Die Einschläge kommen immer näher: So könnte die Lage des Brandenburger CDU-Chefs Ingo Senftleben beschrieben werden: Der 45-Jährige wollte die Landtagswahl gewinnen und der erste Regierungschef ohne SPD-Parteibuch werden. Doch seine Partei landete mit ihrem schlechtesten Ergebnis auf Platz 3 hinter den Sozialdemokraten und der AfD.

Seit dem Wahldebakel versuchen konservative Kreise in der Partei nun, Senftleben wegzuputschen. Am Dienstag, in der ersten Sitzung der neuen Fraktion, konnte der noch verhindern, dass ein neuer Vorstand gewählt wird. Sonst hätte er vielleicht seinen Posten als Fraktionschef verloren. Die Idee ist, dass er nicht von Bord geht, sondern dass darüber erst in zwei Wochen debattiert wird – nachdem er für seine Partei die Sondierungsgespräche mit der SPD und den Grünen geführt hat.

Brandenburg: Grüne wollen Senftleben für rot-schwarz-grüne Koalition

So will er seine wacklige Position stärken, will als staatstragender Verhandler dastehen, dem es um die Verantwortung für das große Ganze geht. Doch nun will die Fraktion schon am nächsten Dienstag neu wählen. Damit könnten seine Tage als 13. Brandenburger CDU-Chef seit 1990 gezählt sein.

Bei einigen in der SPD-Führung gab es am Wahlabend auch Häme über Senftlebens Abschneiden. Dabei konnte der SPD doch nichts besseres passieren, als mit einer geschwächten CDU verhandeln zu können. Die Grünen knüpfen die mögliche rot-schwarz-grüne Koalition übrigens an die Personalie Senftleben, weil der ein liberaler Kopf ist. Seine innerparteilichen Gegner gelten teils als ultrakonservativ.

Wenn die sich durchsetzen, wäre eine Regierungsbildung wohl mehr als schwierig – und die Krise der CDU würde sich zu einer Krise für die anderen ausweiten.