Berlin - Das Berliner Fortbewegungsmittel der Zukunft hat Scheckkartenformat. Mit dieser Mobilitätskarte kann man die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen sowie Taxis, Leihfahrräder und Leihwagen, die überall im Stadtgebiet verteilt abgestellt sind. Je nach Wetterlage, Tageszeit, Bedarf und eigener Finanzlage. So jedenfalls stellen sich der Berliner Senat, die BVG und interessanterweise sogar der Autohersteller Daimler die Zukunft vor – ein eigenes Auto wäre nicht mehr nötig.

Einen Schritt in diese Richtung will die Daimler-Tochter Car2Go Ende April gehen. Dann soll in Berlin mit 1000 Smarts die bisher größte Fahrzeugflotte für ihr bereits in acht europäischen und fünf nordamerikanischen Metropolen erprobtes Carsharing-Modell in Betrieb gehen. Die Zeiten, als das Auto-Teilen eine nicht ganz ernst zu nehmende Marotte der Alternativ-Szene zu sein schien, sind offenbar endgültig vorbei.

Kooperation mit der BVG

Car2Go ist bereits der siebente Carsharing-Anbieter in Berlin. Und der zweite, dessen Fahrzeuge nicht mehr an festen Stationen übernommen werden müssen. Wie bereits bei DriveNow (Fahre jetzt), einem Unternehmen von BMW und dem Autovermieter Sixt, das seit September in Berlin präsent ist, können die Mietfahrzeuge überall innerhalb des S-Bahnringes abgestellt und von neuen Fahrern übernommen werden. Wo der nächste Wagen steht, ist über ein Smart-Phone-App oder das Internet zu orten. Besitzer der jeweiligen Kundenkarten können sich, moderner Technik sei dank, einfach ins Auto setzen und los fahren.

„Unser Ziel ist es, dass immer fußläufig in 300 bis 500 Metern ein Fahrzeug zu erreichen ist“, sagt Michael Fischer von DriveNow. Und das funktioniere in der Regel auch. Dabei hat die BMW-Tochter nur 300 Fahrzeuge in Betrieb, will bis Sommer auf 500 aufstocken. 5500 Kunden seien derzeit registriert, sagt Fischer. „Die Zahl steigt täglich.“

Über die in Berlin etwas schnellere Konkurrenz verliert Robert Henrich, Geschäftsführer von Car2Go, am Montag kein Wort und beansprucht die Urheberschaft für das flexible Carsharing im großen Stil für sich. Zudem kooperiert Car2Go nicht nur mit dem Autovermieter Europcar, sondern auch mit der BVG. In deren Kundenbüros soll auch die Registrierung neuer Car2Go-Kunden möglich sein. Im Gespräch sind auch vergünstigte BVG-Tarife. Henrik Falk, Finanzvorstand der BVG, hofft, über solche Modelle neue Kundenschichten erschließen zu können.

Vorerst ist die Car2Go Flotte allerdings vollends Benzinbetrieben – obwohl Berlin zur Vorzeigestadt in Sachen Elektromobilität avancieren will und der Senat die Daimler-Aktivitäten ausdrücklich unterstützt. Die Infrastruktur von derzeit 220 Ladepunkten reiche für einen reibungslosen Elektro-Betrieb allerdings noch nicht aus, sagt Geschäftsführer Henrich. Im kommenden Jahr sollen aber auch 300 E-Smarts in Betrieb genommen werden.