Berlin - Noch bevor es richtig losgeht, gibt es eine Auszeit: Auch sechs Tage nach dem Fehlstart ist nicht absehbar, wann die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Friedrichshain-Kreuzberg arbeitsfähig sein wird. Vertreter von Grünen, Linken und SPD konnten sich auch am Montagabend nicht auf den künftigen Vorstand der BVV einigen. Am Donnerstag voriger Woche war die Kandidatin der Grünen für das Amt der BVV-Vorsteherin zweimal durchgefallen. Linke und SPD wählten sie nicht mit – obwohl beide Parteien mit den Grünen für die kommenden fünf Jahre eine Kooperation vereinbart hatten.

Wie es jetzt weitergeht, sei unklar, sagte Grünen-Fraktionssprecher Julian Schwarze der Berliner Zeitung: „Alle drei Parteien haben erklärt, dass sie weiteren Beratungsbedarf haben.“ Dies betreffe sowohl die Kandidatin als auch allgemein den Umgang miteinander. Der Beratungsbedarf ist offensichtlich groß: Es wurde nicht mal ein Termin vereinbart, an dem man sich wiedertreffen will.

Turbulent bis chaotisch

Die 54-jährige Kristine Jaath gehört seit 2006 der BVV an. Seit 2011 ist sie Vorsteherin, eine Art Parlamentspräsidentin. Ihr „zu tolerantes Agieren“ wurde vor allem rund um die Besetzung der Gerhart-Hauptmann-Schule kritisiert, als es in der BVV turbulent bis chaotisch zuging. Nach Meinung von Linken und SPD ist sie nicht in der Lage, Sitzungen strukturiert und straff zu leiten, vor allem wenn – etwa mit Blick auf die AfD – wieder eine schärfere Gangart nötig werden könnte.

Ob die Grünen, die als stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht für den Vorsteher-Posten haben, Jaath erneut aufstellen, ist ungewiss.