Linkspartei und den Grünen getragen wurde. Den Sozialdemokraten, die ihn initiiert hatten, ist der Ausbau des Berliner U-Bahn-Netzes besonders wichtig.

Zum Hermannplatz und in den Blankenburger Süden

Die landeseigene BVG soll aber auch sieben Straßenbahn-Neubauprojekte vorantreiben, hieß es in der nun abgesegneten Vorlage für den Hauptausschuss. Die Liste beginnt mit den Netzerweiterungen von der Warschauer Straße in Friedrichshain zum Hermannplatz in Neukölln, von Pankow-Heinersdorf nach Weißensee sowie durch den Blankenburger Süden zum S-Bahnhof Brandenburg.

Dieses Tram-Projekt wird bereits realisiert. Die Darstellung zeigt die künftige Endhaltestelle der Linie M10 in der Turmstraße in Moabit. Im Juni 2023 soll der Betrieb auf der Neubaustrecke in den Westen Berlins beginnen.
Dieses Tram-Projekt wird bereits realisiert. Die Darstellung zeigt die künftige Endhaltestelle der Linie M10 in der Turmstraße in Moabit. Im Juni 2023 soll der Betrieb auf der Neubaustrecke in den Westen Berlins beginnen.Simulation: Senatsverwaltung für Mobilität/BVG/Dipl-Ing. Büro Vössing

Genannt werden auch die Strecken vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz und zum Kulturforum in Mitte sowie eine neue Ost-West-Verbindung im Süden Berlins, die von Johannisthal zum Zwickauer Damm und zur Johannisthaler Chaussee nahe der Gropiusstadt verlaufen würde. Zwei weitere Straßenbahntrassen würden die Urban Tech Republic, kurz UTR, auf dem Gelände des früheren Flughafens Tegel anschließen. Eine Strecke soll vom Bahnhof Jungfernheide zum Kurt-Schumacher-Platz führen, die andere vom Rathaus Spandau und der Paulsternstraße über Gartenfeld zur UTR.

Brandenburg müsste den Großteil der U7 zum Flughafen BER bezahlen

Unterm Strich geht es um Planungsmittel in Höhe von zehn Millionen Euro für die Erweiterung des U-Bahn-Netzes sowie von sechs Millionen Euro für die neuen Straßenbahnstrecken. Das Abgeordnetenhaus hatte die Gelder mit Beschluss vom Juni 2022 gesperrt. Die nun erfolgte Freigabe durch den Hauptausschuss bedeutet, dass der Senat mit der BVG die nötigen Finanzierungsverträge abschließen kann.

Dass es nun mit den genannten Verkehrsprojekten weitergeht, bedeutet aber nicht, dass Bau und Eröffnung deutlich näher gerückt sind. In allen Fällen werden noch viele Jahre vergehen, bis die ersten Bahnen fahren können. Selbst das bislang scheinbar einfachste Vorhaben, die Verlängerung der U3 um weniger als einen Kilometer zum Mexikoplatz in Zehlendorf, wird sich in die 2030er-Jahre hinziehen. Im besten Fall, so die BVG, könnte das Planfeststellungsverfahren Anfang 2026 mit der Genehmigung enden. Wenn es keine Anwohnerklagen gibt, ließe sich der Tunnel je nach Bauverfahren nach 56 oder 60 Monaten fertigstellen – frühestens Ende 2030. Von Baukosten in Höhe von 49 Millionen Euro ist keine Rede mehr, inzwischen geht man von einer dreistelligen Summe aus.

Noch aufwendiger wären die von der SPD geforderten Verlängerungen der U7. Die Vorzugsvariante für die Strecke vom Rathaus Spandau nach Heerstraße Nord könnte ersten Kalkulationen zufolge 578 Millionen Euro kosten. Wie berichtet rechnet die BVG mit einem Baubeginn 2028 und einer Eröffnung 2035 – wenn alles klappt.

