Berlin - Auf diesen Tag hat Berlin lange hingearbeitet, mit Spannung wurde der Freitag vor allem in Wissenschaftskreisen erwartet. Doch nun ist es offiziell: Zum ersten Mal steigt der Bund finanziell dauerhaft in eine Bildungseinrichtung des Landes ein, obwohl Bildung eigentlich Ländersache ist. Ein Novum.

Konkret geht es um das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG), das in die Charité integriert werden soll. Das BIG erhält vom Bund bereits 70 Millionen Euro Förderung. Durch die Integration des Instituts in das Universitätsklinikum sichert der Bund die Grundfinanzierung der Bildungseinrichtung Charité. Die bisher befristete Fördersumme des Bundes von 70 Millionen wird damit nun festgeschrieben. Da auch das Land einen Teil trägt, kommt das 2013 gegründete BIG insgesamt auf ein eigenständiges Budget für die Forschung von knapp 78 Millionen Euro jährlich.

Der vorletzte, aber entscheidende Schritt für die Umsetzung dieses Projektes wurde am Freitagnachmittag gegangen: Alle Bundesländer haben in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Länder der entsprechenden Verwaltungsvereinbarung zugestimmt, so dass das BIG als bisher rechtlich selbstständige außeruniversitäre Einrichtung nun wissenschaftlich in die Berliner Charité integriert werden kann.

Ein klares Bekenntnis

Sie gilt im übrigen auch für alle anderen 15 Bundesländer. Am kommenden Mittwoch wird die Vereinbarung von den Bundesministerien und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) unterzeichnet.

Möglich ist die Förderung von wissenschaftlichen Einrichtungen durch den Bund schon seit 2015, da wurde eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Zuvor konnte der Bund nur befristete Projekte oder Programme finanziell unterstützen. Rund vier Jahre später ist die Gesetzesänderung nun bundesweit zum ersten Mal in die Praxis umgesetzt worden. Denn nun steigt der Bund direkt bei der Charité als Partner ein.

Umso erfreut zeigte sich Müller daher am Freitag nachdem die Bundesländer sich einstimmig entschieden hatten. „Die Entscheidung ist da: Ein siebzehnfaches Ja zur Integration des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung in die Charité, ein klares Bekenntnis des Bundes zu Berlin als Standort für medizinische Spitzenforschung“, sagte Müller der Berliner Zeitung. Dies sei zugleich ein Auftrag, die Forschungsergebnisse noch schneller ans Krankenbett zu bringen und maßgeschneiderte Medizin zu entwickeln. „Wir sprechen oft von guten Tagen, aber der heutige ist großartig, vor allem für Patientinnen und Patienten in Berlin und in ganz Deutschland“, so Müller, der als Senatschef und Senator für Wissenschaft und Forschung schon lange Berlin zur Wissenschaftsmetropole aufbauen will.

Patienten profitieren

Über ein Jahr wurde über die neue Verwaltungsvereinbarung verhandelt, die die Grundlage für das BIG und seine Weiterentwicklung als Teil der Charité darstellt. Im April 2019 einigten sich die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, und Müller auf einen Entwurf.

Mit der Integration des BIG in die Charité sollen Patienten schneller von medizinischen Innovationen profitieren können. Auf der einen Seite steht die klinische Praxis der Charité, auf der anderen Seite das BIG, das sich um die Erforschung von Krankheiten, also auf klinische Forschung spezialisiert hat.

Zugleich bleibt das Institut für Gesundheitsforschung aber wirtschaftlich unabhängig. Am Institut forschen Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt unter anderem an Therapien gegen Krebs, Alzheimer und Herz-Kreislaufkrankheiten. Insgesamt forschen aktuell 20 Professoren am BIG.

Eine dritte Säule

Das BIG erhält nun zudem einen Sitz im Vorstand der Charité, das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Sitz im Charité-Aufsichtsrat. Die Zusammenarbeit mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin wird fortgeführt.

Mit dem Institut für Gesundheitsforschung bekommt das Universitätsklinikum Charité neben der Klinik und der Hochschulmedizin nun eine dritte Säule. Für die Hochschulmedizin sichert der Berliner Senat aktuell ein Jahresetat für Lehre und Forschung in Höhe von 246 Millionen Euro.

Jährlich fließen 1,4 Milliarden Euro Bundesmittel – errungen im harten Wettbewerb zwischen Universitäten und Wissenschaftlern – nach Berlin.