Schlechte Sicht von innen: ein beklebter Doppelstockbus der BVG.
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BerlinEin Ärgernis, das viele Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stört, soll es auch in den kommenden Jahren geben. Weiterhin wird es möglich sein, Fensterscheiben von Bussen und Straßenbahnen mit Werbung zu bekleben. Das berichtet der Fahrgastverband IGEB in der neuesten Ausgabe seiner Zeitschrift Signal, die nun erscheint.

Im Europäischen Amtsblatt hat das Landesunternehmen den Vertrag für die Werbekonzessionen ausgeschrieben. Wer ihn erringt, darf fünf Jahre lang Flächen an der größten kommunalen Nahverkehrsflotte Deutschlands vermarkten – von Anfang 2021 bis Ende 2025. Es geht um nicht weniger als 1400 Busse und 1300 U-Bahn-Wagen sowie 365 Straßenbahn-Fahrzeuge. Mitte 2020 fällt die Entscheidung, wer den Vertrag bekommt, hieß es am Dienstag.

Fahrgästen wird die Sicht verkleistert

Was den Fahrgastverband stört: Obwohl Reklamefolien auf Fenstern immer wieder kritisiert wurden, weil sie Fahrgästen den Blick versperren und das Fahrerlebnis mindern, will die BVG auch mit dem neuen Kontrakt „Ganzwerbung“ ermöglichen.

In der Tat zeigt die Anlage 1.4 zu den Ausschreibungsunterlagen, dass auch Fenster beklebt werden dürfen. Und in der 17-seitigen Leistungsbeschreibung heißt es, dass alle gelb lackierten Außenflächen, die Dachbereiche nichtmotorisierter Fahrzeuge sowie sämtliche „Scheibenaußenflächen der Fenster und Türen“ für Werbung freigegeben sind. Auch der neue Vertrag werde es ermöglichen, bis zu 25 Prozent der Gesamtfensterfläche mit Werbefolien zu bekleben, bemängelte die IGEB. Bilanz in der Zeitschrift Signal: „Der Dumme ist wieder der Fahrgast. Der guckt in die Röhre, denn die Aussicht aus dem Fenster ist ihm ja verkleistert.“

Die Einnahmen entlasten Haushalt

Tabu sind die Frontscheibe, die Fahrzeugfront, die Fenster der Fahrerbereichs, Signalanlagen sowie die erste Tür in Fahrtrichtung rechts und das erste Fenster links daneben. Für U- und Straßenbahnen gelten weitere Einschränkungen. Generell müssen die Werbefolien eine Transparenz von mindestens 50 Prozent haben.

„Natürlich wird bei uns weiterhin Werbung betrieben“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. „Damit verdienen wir Geld, das wir nicht unseren Fahrgästen abnehmen müssen. So wird unser Haushalt entlastet.“ Hand aufs Herz: So schön sei Berlin mancherorts nicht, dass man immerfort hinschauen will, so Nelken.