Oliver Lünstedt ist 30 Jahre alt, Studienabbrecher – und erfolgreicher Firmengründer. Vor gut zwei Jahren hat er das Unternehmen Carzapp gegründet. Die Firma hat eine Technologie entwickelt, um Autos per Smartphone zu öffnen – wodurch sich komplizierte Schlüsselübergaben erübrigen. Möglich machen das eine Box, die ins Auto gebaut wird, und eine App. Praktisch ist das etwa für Carsharing-Firmen. „Anfangs dachten die Leute, so etwas müsse es doch schon längst geben“, sagt Lünstedt. „Oder dass uns die großen Autofirmen mit einer eigenen Version der Idee schnell platt machen.“

Doch es gab auch jene, die an Carzapp geglaubt haben, darunter Lünstedts Universität. Der junge Mann hatte zwar in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert, doch seine Diplomarbeit wollte er an der Technischen Universität Berlin schreiben – dort entstand schließlich auch die Idee zu Carzapp.

Lünstedt nahm am „Venture Campus“ teil, einer Seminarreihe zu Gründerthemen. Zu Beginn des Semesters stellen die Studierenden dabei eine Geschäftsidee vor, die sie bis zum Ende des Semester so konkretisieren, dass sie als Abschlussbericht einen Businessplan schreiben können. Nicht alle nehmen das ernst. „Viele haben auch einfach Quatschideen vorgestellt“, sagt Florian Lünstedt. Er selbst hat in dem Kurs seinen Partner für die Unternehmensgründung gefunden.

Auch finanziell griff die Universität ihnen anfangs unter die Arme und vermittelte das Team an das Exist-Stipendium, das explizit Gründungsideen aus der Wissenschaft fördert. Zudem organisiert die TU regelmäßig Veranstaltungen, um junge Gründer mit künftigen Kunden und Investoren ins Gespräch zu bringen.

Ähnlich aufgebaut wie der Venture Campus, aber als Wettbewerb angelegt funktioniert der „Funpreneur-Wettbewerb“ von profund, dem Gründungsförderungsprogramm der Freien Universität (FU). Über den Kurs hinweg sollen die Teilnehmer alle Bereiche eines Unternehmens selbst ausprobieren – von Einkauf über Vertrieb und Geschäftsführung bis hin zur Pressearbeit. Am Ende werden die drei besten Teams mit Preisgeldern ausgezeichnet. Sowohl die TU als auch die FU sind Mitglieder im Netzwerk „B!Gründet“, das regelmäßig Veranstaltungen rund ums Thema organisiert.

Zu diesem Netzwerk gehört auch die Humboldt-Universität (HU). „Bei uns basiert Gründungsberatung und -förderung auf drei Säulen“, sagt Philip Tettenborn vom HU-Gründungsservice. Zunächst gehe es darum, Studierenden das Thema in Vorlesungen und Seminaren nahe zu bringen. Dann folgt die gezielte Beratung. Interessierte Studenten müssen ein Exposé ihrer Idee einreichen; wer überzeugt, wird zu einem ausführlichen Beratungsgesprächen eingeladen. In der dritten Phase fördert die HU schließlich vielversprechende Jungunternehmer, unter anderem stellt sie ihnen Büro- und Arbeitsräumen zur Verfügung. 20 Teams arbeiten so aktuell mit Unterstützung der HU.

Ein Vorteil, wenn Unternehmertum und Wissenschaft zusammengehören, ist, dass die jungen Unternehmer meistens trotz Gründung ihr Studium abschließen. Das war bei Oliver Lünstedt anders. Während er Carzapp auf die Beine stellte, sprach ihm eines Tages ein Mitarbeiter der Uni Karlsruhe auf den Anrufbeantworter. Entweder er würde die Diplomarbeit endlich abgeben – oder zwangsexmatrikuliert werden. „Mir war allerdings sofort klar, dass ich Carzapp nicht aufgeben werde“, sagt er. Wenn er heute Mitarbeiter einstellt, interessiert er sich nur bedingt für deren akademische Leistungen.

Während immer mehr Universitäten auf die Gründer unter ihren Studierenden eingehen, sehen sie sich dem Vorwurf ausgesetzt, die Wissenschaft zugunsten der Wirtschaftlichkeit zu opfern. Dies Kritik sieht Philip Tettenborn gelassen. „Wissenschaft sollte doch auch angewandt werden. Die meisten unserer Gründer beenden ihr Studium. Doch nicht für jeden ist eine wissenschaftliche Karriere geeignet.“