Herr Schierack, in Brandenburg gibt es jetzt die erste offizielle Kooperation zwischen der CDU und der rechtskonservativen und euroskeptischen Alternative für Deutschland, AfD – in einem Kreistag. Haben Sie schon deswegen einen Anruf aus dem Kanzleramt bekommen?

Nein. Warum sollte ich?

Weil Brandenburgs CDU damit die bislang offenste Linie gegenüber der AfD fährt. Die Bundesspitze der Union setzt sich da sehr eindeutig ab. Warum Sie nicht?

Das ist bei uns in der Partei eindeutig geregelt: Angelegenheiten der Kreisverbände werden in den Kreisverbänden entschieden, nirgendwo sonst.

Aber Sie werden als Landesvorsitzender eine Meinung haben. Welche?

Ich habe deutlich gemacht, dass diese Entscheidung keine Rückschlüsse auf die Landesebene zulässt. Wir lassen uns vor der Wahl keine Debatte aufdrängen, mit wem wir gegebenenfalls Gespräche über Koalitionen führen und mit wem nicht. Wir messen das immer an der Programmatik.

Wo ist die AfD denn Ihrer Meinung nach anschlussfähig an die CDU Brandenburg, die ja teils sehr wertkonservativ aufgestellt ist?

Ich werde da nicht mit Ihnen nach Gemeinsamkeiten suchen. Ich sage nur – auch an die Adresse der SPD – dass wir uns nicht vorschreiben lassen, mit wem wir reden. Es gibt keine Denkverbote, es gibt keine Sprechverbote. Ausgeschlossen ist nur eine Koalition mit der Linken und mit der NPD. Dabei bleibt es.

Ihre Generalsekretärin Anja Heinrich sagt, sie sei offen für Gespräche, wenn der AfD-Chef Gauland auf sie zukommt. Wie offen sind Sie?

Eine Generalsekretärin hat unter anderem die Aufgabe, politische Lagen zu sondieren. Ich werde als Landeschef vor der Wahl jedenfalls keine Gespräche mit der AfD führen. Übrigens ebensowenig wie mit anderen Parteien.

Auch kein Kennenlerngespräch?

Nein.

Was ist denn Ihr Ziel für die Landtagswahl?

Unser Ziel ist es, Rot-Rot in diesem Land abzulösen.

Das heißt, realistisch gesehen: Sie wollen die Linke als Koalitionspartner der SPD ablösen.

Wir wollen stärkste Kraft in Brandenburg werden.

Im Ernst? Die CDU als stärkste Kraft wäre doch die Garantie, dass es bei Rot-Rot bleibt. Denn sonst müsste die SPD das Amt des Ministerpräsidenten an Sie abgeben – was nicht passieren wird.

Ich habe davor keine Angst. Wir wollen die Politik in Brandenburg verbessern, da kann man ja nicht in eine Wahl gehen und sagen, ich möchte gern Zweiter werden.