Campus Ohlauer in Kreuzberg: Wie es mit der geräumten Gerhart-Hauptmann-Schule weitergeht

Fünf Jahre lang  war sie besetzt, vor einem Monat wurde die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg geräumt. Passiert ist auf dem Grundstück an der Ohlauer Straße seitdem nichts – noch immer patrouillieren Wachschützer auf dem Gelände, bezahlt vom Bezirk. Sie sollen eine erneute Besetzung verhindern, wie es aus dem Bezirksamt heißt. Das wird auch noch eine Weile so bleiben: Denn bis das Areal umgestaltet wird, wird es dauern. Längst sind nicht alle Planungen abgeschlossen.

Am weitesten gediehen ist der „Campus Ohlauer“, den die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge auf dem Gelände bauen will. 120 Wohnungen in Modulbauweise sollen auf dem Schulhof entstehen. Die Howoge spricht von einem „integrativen Wohnprojekt“ – Platz finden sollen dort vor allem einkommensschwache Familien, Studierende, Geflüchtete und von Obdachlosigkeit bedrohte alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern. Menschen, für die es sonst in Kreuzberg keinen Platz mehr gibt, weil sie verdrängt werden.

Im Erdgeschoss wird unter anderem die Else-Ury-Bibliothek, die sich bisher in der Glogauer Straße befindet, einziehen. Fünf bis sieben Etagen  hat der gesamte Gebäudekomplex. Los geht es im August: Dann wird der bestehende Flachbau auf dem Schulhof abgerissen, richtig gebaut wird dann ab Herbst. Bezugsfertig sein sollen die Wohnungen im Herbst 2020.

Das Projekt war im Bezirk lange umstritten. Nachbarn beklagten, dass eine der letzten Grünflächen im Kiez bebaut wird und sammelten sogar Unterschriften. Der Neubau sei viel zu massiv geplant, es müssten zu viele Bäume gefällt werden. Mittlerweile wurde nachgebessert, so soll etwa eine Reihe Pappelbäume erhalten bleiben.

Neben dem „Campus Ohlauer“ soll im Südflügel der ehemaligen Schule, in dem bis Januar zuletzt noch elf Flüchtlinge lebten, ein Flüchtlingszentrum mit Beratungs- und Betreuungsangeboten entstehen. Wie dieses Zentrum aussehen, wer Träger wird und wann es eröffnen soll, ist bislang unklar.

Finanzierung noch unklar

Die Planungen stehen erst am Anfang, auch die Finanzierung ist noch nicht geklärt. Derzeit gibt es Gespräche zwischen Bezirk und Sozialverwaltung. Klar ist jedoch: Das Gebäude muss umfassend saniert werden. Vor einem Jahr hatte ein Brand großen Schaden angerichtet.

Unklar ist auch, wie genau es im Nordflügel weitergeht. Dort gibt es seit August 2016 eine Notunterkunft für Geflüchtete. Betrieben wird sie von den Johannitern. Etwa 100 Menschen leben dort. Sie soll im Zuge des Umbaus in eine Gemeinschaftsunterkunft umgewandelt werden.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte zuletzt auch vorgeschlagen, das alte Gebäude wieder zu einer Schule zu machen. Daraus wird jedoch wohl nichts. Das von Grünen, Linken und SPD geleitete Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg erteilte dieser Idee bereits vor langer Zeit eine Absage.