Chaos fällt aus: BER besteht den Weihnachts-Stresstest 

An den zwölf Tagen rund um Weihnachten fertigte der Flughafen 600.000 Passagiere ab. 

Der BER hat ein überaus erfolgreiches Jahr hinter sich.   
Der BER hat ein überaus erfolgreiches Jahr hinter sich. dpa/Patrick Pleul

Während der Weihnachtstage war der Andrang am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) so groß wie nie in den vergangenen drei Jahren. Allein an den zwölf Tagen zwischen 22. Dezember und 2. Januar sind rund 600.000 Menschen vom Berliner Flughafen BER abgeflogen oder gelandet. Das sagte der BER-Sprecher Jan-Peter Haack der Berliner Zeitung. „Damit war das Jahresende die reisestärkste Zeit des ganzen Jahres 2022.“

Besonders voll waren demnach die Tage 23. und 30. Dezember sowie der 2. Januar. An diesen Tagen fertigte der Berliner Flughafen mehr als 60.000 Personen ab. Diese Rekordzahlen konnten demnach bewältigt werden, ohne dass es zu auffälligen Verzögerungen kam. „Ich werde nicht müde, zu erwähnen, dass das hier ein Teamsport ist“, sagt Haack weiter. „Es müssen viele Komponenten zusammenwirken, damit alles reibungslos funktioniert, und unsere Vorbereitung auf diese Tage hat gezeigt, dass es möglich ist.“

Zuvor war bekannt geworden, dass am BER in den vergangenen zwölf Monaten deutlich mehr Passagiere abgeflogen oder gelandet sind als im Pandemiejahr 2021. Das Vor-Corona-Niveau konnte aber demnach erwartungsgemäß nicht erreicht werden. Seit Januar wurden rund 19,75 Millionen Fluggäste am BER gezählt, wie die Flughafengesellschaft mitteilte. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 9,95 Millionen, im Vor-Corona-Jahr 2019 mehr als 35,6 Millionen Passagiere.

Nach Ansicht von Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach lief das Jahr 2022 für den BER „insgesamt gut“. „Durch enge Zusammenarbeit und intensive Vorbereitung insbesondere zu den Hauptreisezeiten haben sich die Prozesse beim Abflug und bei der Ankunft weitgehend eingespielt.“ Man sei immer besser darin geworden, den Fluggästen einen verlässlichen Service zu bieten.

Im Sommer wurden viele Flüge plötzlich gestrichen

Im Sommer geriet die Organisation des Flughafens in die Kritik, als Woche für Woche viele Flüge gestrichen wurden – zum Teil mehr als 200 Flüge pro Woche. Einer der Hauptgründe war die geringe Personaldecke beim Bodenpersonal, weil wegen der Pandemie zunächst Mitarbeiter entlassen worden waren und dann so schnell nicht wieder aufgestockt werden konnte. Außerdem konnten nicht alle Probleme dem Flughafen angelastet werden: Auch Airlines strichen Flüge, weil sie sich verkalkuliert hatten und der Krankenstand zudem hoch war, genau wie im Flughafen, wo zu wenig Sicherheitsmitarbeiter arbeiteten. 

Unabhängig davon war der reisestärkste Monat im BER der Oktober, in dem 2,1 Millionen Menschen vom BER abflogen oder dort landeten. Der verkehrsreichste Tag war der 23. September mit mehr als 82.000 Fluggästen. Insgesamt verzeichnete der Flughafen im gesamten Jahr 154.000 Starts und Landungen. Die Zahl der Passagiere steigerte sich im Jahresverlauf stetig von 768.000 im Januar bis hin zum Jahreshöchstwert im Oktober.

Ende März nahm der Flughafen das Terminal 2 in Betrieb, das bis Jahresende von gut 3,6 Millionen Passagieren genutzt wurde. Mitte November wurde derweil beschlossen, dass der alte Flughafen Schönefeld auch künftig nicht als Terminal 5 genutzt wird. Laut den ursprünglichen Plänen sollte das Terminal T5 drohende Kapazitätsengpässe am BER kompensieren – von solchen Engpässen wird angesichts der aktuellen Zahlen aber nicht mehr ausgegangen.

In die Schlagzeilen geriet der BER aufgrund einer Blockade durch Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ am 24. November. Der Flugbetrieb musste für gut eineinhalb Stunden eingestellt werden, die Aktion sorgte für eine breite Debatte auch über die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen. Anfang Dezember gelangten Klimaaktivisten nochmals auf das BER-Gelände, der Flugbetrieb wurde dabei aber nicht beeinträchtigt.

Für das kommende Jahr rechnet Flughafen-Chefin von Massenbach allgemein erneut mit großen Herausforderungen: „Wir sind uns der großen Unwägbarkeiten bewusst, die das Jahr 2023 mit dem Krieg in der Ukraine, weiterhin hohen Corona-Zahlen, fehlendem Personal in fast allen Branchen, gestiegenen Energiekosten und einer stagnierenden Wirtschaft bereithält“, sagte von Massenbach. (mit dpa)