Für die Trasse von Rudow zum BER wären nach bisherigem Stand 799 Millionen Euro zu veranschlagen. Davon wären 643 Millionen Euro von den zuständigen Akteuren im Land Brandenburg zu tragen – worüber es dort noch Diskussionen gibt. Auch dafür sollen Untersuchungen in Auftrag gegeben werden, bei denen der erwartete Nutzen und die Kosten gegenübergestellt werden. Nur wenn die Wirtschaftlichkeitsprüfung positiv ausfällt, wird sich der Bund nennenswert an den Kosten beteiligen.

Fahrgastverband hält U9 nach Pankow für wichtiger

Selbst wenn die U-Bahn-Projekte nun erst einmal weitergehen können – die Diskussion, ob sich Berlin diese Vorhaben leisten kann oder nicht andere Prioritäten setzen sollte, wird weitergehen. „Wir brauchen keine U-Bahn-Strecke zum BER. Wenn Schönefeld einmal 50.000 Einwohner haben sollte – vielleicht. Doch nach jetzigem Stand wäre der Nutzen für die Fahrgäste gering. Schon heute ist der Flughafen BER mit S-Bahnen, Fern- und Regionalzügen sowie Bussen gut erreichbar“, sagte Jens Wieseke, Vize-Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbands IGEB, der Berliner Zeitung. Ein anderes U-Bahn-Projekt, die Verlängerung der U9 in den Nordosten Berlins nach Pankow, wäre aus Sicht des Verbands wichtiger. Auch die Erweiterung des Straßenbahnnetzes sollte vorangetrieben werden – energischer als bisher, forderte er. Dies wäre zu einem Zehntel der Kosten des U-Bahn-Baus möglich, gab Wieseke zu bedenken.

Doch die genannten Straßenbahn-Neubaustrecken liegen ebenfalls noch in weiter Ferne. So befindet sich das Vorhaben, den Alexanderplatz über die Gertrauden-, Leipziger und Potsdamer Straße mit dem Kulturforum zu verbinden, erst in der Entwurfsplanung. „Eine Fertigstellung des Projekts wird nach aktuellem Kenntnisstand für das Jahr 2028 angestrebt“, teilte Staatssekretärin Meike Niedbal (Grüne) dem SPD-Abgeordneten Max Landero mit.

Anwohner pochen auf Leipziger Park

Allerdings gebe es immer noch Unstimmigkeiten darüber, wie die Tram-Verbindung in das Umfeld eingepasst wird und was dort verändert werden sollte, berichtete Landero. Zuletzt hätten er und andere Bürger vom Senat das Signal bekommen, dass darauf verzichtet werden sollte, in der Leipziger Straße ein drittes Gleis zum Abstellen von Bahnen anzulegen. Auch sollte der von der Bezirksverordnetenversammlung vorgesehene Plan, einen Teil der Straße für einen Park zu entsiegeln, berücksichtigt werden. Rund 15.0000 Quadratmeter Grünfläche sollten so entstehen.

So könnte die Straßenbahnstrecke in der Leipziger Straße aussehen – Blick in Richtung Potsdamer Platz.
So könnte die Straßenbahnstrecke in der Leipziger Straße aussehen – Blick in Richtung Potsdamer Platz.Simulation: Senatsverwaltung für Mobilität

„Heute, ein halbes Jahr später, wird das Tram-Projekt konservativ mittig auf der Magistrale geplant und von resilienter Versickerungsfläche ist keine Rede mehr“, bemängelte der SPD-Abgeordnete am Donnerstag. „Bisher haben wir die Straßenbahn als Chance für eine positive Veränderung im Quartier interpretiert, da so der Leipziger Park entstehen sollte“, sagte Hendrik Blaukat, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Leipziger Straße. Dass der Senat dieses Zukunftsprojekt nun aufkündigen möchte, „ist für uns eine herbe Enttäuschung“.


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