Berlin - Es stimmt ja: Man soll nicht mehr so viel von Ost und West reden, von den Unterschieden und dem Trennenden. Und doch geht es manchmal nicht anders. Am Freitag jedenfalls berichtete der Chef des Café-Restaurants Spreegold, dass er unbedingt in den Berliner Westen expandieren wollte. Schließlich ist er im Bikini-Haus am Breitscheidplatz gelandet. In dem Einkaufszentrum wird ab Anfang des Jahres umgebaut, im April will man eröffnen. Auf drei Etagen und für Gastronomen seines Schlages enormen 1500 Quadratmetern Fläche.

Dazu muss man wissen, dass Spreegold einst klein in der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg anfing und inzwischen eine weitere Filiale in Prenzlauer Berg und eine in Mitte hinzugekommen sind. Alle im Osten. Alle florieren, weil man  frische und dennoch günstige Produkte zu prima Service kriegt, Kaffee ohne Ende nachschenken und auch um 23 Uhr frühstücken kann. Eine Erfolgsgeschichte. 60 Arbeitsplätze entstehen am neuen Ort.

Hoffnung auf die City West

Er sei das Hipster-Einerlei am Rosenthaler Platz und anderswo einfach leid, sagt der Spreegold-Mann. Jetzt hoffe er auf die City-West. Auf eine Mischung aus Touristen, Geschäftsleuten und – ja, auch – dem einen oder anderen West-Berliner, der über die Wiederauferstehung der Gegend rund um den Bahnhof Zoo staunt, über die aufpolierten Ikonen der 50er-Jahre-Halbstadt:  den Zoo Palast, das Amerika-Haus oder eben das Bikini-Haus.

Die Geschichte von Spreegold passt zur Geschichte von The Barn. Das ist ein ambitioniertes Kaffeehaus aus Mitte, das noch eine Filiale in Prenzlauer Berg betreibt. Nächsten Sonntag übernimmt The Barn das olle Café Kranzler. Auch der Betreiber vom The Barn hat so seine Probleme mit dem für Prenzlauer Berg und Mitte typischen Publikum, die sprichwörtlichen „Mütter vom Kollwitzplatz“ inklusive. So wurden die Laptop-Arbeiter von der Fensterfront in die zweite Reihe verbannt, ebenso stillende Frauen.
Wahrscheinlich werden sich Spreegold und The Barn im Westen  weniger mit  Hipstern, dafür aber mit einem mitunter sehr von sich  überzeugten Publikum herumärgern müssen. Wenn sich diese Attitüde dank professionell arbeitender Abenteurer aus dem Osten nur ein wenig abschleifen könnte, würde die  City-West sehr gewinnen. Und die beiden Stadthälften würden sich erneut ein bisschen ähnlicher.