Berlin - Die Marmorböden sind mit Spanplatten abgedeckt, ebenso die wertvollen Holztreppen im Hauptfoyer des Neuen Flügels von Schloss Charlottenburg. Die prunkvollen Räume im Obergeschoss wie der Weiße Saal und die Goldene Galerie wirken kahl. Die Gemälde sind abgehängt, das Inventar ausgeräumt, die Kronleuchter wurden entweder abgenommen oder sind dick eingepackt, um sie während der Bauarbeiten vor Schäden zu schützen. Denn Schloss Charlottenburg ist derzeit die wichtigste Baustelle der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Bis 2017 werden in der Ende des 17. Jahrhunderts errichteten königlichen Residenz die komplette Haustechnik mit Heizung und Elektrik erneuert sowie Keller und Dach gedämmt, um den Energiebedarf des Gebäudes drastisch zu senken.

Hartmut Dorgerloh, der Generaldirektor der Stiftung, weiß um den Wert des Schlosses und kann sich deshalb bei einer Besichtigungstour mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Donnerstag einen Seitenhieb Richtung Stadtmitte nicht verkneifen. Und sagt über den gerade entstehenden Schlossneubau auf dem Schlossplatz: „Der sieht vielleicht außen nach Hohenzollern aus. Aber hier ist das Original.“ Wer wirklich etwas über die Hohenzollern erfahren wolle, müsse nach Charlottenburg kommen – 350.000 Besucher haben das in diesem Jahr getan.

Ein Drittel weniger Energie

Damit die Touristen auch künftig etwas zu sehen haben, saniert die Stiftung seit 2012 das Schloss. Begonnen wurde mit dem Neuen Flügel im Osten der Anlage. Die anderen Schlossbereiche können weiter besichtigt werden. Gearbeitet wird vorerst nur an der äußeren Hülle. Wie Architekt Ayhan Ayrilmaz sagt, wird in das Dach eine Dämmschicht eingebaut. Die Fenster werden restauriert und erhalten besser isolierendes Glas. „Die Energieeinsparung wird 34 Prozent betragen, der Ausstoß von Kohlendioxid verringert sich um 23 Prozent.“ Zugleich werden die klimatischen Bedingungen für die Kunstsammlungen verbessert. So soll die Raumtemperatur einheitlich 15 Grad betragen, in den Veranstaltungssälen 18 Grad.

Der Generaldirektor führt Wowereit in die engen Kellergänge, vorbei an alten Sicherungskästen, um ihm die neu isolierten Heizungsrohre zu zeigen. Trotzdem ist es dort warm und stickig. Dorgerloh erzählt vom Wiederaufbau des Schlosses in den 1950er- und 1960er-Jahren. „Es gab nie ein einheitliches Konzept.“ Die technischen Anlagen hätten inzwischen selbst einen Museumswert und sollen so weit es geht erhalten bleiben, aber ohne Funktion. Zudem müssen im Keller Brandschutztüren eingebaut werden, eine neue Sicherheitszentrale wurde bereits installiert.

Sämtliche Arbeiten sind mit den Denkmalpflegern des Senats abgestimmt. So werden die Gitter an den Fensterbrüstungen restauriert und Schäden an den Außenwänden beseitigt. Zum Schluss wird die Fassade gestrichen. Aber in welcher Farbe? Rot wie zu Zeiten Friedrichs I., der die Sommerresidenz Lützenburg nach dem frühen Tod seiner Ehefrau Sophie Charlotte 1705 in Charlottenburg umbenannte? Oder doch in den Grautönen, die später Friedrich der Große bevorzugte? Denkmalpfleger Detlef Fuchs beruhigt die Berliner. „Die Gelb- und Ockertöne an der Fassade, die vom Ende des 18. Jahrhunderts stammen, bleiben. Und das Dach wird wieder mit roten Ziegeln gedeckt.“

Auch Wowereit betont, dass das Schloss Charlottenburg zusammen mit den gegenüberliegenden Häusern wie dem Museum Berggruen sowie der Sammlung Scharf-Gerstenberg zu den wichtigsten Attraktionen Berlins zählt. „Das Areal ist enorm wichtig und hochattraktiv für die Kulturlandschaft.“

Insgesamt 14,3 Millionen Euro stehen für die energetische Sanierung des Schlosses zur Verfügung, 5,2 Millionen Euro davon stammen aus dem Energieeinsparprogramm des Bundes. Am Neuen Flügel sollen die Arbeiten Mitte 2014 abgeschlossen werden, am Jahresende sollen die Räume wieder für Besucher freigegeben werden. Für den Erhalt von Schloss Charlottenburg sind aber auch nach 2017 weitere Arbeiten erforderlich. Sämtliche Wand-, Decken- und Fußbodenoberflächen in den Innenräumen müssen dringend instandgesetzt und restauriert werden, sagt Dorgerloh.