Berlin - Vor allem im Westen der Stadt, wo rund 74 000 Fußballfans ins Olympiastadion zur Partie Hertha BSC-Borussia Dortmund strömen werden, droht ein Verkehrskollaps. So viel steht fest: Der Warnstreik, mit dem die Gewerkschaft Verdi die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an diesem Sonnabend von 4 bis 19 Uhr lahmlegen will, wird die Stadt hart treffen. Viele Berliner versuchen, sich auf das drohende Chaos vorzubereiten – doch die BVG lässt sich nicht komplett ersetzen.

Staus, volle S-Bahnen, verärgerte Fans: Die größten Probleme werden rund um das Olympiastadion erwartet, wo um 15.30 Uhr der Anpfiff zum 1 000. Bundesligaspiel von Hertha BSC ertönen soll. Selbst erfahrenen Sicherheitsexperten wird es mulmig, wenn sie daran denken. „Es wird eine Herausforderung sein, die Menschenmassen dorthin und wieder zurück zu bringen“, so der Sprecher der Bundespolizei, Meik Gauer.

Zusammenstöße befürchtet

Das beginnt schon am Hauptbahnhof, wo viele der erwarteten 20.000 Dortmund-Fans eintreffen. Um Zusammenstöße zu verhindern, hat die Bundespolizei ihre Einsatzkräfte verstärkt. Ziel sei es, gewaltbereite „Ultras“ von friedlichen Fans zu trennen, sagte Gauer. Bisher klappte das gut: Auswärtige fuhren S-Bahn, Berliner lieber U-Bahn. „Doch wenn nun die U 2 bestreikt wird, werden sich alle in der S-Bahn treffen“, so ein Polizist.

Mit der U-Bahn fällt auch viel Beförderungskapazität weg. Die S-Bahn will zwar im gesamten Netz „alle verfügbaren Fahrzeuge und Personale“ einsetzen, wie ihr Chef Peter Buchner sagte. „Doch wir können den Ausfall der BVG nicht kompensieren.“ Je nachdem, wie viele Wagen bereitstehen, kann die S-Bahn pro Stunde 13.500 bis 18.000 Fahrgäste zum Stadion befördern – aber nur, wenn alle brav zusammenrücken.

Da die Sicherheit an erster Stelle steht, will die S-Bahn bei Andrang zeitweise Stationen schließen, etwa das Westkreuz. Fans sollten in Betracht ziehen, von den Bahnhöfen Westend und Messe Nord/ ICC zum Stadion zu laufen – drei Kilometer weit.

Im Auto zum Spiel? Schlechte Idee! Am Stadion stehen sogar weniger Parkplätze zur Verfügung als sonst. „Nur 200 bis 300 Parkplätze sind frei verfügbar“, sagte der Geschäftsführer der Olympiastadion GmbH, Joachim E. Thomas. Der Parkplatz Rominter Allee/ Olympische Straße ist gesperrt, weil dort nach dem jüngsten Zirkusgastspiel noch Nägel im Boden stecken, mit denen das Zelt befestigt worden war.

Wegen des Frosts konnten sie bislang nicht entfernt werden. Für Autofahrer gibt es am Messegelände 1.500 Parkplätze. Von dort verkehren Shuttlebusse – ebenfalls kostenlos. „Natürlich ist es eine ärgerliche Situation“, sagte Thomas. „Aber ich habe keine Möglichkeit, etwas zu ändern.“ Mit einer „gewissen Anspannung“ sehe er der Partie entgegen.

Stress für Berlinale-Gäste

ADAC-Verkehrsexperte Jörg Becker rechnet auch rund um die Filmfestspiele am Potsdamer Platz mit „dramatischen Zuständen auf den Straßen“ – vor allem mit viel Parksuchverkehr. Auf ihrer Internetseite informiert die Berlinale, die am Sonnabend mit der Verleihung der Silbernen und Goldenen Bären weitere Höhepunkte erlebt, über den Warnstreik. „Wir erwarten erhebliche Beeinträchtigungen“, sagte die Sprecherin Frauke Greiner. Vor allem ausländischen Gästen werde geraten, frühzeitig ihr Taxi zum Flughafen zu ordern.

„Wir erwarten 30 Prozent mehr Taxibestellungen als sonst. Darum stocken wir das Personal auf – von 20 bis 25 auf 30 Mitarbeiter“, sagte Hermann Waldner, Chef mehrerer Taxi-Zentralen (unter anderem 20 20 20). „Außerdem bitten wir alle Vertragspartner, mit möglichst vielen Taxis einsatzbereit zu sein.“

Die Lise-Meitner-Schule in Neukölln hat ein anderes Problem: „Für diesen Sonnabend laden wir von 10 bis 14 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Wir öffnen unsere Labore und haben Mitmach-Experimente vorbereitet. Es wäre schade, wenn wegen des Warnstreiks weniger Besucher kämen“, sagte die Schulleiterin Petra Christiansen. „Darum hat unser Förderverein dafür gesorgt, dass ein Reisebus zwischen dem S-Bahnhof Hermannstraße und unserer Schule pendelt.“ Berlin hilft sich selbst.