Nicht jeder Fahrgast mag es, in der BVG eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Forschungen der TU Berlin ergaben allerdings, dass das Tragen von Masken den Anteil der Corona.-Infektionen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln stattfinden, deutlich verringert.
Foto: Berliner Zeitung/ Volkmar Otto

BerlinWer Mund und Nase bedeckt, verringert das Ansteckungsrisiko. Doch weiterhin gibt es Menschen, die sich nicht an die Maskenpflicht bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)  halten. Gegen sie will das Landesunternehmen nun schärfer als bisher vorgehen. Das kündigte Betriebsvorstand Rolf Erfurt, der die BVG derzeit leitet, im Gespräch mit der Berliner Zeitung an. „Wir werden unsere Bemühungen, die Maskenpflicht durchzusetzen, demnächst intensivieren“, sagte er. „Die Schwelle, einzugreifen und die Vertragsstrafe einzufordern, wird künftig niedriger sein als heute. Das gilt zum Beispiel für Fahrgäste, die wir wiederholt ohne Maske in der BVG antreffen. Wer noch immer nicht den Gong gehört hat, muss mit Folgen rechnen.“

Die Regeln sind eindeutig. Seit dem 27. April gilt die Pflicht, im Berliner Nahverkehr Mund und Nase zu bedecken. Am 7. Juli hat die BVG festgelegt, dass ihre Sicherheitskräfte Maskenmuffel ab sofort mit einer Vertragsstrafe in Höhe von 50 Euro belegen dürfen. Sie ist das erste Verkehrsunternehmen in Deutschland, das eine solche Sanktion ermöglicht. Die rund 250 unternehmenseigenen Sicherheitskräfte und die beauftragten Mitarbeiter der Wisag sind befugt, die Vertragsstrafe zu verhängen. „Sie hatten sich dafür eingesetzt“, sagte Erfurt. „Begründung war, dass sie etwas in der Hand haben wollen, um gegen Maskenmuffel vorgehen zu können.“

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Einführung der Vertragsstrafe positiv auf die Disziplin der BVG-Fahrgäste ausgewirkt hat“, berichtete der BVG-Manager. „Danach halten sich während des Berufsverkehrs 98 bis 99 Prozent unserer Fahrgäste an die Pflicht, Mund und Nase zu bedecken. Über alle Tages- und Nachtstunden gerechnet, beträgt die Quote im Durchschnitt rund 90 Prozent. Nachts liegt sie allerdings zum Teil deutlich niedriger.“

Trotz der teilweise positiven Bilanz treffen die Sicherheitsleute immer wieder Fahrgäste an, die ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs sind. Am Wochenende teilte die BVG mit, dass bislang rund 45.000 Fahrgäste, die keine Maske trugen, angesprochen wurden. „Rund 1600 Mund-Nase-Bedeckungen wurden kostenlos verteilt“, hieß es. Doch nicht immer zeigten sich Maskenmuffel einsichtig. Deshalb sprachen Sicherheitskräfte zirka 450 Verwarnungen aus. Dabei handelte es sich um Bahnhofsverweise, hieß es. Außerdem wurden rund 270 Vertragsstrafen à 50 Euro verhängt.

„Wir werden weiterhin wachsam sein, und wir werden bei unseren Bemühungen nicht nachlassen. Der Schutz unserer Beschäftigten und Fahrgäste hat unverändert Priorität“, kündigte Erfurt an. Deshalb werde die Gangart gegen Maskenmuffel verschärft. „Absehbar ist, dass die Maskenpflicht noch viele Monate weiterbestehen wird“, sagte er. Mund-Nasen-Bedeckungen seien ein wichtiges Mittel, um Ansteckungen zu verhindern. „Zusätzliche Desinfektionen würden nur eine trügerische Sicherheit bieten.“

Bislang haben sich nur zwölf BVG-Beschäftigte mit Corona angesteckt

BVG-Sprecherin Petra Nelken verwies auf aktuelle Forschungsergebnisse der Technischen Universität Berlin. Sie zeigten, dass das Tragen von Masken den Anteil der Infektionen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln auftreten, signifikant verringert. „Tragen 90 Prozent der Passagiere Stoffmasken, so reduziert sich der Anteil laut Modell um etwa 70 Prozent“, so Nelken. Tragen 90 Prozent der Fahrgäste FFP-Masken, so sinkt der Anteil der Infektionen in öffentlichen Verkehrsmitteln laut Modell sogar um bis zu 100 Prozent. „Diese Ergebnisse zeigen, dass es nicht notwendig ist, den öffentlichen Verkehr einzuschränken, wenn die Fahrgäste Masken tragen“, sagte die BVG-Sprecherin.

Die Einhaltung der Maskenpflicht trage entscheidend dazu bei, dass der Nahverkehr „sauber“ bleibt, so Rolf Erfurt. Busse und Bahnen seien kein Hotspot für Corona-Infektionen – auch wenn viele Menschen das befürchten. „Es gibt keine Indizien dafür, dass es im Nahverkehr ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gibt.“ Die geringe Zahl der Covid-19-Erkrankungen bei der BVG bestätige dies. „Bislang sind zwölf BVG-Beschäftigte an dem Coronavirus erkrankt“, so der Betriebsvorstand. „Angesichts von mehr als 15.000 Beschäftigten im Konzern ist das ein sehr niedriger Wert. Anhand der Informationen, die wir dazu bekamen, können wir zudem feststellen, dass sich kein Beschäftigter während der Arbeit bei der BVG angesteckt hat. In allen Fällen hatte die Ansteckung nachweislich im privaten Umfeld stattgefunden.“

Um Busfahrer zu schützen, wurden die Fahrerbereiche mit Folien abgesperrt. Wie berichtet sollen die Kunststoffbarrieren aber wieder verschwinden. Die BVG hat damit begonnen, im vorderen Eingangsbereich von Bussen Scheiben aus Sicherheitsglas einzubauen. 103 Fahrzeuge wurden bereits damit ausgestattet. Der Fahrer sitzt hinter dem „Spuckschutz“, wie die Virensperre intern genannt wird. „Tests ergaben eine gute Resonanz beim Fahrpersonal. Wie angekündigt werden wir nun alle Busse, die noch für längere Zeit bei uns im Einsatz bleiben, mit den Scheiben ausstatten. Wir rechnen mit Investitionen von rund drei Millionen Euro“, teilte Erfurt mit. „Wenn die jetzt laufende Ausschreibung erfolgreich ist, dann müsste es uns gelingen, bis Ende September oder Anfang Oktober alle Busse umzurüsten“ – deutlich früher als zuletzt angekündigt.

Die Glasscheiben ermöglichen es, den Vordereinstieg wieder zu öffnen, der im März geschlossen wurde. „Das ist auf einigen Linien auch angeraten, weil es beim Ein- und Aussteigen an der einzigen verbliebenen Tür Gedränge gibt“, sagte Erfurt.

Weiterhin wird die BVG deutlich weniger genutzt als vor dem Beginn der Pandemie. Im Vergleich zu früher hat sich die Zahl der Fahrgäste bei 70 Prozent eingependelt. „Sie wird weiter steigen, sobald alle Schüler wieder in vollem Umfang den Unterricht besuchen und weitere Berufstätige ihr Homeoffice aufgeben und wieder täglich ins Büro fahren. Doch solange weiterhin Messen ausfallen, das Kulturangebot ausgedünnt ist und Einschränkungen für die Gastronomie gelten, werden uns Fahrgäste fehlen“, so Erfurt. „Derzeit gehen wir davon aus, dass die BVG das frühere Niveau erst 2022 wieder erreichen wird.“