Berlin - Wenn die CDU an diesem Freitag in Hamburg ihren neuen Chef oder ihre neue Chefin wählt, hat das Ergebnis nicht nur für die drei Kandidaten Konsequenzen. Die Entscheidung hat auch Folgen für viele andere Amtsträger in der CDU. Schon machen Szenarios für einzelne Personen die Runde. Ein Szenario, das in der Berliner CDU rauf und runter durchgespielt wird, betrifft die Landesvorsitzende Monika Grütters. Anlass für ein klassisches Was-wäre-wenn.

Die Berliner CDU-Chefin ist als Kulturstaatsministerin eine enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Hamburg verliert Merkel mit dem Parteivorsitz auch ganz offiziell einen Teil ihrer Macht. Zur Einordnung: Es gab in der Geschichte der Bundesrepublik nur eine relativ kurze Spanne von zweieinhalb Jahren der Kanzlerschaft von Ludwig Erhard (Oktober 1963 bis März 1966), als der CDU-Regierungschef nicht gleichzeitig auch ihr Parteivorsitzender war.

In den Umfragen führt Merz 

Das bedeutet, dass Merkels Zukunft als Kanzlerin zumindest fraglich ist – allen Bekundungen von Friedrich Merz zum Trotz, dass er sich sehr wohl ein gedeihliches Miteinander mit der lame duck Merkel vorstellen könne, die ja auch angekündigt hat, nicht noch einmal Kanzlerin werden zu wollen. Ähnlich versöhnlich hat sich der Mitbewerber Jens Spahn, Merkels Gesundheitsminister, geäußert. Erst recht keine Probleme wird es sicher mit Annegret Kramp-Karrenbauer geben, die bis zum heutigen Tag Merkels Generalsekretärin ist. 

Kann aber Monika Grütters ihren Posten als Kulturstaatsministerin, den sie so offensichtlich mit Vergnügen ausfüllt, überhaupt behalten, auch wenn Merkel nur noch Kanzlerin ist? Und wenn ja, wie lange kann sich Grütters dann noch halten?

In den Umfragen für den CDU-Vorsitz liegt Merz vorne. Sollte er tatsächlich gewinnen, würde, so das Szenario, Merkel auch als Kanzlerin bald zurücktreten. Zu tief scheinen die Verwundungen, die die beiden einander einst zugefügt haben. Doch selbst bei einer Wahl Kramp-Karrenbauers könnte sich Merkel bemüßigt sehen, vorzeitig zurückzutreten, um ihrer natürlichen Nachfolgerin Gelegenheit zur Profilierung zu geben. Möglicherweise gäbe es dann vorgezogene Neuwahlen, wenn die SPD der CDU keinen bruchlosen Übergang gestatten will und deshalb die Koalition platzen lässt. Spahn gilt als aussichtslos.

Eher zwangsläufig zur Parteichefin

Sobald Merkel gehen würde, müsste laut dem Szenario auch ihre langjährige Weggefährtin Monika Grütters gehen. Ihr Weg würde Grütters dann von Berlin nach Berlin führen, allerdings vom Bund in die Ebenen der Landespolitik.
Tatsächlich gilt Monika Grütters seit vielen Jahren als Hoffnung der Berliner CDU. Anders als vielen Parteifreunden wird ihr zugetraut, auch Milieus anzusprechen, die die CDU in den vergangenen Jahrzehnten durch Provinzialität verprellt hat.

Sie wäre, glauben viele, eine ernstzunehmende Kandidatin für die Wahl zur Regierenden Bürgermeisterin 2021. Das ist zwar noch lange hin, doch ein möglicher Wettbewerb mit einer der beiden aktuell stärksten und auch in der näheren Zukunft aussichtsreichsten Personen der Landespolitik, den beiden Grünen Ramona Pop und Antje Kapek, könnte reizvoll sein. 

Doch dafür müsste Monika Grütters auch wollen. Schon vor zwei Jahren wurde sie eher zwangsläufig Parteichefin. Amtsinhaber Frank Henkel hatte sich unmöglich gemacht, die anderen starken Männer in der CDU – und davon gibt es einige – waren nicht vermittelbar. Also ließ sich Grütters, so wirkte es, bitten. Ein echter Machtanspruch war daraus nie abzuleiten. Wenn sie dann doch einmal über ihre Berliner Ambitionen spricht, klingt das oft eher pflichtschuldig. Tatsächlich jedenfalls hat sich Grütters auch nach ihrer Wahl als Parteichefin so gut es ging aus den Berliner Niederungen herausgehalten. Diese Haltung wird sie nicht durchhalten können.