Fünf Tage suchte die Berliner Polizei nach der zwölfjährigen Chantal L. aus Wittenau, zuletzt hatte die Mordkommission die Ermittlungen übernommen. Am Sonntagabend wurde die Schülerin dann gefunden, die Polizei traf sie in der Wohnung eines 19-Jährigen an. Sie war gesund und wurde zu ihrer Mutter gebracht. Doch es bleiben noch viele Fragen.

Im Fokus der Ermittlungen steht der 19-jährige Philipp H. aus Friedrichshain. Mit ihm hatte sich Chantal am Valentinstag getroffen und war mit in seine Wohngemeinschaft gegangen. Ihre Großmutter, bei der Chantal zum Zeitpunkt ihres Verschwindens lebte, hatte das Treffen verboten. „Da bin ich abgehauen, ich brauchte einfach mal eine Auszeit“, sagte Chantal dieser Zeitung im Beisein ihrer Mutter.

Über Umwege die Polizei informiert

Fünf Tage lang gab es kein Lebenszeichen von dem Kind. Ein Bekannter von Philipp H. soll die Suchbilder von Chantal in einer Zeitung gesehen und über Umwege die Polizei informiert haben, heißt es. Am vergangenen Sonntag holten die Beamten das Mädchen dann aus der Wohnung in Friedrichshain.

Ob sich Philipp H. strafbar gemacht hat, wird jetzt geprüft. Er und Chantal werden zunächst von der Polizei vernommen. Dabei wollen die Ermittler herausfinden, was genau geschehen ist. Derzeit gibt es laut einer Polizeisprecherin zwar „keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen“. Allerdings stünden die Ermittlungen „erst ganz am Anfang“, sagte sie.

Jugendamt wartet ab

Unterdessen ist noch ungeklärt, wo die Zwölfjährige in Zukunft wohnen wird. Nach Streitigkeiten mit ihrer Mutter, vor allem wegen ständigen Schulschwänzens, hatte Chantal das letzte Jahr bei ihrer Großmutter gelebt. Sie wolle wieder zurück zu ihrer Mutter, sagte Chantal am Montag. Die Mutter sagte, beide würden sich nun um einen Termin beim Jugendamt bemühen, um „das alles zu klären“.

Zwar hat die 40-Jährige nach eigenen Angaben das Sorgerecht für ihre Tochter. Allerdings ist nicht bekannt, wie das zuständige Jugendamt in Reinickendorf nach dem tagelangen Verschwinden der Zwölfjährigen reagieren wird. Jugendstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) sagte: „Wir warten zunächst die Ermittlungsergebnisse der Polizei ab.“