Das Virchow-Klinikum. HIer befindet sich die Kinderkrebststation der Charité.
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BerlinDer Aufnahmestopp wegen des andauernden Personalmangels am Kinderkrebszentrum der Berliner Charité soll – wie angekündigt – in der kommenden Woche zu Ende gehen. Eine Sprecherin der Charité sagte der Berliner Zeitung am Freitag: „Wir sind in der Weihnachtswoche wieder in der Lage, Kinder aufzunehmen, können bei der derzeit schwierigen Situation jedoch nicht ausschließen, dass es bei Personalausfall noch zu schichtbezogenen Bettensperrungen kommen kann.“

Bundesweit ist das Spezialpersonal knapp

Der Aufnahmestopp für neue Patienten war in der vergangenen Woche bekannt geworden. Charité-Vorstand Ulrich Frei sagte im Sender RBB, dass in dem Bereich zehn von 50 Mitarbeitern fehlten. Die Abteilung sei derzeit nur noch in der Lage gewesen, alle laufenden Behandlungen und Chemotherapien zu sichern. Doch für weitere Patienten gebe es keine Ressourcen.

Neu an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche würden an andere Einrichtungen verwiesen. Frei nannte Kliniken in Berlin-Buch, Cottbus und Hannover. Die Charité hat angekündigt, dass nächste Woche drei Spezial-Pflegekräfte in die Kinder-Onkologie zurückkehren.

„Die Kinderonkologie der Charité –Universitätsmedizin ist ein hochspezialisierter Bereich und Pflegende mit entsprechender Expertise sind bundesweit schwer verfügbar“, sagte die Sprecherin. Um dem bundesweiten Fachkräftemangel zu begegnen und eine Entlastung für das Pflegepersonal auf der Station zu schaffen, waren beispielsweise Servicemitarbeiter und Stationssekretärinne sowie Pharmazeutisch-Technische Assistenten eingestellt worden. Diese sind zuständig für die Zubereitung intravenöser Medikation. Eingestellt wurde auch eine Patientenmanagerin für die Beratung und Begleitung der Eltern.

„Die medizinische Behandlung von Kindern und Jugendlichen auf universitärem Niveau hat für die Charité höchste Priorität“, sagte die Sprecherin. Die Klinik habe den Aufnahmestopp verfügt, weil die offenen Stellen in der Pflege jedoch nur langsam nachbesetzt werden konnten. Außerdem sollte die Versorgungssicherheit gewährleistet werden für jene Kinder, die bereits in Behandlung sind.

Spannungen zwischen Pflegekräften und Ärzten

Am Freitag äußeten sich erstmals im RBB Krankenschwestern über die Gründe für die Kündigungswelle, bei der die Kinder-Onkologie etwa ein Fünftel ihres Pflegepersonals verloren hat. Demnach muss jeder Pfleger seit 2016 bis zu fünf Kinder versorgen, statt wie vorgesehen zwei bis drei. Die Arbeitsbelastung und das Risiko, Patienten zu gefährden, sind aus Sicht der Schwestern nicht mehr tragbar. Der Pflegeleitung werfen sie vor, auf ihre Beschwerden nicht eingegangen zu sein.

Frei spricht auch von großen Spannungen zwischen Pflegekräften und Ärzten sowie zwischen Pflege und Pflegeleitung. Um die Stimmung zu verbessern, solle ein Coach eingesetzt werden.

Nach Angaben der Charité dauert die Behandlung in der Regel drei bis zwölf Monate. Jährlich werden 120 bis 150 neue Kinder und Jugendliche behandelt.