Chance verpasst: Die Grünen stellen keine eigene Bundespräsidenten-Kandidatin auf

Berlin - Die Grünen hätten nach Ansicht der Berliner Fraktionschefin Antje Kapek eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten aufstellen sollen. „Es hätte genügend Frauen in den eigenen Reihen gegeben”, sagte sie. „Ich hätte es für richtig befunden, eine eigene Kandidatin zu stellen.”

Sie selbst werde am Sonntag in der Bundesversammlung den Linken-Kandidaten Christoph Butterwegge wählen, sagte Kapek - und nicht wie von der Grünen-Parteispitze empfohlen Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich treibt das Land um. Daher können wir mit einem Armutsforscher wie Butterwegge das stärkere und wichtigere Zeichen setzen”, sagte Kapek.

Auch ein Meinungsbild in der Berliner Fraktion sei pro Butterwegge ausgefallen. Steinmeier stehe politisch für Entscheidungen, die die Berliner Grünen nicht mittrügen.

Am Sonntag wählt die Bundesversammlung des neuen Bundespräsidenten

Seine Wahl zum Bundespräsidenten gilt allerdings als sicher. Er wird von Union, SPD und FDP unterstützt und kann auch bei den Grünen auf viele Stimmen setzen. Die Bundesparteigremien hätten beschlossen, Steinmeier zu unterstützen, sagte Kapek. An diese Empfehlung seien die Wahlleute aber nicht gebunden.

Für die Berliner Grünen geben neben Kapek auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, die Abgeordnete Bettina Jarasch, die Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, ihre Stimme ab. Die Bundesversammlung mit 1260 Mitglieder tritt am Sonntag um 12.00 Uhr zusammen. (dpa)