Den Passagieren eines Türkei-Fluges wurde als erstes Angeboten, sich in Berlin auf Corona testen zulassen.
Foto: Christian Schulz

BerlinAller Anfang ist schwer – und in Berlin manchmal  noch ein bisschen schwerer. Am Mittwoch endlich sollte am Flughafen Tegel die Stelle für freiwillige und kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten öffnen. Mit einem negativen Test können die Ankommenden eine obligatorische ein- bis zweiwöchige häusliche Quarantäne umgehen. Am Mittwoch um 8 Uhr sollte die Teststelle öffnen, hieß es in einer Mitteilung von Senat und Charité.  Doch es kam anders. Dutzende testwillige Rückkehrer waren frustriert und verärgert. Viele von ihnen zogen ungetestet von dannen. 

Das Universitätsklinikum Charité und der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes sind im Auftrag der Landesregierung an den Airports, um „eine Pilotphase“ für das kostenlose Angebot auf den Weg zu bringen.  Bereits am vergangenen Donnerstag hatte das medizinische und technische Personal der beiden hochangesehenen Institutionen Tegel in Augenschein genommen, um nach einem geeigneten Platz zu suchen. 

Das Prozedere hätte in etwa so sein sollen: Die Reisenden laufen von ihrem Ankunfts-Gate zu Gate A00. Dort lassen sie sich elektronisch registrieren und gleich darauf testen. Danach sollen sie sich nach Hause in Quarantäne geben. Rund 48 Stunden später, so der Plan, soll das landeseigene Labor Berlin den Abstrich ausgewertet haben und der Reisende über das Ergebnis benachrichtigt werden. Ist der Test negativ, kann die Quarantäne sofort beendet werden. Ist er positiv, muss man zu Hause bleiben. Das automatisch informierte zuständige Gesundheitsamt würde sich mit weiteren Instruktionen melden.

Tatsächlich tat sich am Mittwochvormittag in Tegel vor Gate A00 stundenlang nichts. Weder die Fluggäste, die mit Flug TK 7728 aus Istanbul gegen 11.15 Uhr landeten und sich jetzt testen lassen wollten, noch ein gutes Dutzend Journalisten, die den ersten freiwilligen kostenlosen Test eines symptomfreien Rückkehrers aus einem Risikogebiet dokumentieren wollten, erhielten irgendeine erhellende Nachricht. Es war nur zu sehen, dass immer wieder Menschen im blauen Medizinerkittel hinter eilig aufgestellten Stellwänden auf dem Fußweg um das Terminal verschwanden. Andere werkelten gleichzeitig in einem kleinen Kiosk innerhalb des Flughafens, in dem in Nicht-Corona-Zeiten Fluggesellschaften ihr Büro haben. Nach einiger Zeit, als es immer noch nicht losging und aufgeregt Wartende gegen die Glastür klopften, klebten die Mitarbeiter von innen blickdichte Folie dagegen.

Draußen wurde die Stimmung langsam hitzig. Heike und Ahmet Oral aus Reinickendorf, 63 und 67 Jahre alt, waren langsam der Verzweiflung nahe. Sie hatten sich eigens nicht vor Abflug in Istanbul testen lassen, weil sie gehört hatten, dass das in Tegel möglich wäre. Direkt hinter ihnen in der Warteschlange stand eine 22-jährige Deutschamerikanerin. Sie ist seit Sonnabend in Berlin. Da sie telefonisch bei keiner Corona-Teststelle durchgekommen war, aber jetzt vom Testangebot am Flughafen gehört hatte, war sie nach Tegel gekommen. Mit Bahn und Bus. Ein junger Mann wollte seine Schwägerin abholen. Sie brauche dringend einen Test, den sie für eine medizinische Behandlung benötige. Jetzt stehe sie schon seit mehr als einer Stunde in der Warteschlange.

Irgendwann tauchte sogar die Polizei auf. Ein Fotograf hatte sein Handy über die Blicksperre gehalten und auf gut Glück auf den Auslöser gedrückt. Das Bild war nicht zur Veröffentlichung gedacht. Nach kurzer Aufregung beruhigten sich alle wieder.

Um 12.30 Uhr meldete die Senatswissenschaftsverwaltung, in deren Auftrag getestet werden soll: Der Grund der Verzögerung seien „Netzwerkprobleme“. Offensichtlich war es nicht möglich, die Reisenden digital zu registrieren. Um 13.30 hieß es von der Flughafengesellschaft: „Jetzt läuft’s. Es wird getestet.“

In Istanbul und an anderen Flughäfen in der Türkei gibt es einen solchen Corona-Testservice bereits seit einiger Zeit. Dort kann man sich für 110 Lira (rund 13,50 Euro) testen lassen – ein paar Stunden später hat man das Ergebnis. Ist es positiv, muss man in Quarantäne – ist es negativ, entfällt diese. Das Ergebnis wird auch in Deutschland akzeptiert. Passagiere aus Flug TK 7728 berichteten am Mittwoch, die Stelle im Istanbuler Airport sei rund um die Uhr geöffnet. So hätten sie sich am Mittwochmorgen um 2 Uhr testen lassen, fünf Stunden später hatten sie ihr Ergebnis, kurz darauf ging ihr Flieger nach Berlin. In Tegel spazierten sie müde aber entspannt zum Ausgang, während ihre Mitreisenden scheinbar ewig auf die Folter gespannt wurden.

Am heutigen Donnerstag soll in Schönefeld ebenfalls eine Pilot-Teststation eröffnen. Noch ist nicht ganz klar, wie lange die beiden Stationen zunächst arbeiten sollen. Über allem schwebt der Plan der Bundesregierung, die Tests verpflichtend zu machen. Sollte dies, wie geplant, bereits in der kommenden Woche geschehen, bräuchte man mehr Platz. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup kündigte am Dienstag an, dass in Tegel dafür das Terminal D hergerichtet wird. In Schönefeld ist dafür das provisorische Vorfeld mit Platz für tausend Menschen sowie ebenfalls Terminal D vorgesehen.