Berlin - Die Sanierung des Bettenhochhauses der Charité in Mitte droht sich zu verzögern. Das war Thema im öffentlichen Teil der Fakultätsratssitzung am 9. September, wie zwei Teilnehmer der Runde berichteten. Demnach hat das Uniklinikum noch kein Generalunternehmen gefunden, das die Arbeiten federführend übernimmt, teilte Dekanin Annette Grüters-Kieslich dem Gremium mit.

Charité-Sprecher Uwe Dolderer sagte dazu am Donnerstag auf Anfrage: „Wir sind im laufenden Vergabeverfahren und bislang zu keinem Ergebnis gekommen.“ Er betonte jedoch, die Charité sei absolut im Zeitplan.

Geplanter Baustart im Oktober

Die Bauarbeiten sollen bereits am 4. Oktober, nach dem Umzug des Bettenhochhauses in einen Interimsbau auf dem Campusgelände, beginnen – und drei Jahre dauern. Es sei schwer, für das vom Senat bewilligte Investitionsvolumen in Höhe von 185 Millionen Euro einen Generalunternehmer zu gewinnen, sagte Grüters-Kieslich. Dem Vernehmen nach halten sie die Sanierungssumme für zu niedrig angesetzt und wollen dieses finanzielle Risiko nicht eingehen. Die Verhandlungen seien hart, berichtete die Dekanin. Falls sich kein Unternehmer finde, könne es zu einem späteren Baustart kommen. Eine Vergabe des Großauftrages an mehrere Einzelunternehmen lehnt Annette Grüters-Kieslich ab.

Das hieße, dass der als Provisorium geplante Containerbau mit 339 Betten längere Zeit als Klinik genutzt werden müsste als die veranschlagten drei Jahre. Das Bettenhaus hatte Platz für fast doppelt so viele Patienten.

Bei den Mitarbeitern der Charité in Mitte gab es schon geraume Zeit Befürchtungen, dass nach einem Freizug des Hochhauses die Sanierung gestoppt wird, weil die Mittel nicht ausreichen. Davon würden die anderen Häuser der Charité, das Virchow-Klinikum in Wedding sowie das Uniklinikum Benjamin Franklin in Steglitz, profitieren. Ungeachtet ihrer Fusion vor vielen Jahren liefern sich die Standorte der Charité weiterhin einen harten Konkurrenzkampf um Patienten und Betten. Bei einem Sanierungsstopp in Mitte könnten die Kliniken in Wedding und Steglitz in den Genuss zusätzlicher Investitionsmittel zur Sanierung ihrer Häuser kommen, die dann in Mitte erst mal nicht mehr benötigt würden.

Insgesamt stellt der Senat der Charité 330 Millionen Euro bis Ende kommenden Jahres zur Verfügung. Doch das wird nicht reichen. Nach Auffassung des Vorstandsvorsitzenden der Charité, Karl Max Einhäupl, bräuchte das Universitätsklinikum doppelt so viel Geld für Investitionen. Er hat wiederholt eine Aufstockung der Mittel gefordert. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos für SPD) war bislang jedoch nicht bereit, mehr Geld zu bewilligen.

„Wir erwarten, dass die Sanierung in Mitte durchgezogen wird. Wenn sich abzeichnet, dass das nicht geht, muss der Vorstand sofort zurücktreten und der Senat einen neuen berufen“, sagte der Vorsitzende des Fakultätspersonalrats, Christoph Berndt. Jedoch könne er sich nicht vorstellen, dass Charité-Chef Einhäupl die Sanierung stoppe.

Sanierung schöngerechnet

Der Vorstandsvorsitzende hatte sich stets für die Renovierung des im Jahr 1982 errichteten Bettenhochhauses eingesetzt, während Dekanin Grüters-Kieslich und Klinikumsdirektor Matthias Scheller, die ebenfalls dem Vorstand angehören, einen Neubau bevorzugten, der nur halb so groß gewesen wäre.

Zweifelhaft ist, ob der Finanzrahmen von 185 Millionen Euro für die Sanierung des Hochhauses überhaupt eingehalten werden kann. Nach Einschätzung des Landesrechnungshofs werden die Gesamtkosten um 41 Millionen Euro überschritten. Planungsrahmen und Kostenschätzung seien unvollständig. Die Sanierung des Bettenhauses wurde „schöngerechnet“, heißt es in dem Bericht.