Casting am Müggelsee: Im Haifischbecken von Friedrichshagen

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Friedlich ist es hier, die Sonne scheint, und der Duft nach frischen Brötchen lässt die Schlange vor dem Bäcker bis zum Ende des Bürgersteigs anwachsen. Ältere Paare sind mit dem Fahrrad unterwegs, junge Familien mit Kinderwagen. Samstagmorgen kurz vor 10 Uhr ist die Welt in Friedrichshagen eine heile Welt. Was würde passieren, wenn jetzt jemand „Im Müggelsee ist ein Hai!“ schreien würde?

Diese Frage müssen sich der Regisseur Leander Haußmann sowie der Autor und Musiker Sven Regener gestellt haben. „Hai-Alarm am Müggelsee“ heißt ihr Film, den beide im August und September in Friedrichshagen und im Strandbad Müggelsee drehen wollen.

Im Frühjahr 2013 soll er in die Kinos kommen. Haußmann, der auch in Friedrichshagen wohnt, wurde durch Filme wie „Sonnenallee“ und „Herr Lehmann“ bekannt. Regener, Sänger der Band Element of Crime, hatte das Buch zu Letzterem geschrieben. Für „Hai-Alarm“ schrieben beide das Drehbuch, sie führen auch gemeinsam Regie. Und sie haben dafür die Filmproduktionsfirma „Müggelfilm GbR“ gegründet.

Dass das beschauliche Friedrichshagen im Südosten Berlins der perfekte Ort für den Film ist, war ihnen von Anfang an klar: „Friedrichshagen hat alles, was man für einen gescheiten Hai-Alarm braucht: einen Müggelsee, einen Müggelseedamm, ein Strandbad, eine Straßenbahn, ein Rathaus und eine intelligente, kämpferische Bevölkerung.“

Kompliment an die „Wutbürger“

Mit diesem Kompliment sind die „Wutbürger“ von Friedrichshagen gemeint, die mit anhaltenden Protesten auf die geplanten BER-Flugrouten über dem Müggelsee reagieren. Die Anwohner müssen natürlich auch im Film vorkommen: Deshalb wurde zwei Tage lang, Freitag und Samstag, ins ehemalige Rathaus an der Bölschestraße zum Casting gebeten. Der Andrang war groß, mehr als 200 Interessierte sind gekommen. Aus dem Ergebnis wird ein Geheimnis gemacht.

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Wer dran ist, muss am Aquarium mit dem grauen Plastik-Hai vorbei in den Raum mit den zugezogenen Vorhängen. „Ein paar Leute lassen wir Szenen vorspielen. Was genau, wird aber nicht verraten“, erklärt Regieassistent Kai Stänicki. Viele sind hinterher enttäuscht, wie die Studentin Karoline, die mit ihrem Sohn dort ist. Sie muss bloß einen Zettel mit persönlichen Angaben ausfüllen, es wird ein Foto gemacht, das war’s.

Marina Lachermund hingegen ist positiv überrascht. Die 67-Jährige mit den roten Haaren bekommt die Nummer 122 und soll vor der Videokamera eine Szene vorspielen. „Darauf bin ich gar nicht vorbereitet, ich hab’ mich nicht mal richtig geschminkt“, sagt sie. Wie das Casting schließlich konkret ablief, darf sie nicht verraten. Nur so viel: Es hatte was mit dem Bölschefest, dem alljährlichen Straßenfest in Friedrichshagen, zu tun.

Auch Roy Zeidler winkt ab, als er rauskommt. „Ich glaube, da darf ich nicht drüber reden.“ Der 31-Jährige ist seit zehn Jahren Rettungsschwimmer. Leute mit diesem Beruf werden noch gesucht, auch wenn sie, wie Zeidler, bisher keine Erfahrung vor einer Kamera haben. „Schauspieler zu werden, war schon immer mein Traum“, sagt er. „Aber meine Mutter hat gesagt, ich soll erstmal was Richtiges machen.“

In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, wer im Film mitspielen darf, an der Seite von Stars wie Henry Hübchen, Benno Fürmann, Tom Schilling, Detlev Buck und Katharina Thalbach. Drehbeginn soll am 14. August sein. Auch wenn sich beim Casting alle sehr bedeckt halten, geheim ist nicht mehr, was beim „Hai-Alarm am Müggelsee“ geschieht:

Es gibt einen Hai-Jäger namens Snake Müller, einen Bademeister mit nur einer Hand, einen überforderten Bürgermeister und jede Menge „Wutbürger“. Auf der Internetseite des Films wird jedenfalls ein „Inferno des Wahnsinns“ versprochen.