Es war ein schöner Tag für Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) und für Sigrid Evelyn Nikutta, die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Beide verkündeten am Montag gute Bilanzzahlen für 2013. Die Fahrgelderträge erreichen einen Rekordwert, der Verlust ist gesunken, und die BVG muss keine neuen Schulden aufnehmen. Doch für die Fahrgäste gab es nicht so gute Nachrichten. Denn die BVG setzt sich dafür ein, dass die Fahrpreise in jedem Jahr um fast drei Prozent steigen. Nußbaum: „Um das System wettbewerbsfähig zu erhalten, sind Tariferhöhungen nötig“ – von 2014 an automatisch. Zusätzliche Fahrten wurden dagegen nicht angekündigt an, obwohl das Land dafür Geld bereit gestellt hat.

Es gibt immer mehr Berliner, und die Wirtschaft wächst. Das bekommt endlich auch die BVG zu spüren. Nachdem die Fahrgastzahl zwei Jahre stagnierte, machte sie jetzt wieder einen Sprung nach oben – um 13 Millionen. „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr rund 950 Millionen Fahrgäste befördern werden“, sagte Nikutta.

Die Fahrgelderträge nahmen noch stärker zu – dank einer Werbekampagne mit Cindy aus Marzahn und einer Tariferhöhung. Am Ende des Jahres werden 34 Millionen Euro mehr in der Kasse sein: 603,6 Millionen Euro, hieß es am Montag. Zwar steht ganz unten in der BVG-Bilanz erneut eine rote Zahl – 36,2 Millionen Euro. Doch das Defizit ist 21,5 Millionen Euro niedriger als im vergangenen Jahr.

Noch besser wirkt das Resultat, wenn man nur die Differenz der Einnahmen und Ausgaben im Kerngeschäft der BVG, dem Betrieb von Bussen und Bahnen, betrachtet. „Dort werden wir erstmals in unserer Geschichte eine schwarze Null erreichen“, so Nikutta. „Eine große unternehmerische Leistung der Mitarbeiter.“

Bis zu 2,9 Prozent pro Jahr

Angesichts des Höhenflugs fordert der Fahrgastverband IGEB, 2014 in der Region auf eine Tariferhöhung zu verzichten. Auch in der Brandenburger Politik mehren sich die Stimmen, die das verlangen. Dort wird gewählt, und die Regierenden wollen das Volk nicht vergrätzen.
Doch die BVG brauche auch 2014 Preisaufschläge, sagte der Finanzsenator, der Vorsitzender des Aufsichtsrats ist: „Ich kann mich nicht von Wahlen in Brandenburg abhängig machen.“ Die nächsten jährlichen Fahrpreiserhöhungen sollten mechanisch, ohne Diskussion, erfolgen, sagte Finanzvorstand Henrik Falk. Darum gebe es mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg wieder Gespräche über einen Index, der die Höhe der jährlichen Verteuerung festlegt. „Er sollte 2,6 bis 2,9 Prozent betragen“ – Mittelwert der Erhöhungen in den anderen Bundesländern.

Heftige Kritik in Senatspapier

Einsilbiger war das BVG-Management, als es um neue Angebote für die Fahrgäste ging. Wie berichtet spendiert das Land dafür Geld – für das nächste Jahr vier Millionen, für 2015 sogar 7,5 Millionen Euro. Doch wo es nun Verbesserungen gibt, sagte Nikutta nicht: „Die Diskussion hat erst begonnen.“ Umfassende Aufstockungen seien nicht zu erwarten, denn die Geldspritze habe nur ein „begrenztes Volumen“. Nötig wären sie ohnehin nicht: Über den Tag gerechnet seien die Sitz- und Stehplätze nur zu rund 17 Prozent ausgelastet.

„Die BVG hat eine gute Bilanz erzielt. Aber davon müssen auch die Fahrgäste etwas haben“, entgegnete Jens Wieseke vom Fahrgastverband. Dass Busse und Bahnen schlecht ausgelastet sind, könne er nicht bestätigen: „Dichtere Fahrpläne und längere Züge sind nötig – auf allen Metrolinien der Straßenbahn und vielen U-Bahn-Linien wie der U 2 und U 7.“

Der Grünen-Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar pflichtete Wieseke bei: „Senator Nußbaum verliert die Fahrgäste aus den Augen. Noch immer müssen Fahrgäste wegen überfüllter Busse draußen bleiben. Auf überlasteten Buslinien wie der M 29, M 41 oder 122 muss der Takt verdichten werden.“

Ein internes Papier der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte die Beobachtungen. Busse und Bahnen seien voll, „und immer öfter sind sie zu voll“, heißt es darin. Darum seien die Fahrgastzahlen in Berlin auch nicht so stark wie in anderen Städten gestiegen. In Berlin würden die Potenziale, „die die wachsende Stadt für den Nahverkehr bietet, nicht ausgeschöpft“, lautet die Kritik. „Angesichts bereits auftretender Kapazitätsengpässe besteht dafür kein Spielraum.“ Anders formuliert: Auf vielen Linien sei für neue Fahrgäste gar kein Platz mehr.