Berlin - Seit Ende September steht das Bettenhochhaus der Charité in Mitte leer. Der im August begonnene Umzug der Patienten in einen Interimsbau auf dem Campusgelände ist abgeschlossen, jetzt könnte die Sanierung des 1982 in Betrieb genommenen Krankenhausgebäudes eigentlich beginnen. Doch der Charité fehlt weiterhin ein Generalunternehmer, der die Umbauarbeiten leitet.

„Der Baustart ist für das vierte Quartal dieses Jahres vorgesehen. Über ein Generalunternehmen ist noch nicht entschieden worden“, sagt der Charité-Sprecher Uwe Dolderer. Zuvor war, wie berichtet, von einem konkreten Termin die Rede gewesen: Am 4. Oktober sollte es los gehen mit der Sanierung. Das war am gestrigen Freitag. „Das genannte Datum war ein aus vergaberechtlichen Gründen rein formaler Termin“, sagt Dolderer. Der Termin habe nichts mit dem tatsächlichen Start der Baumaßnahmen zu tun.

Doch wenn sich nicht bald eine Baufirma findet, kann es mit den Arbeiten in diesem Jahr wohl nicht mehr los gehen. Zurzeit verhandelt die Charité nach Information der Berliner Zeitung mit zwei potenziellen Partnern. Die Gespräche sind schwierig, weil es Zweifel daran gibt, dass die vom Senat bewilligte Investitionssumme von 185 Millionen Euro für die Sanierung ausreicht.

Sanierung 41 Millionen Euro teurer als geplant

Eine für den 30. September anberaumte Sitzung des Aufsichtsrates, in der das Bauprojekt zur Sprache kommen sollte, wurde abgesagt. Nun wird Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), die dem Gremium angehören, sowie dem Charité-Vorstand mangelnde Transparenz vorgeworfen. „Wir wollen an der Entscheidung beteiligt werden, ob sich die Sanierung verzögert oder höhere Kosten entstehen“, sagt ein Aufsichtsrat. Dekanin Annette Grüters-Kieslich hatte das nicht ausgeschlossen.

Der Landesrechnungshof hatte in seinem Jahresbericht kritisiert, dass die Sanierungskosten um 41 Millionen Euro auf 226 Millionen Euro steigen. So seien Mietkosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro für die dreijährige Nutzung der Interimsklinik in der Planung nicht berücksichtigt worden. Gut möglich, dass die Patienten länger als bis zum Jahr 2016 in dem Containerbau bleiben müssen. Denn ob das Bettenhochhaus bis dahin bezugsfertig ist, erscheint gegenwärtig ungewiss.