Café-Pächter in Berlin-Lichtenberg muss schließen, weil er nicht nur vegetarische Speisen ange

Berlin - Insgesamt 25 fleischlose Gerichte stehen auf der Speisekarte von Lars Potschka (31), darunter Gemüse-Frikadellen und vegane Schnitzel. Es sind gut doppelt so viele vegetarische Speisen wie solche mit Fleisch.

Für ein Lokal in Neu-Hohenschönhausen ist das ein großes Angebot für Vegetarier und Veganer, könnte man denken. Dennoch wird Potschka sein Café-Restaurant bald schließen, weil es nicht vegetarisch genug ist. Denn das gepachtete Lokal befindet sich auf dem Gelände des Tierheims, betrieben vom Tierschutzverein für Berlin (TVB). Der aber duldet keinen Fleischverkauf mehr und hat Potschka deswegen gekündigt. Am 18. Dezember schließt das Café.

Die Begründung des Vereins leuchtet dem Pächter nicht ein. Schließlich habe er seine Karte schon mehrfach umgestellt, immer weniger Fleisch und immer mehr Vegetarisches und Veganes angeboten, sagt Potschka. „Auf der aktuellen Karte sind zwei Drittel fleischlos.“ Den Umsatz mache er aber zu 80 Prozent mit Bulette, Würstchen und Co.. Außerdem kommt das Fleisch für Burger, Bockwurst und Bulette im Tierheim-Café von „Neuland“, einer Marke, die für artgerechte Tierhaltung steht.

Potschka fühlt sich unfair behandelt. Er sagt, im September 2015 sei der TVB erstmals mit dem Wunsch nach völlig fleischfreier Küche an ihn herangetreten. Seitdem habe er mehrfach das Angebot verändert. Für September 2016 seien wieder Gespräche in Aussicht gestellt worden, aber stattdessen hätte er bereits im Mai 2016 aus heiterem Himmel eine sogenannte Änderungskündigung erhalten. Der TVB hatte der Kündigung nämlich einen neuen Pachtvertrag beigefügt. Allerdings zu „seinen“ Konditionen, wie Potschka sagt – also mit der dezidierten Festschreibung auf fleischlose Küche.

Schweine retten, aber essen?

Annette Rost, Sprecherin des Tierschutzvereins, bestätigt die Änderungskündigung. Sie betont, man habe dem Pächter stets das Gespräch angeboten, ja sogar Kochkurse für die Umstellung. Dem TVB geht es um ideologische Grundsätze. „Es ist schwer erklärbar, dass wir einerseits Tierschutzarbeit leisten und andererseits Fleisch anbieten“, sagt Rost. Auf dem zum Tierheim gehörigen Bauernhof leben auch Nutztiere. Es könne nicht sein, dass man hinten gerettete Schweine halte und vorne welche esse. Die TVB-Mitgliederversammlung habe der Umstellung auf fleischlose Kost im Café zugestimmt, ohne Gegenstimme. Sie fand jedoch erst am 22. Oktober statt. Da war die Bulette für Lars Potschka im Tierheim schon verbrannt. Er versucht es nun an einem anderen Standort. Im „George“ in der Konrad-Wolf-Straße will er mit einer gemischten Karte noch mal durchstarten.